Politik

Clinton auf dem Grill Bengasi-Anhörung wird zur Polit-Bühne

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Hillary Clinton nutzt die Anhörung, um außenpolitische Leitlinien zu präsentieren.

(Foto: REUTERS)

Hillary Clinton soll zum Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi aussagen. Der Ausschuss prüft, ob sie damals als Außenministerin Fehler gemacht hat. Doch sie nutzt den Auftritt für etwas anderes – schließlich will sie Präsidentin werden.

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Clinton übernahm die politische Verantwortung für den Anschlag.

(Foto: REUTERS)

Hillary Clinton lässt keinen Zweifel aufkommen: Hier sitzt die eigentliche Chefdiplomatin der Vereinigten Staaten von Amerika. Mächtigstes Land der Erde und, wie sie es nennt, größte Friedensmacht aller Zeiten. Eigentlich ist sie hier, um von einem Ausschuss des Kongresses über Stunden gegrillt zu werden: Was geschah 2012 in Libyen, als vier Amerikaner im Konsulat von Bengasi umkamen?

Damals war sie Außenministerin, heute will sie Präsidentin werden. Erstmals umreißt Clinton, wie sie Amerikas Rolle in der Welt sieht. Clinton präsentiert sich ganz als Staatsfrau, diese Rolle liegt ihr perfekt. Hosenanzug in dunklem Lila, dezenter Schmuck. Aufrecht, ruhig und strahlend begrüßt sie alle Mitglieder des Komitees per Handschlag. Um 10 Uhr (Ortszeit) feuert Trey Gowdy, der republikanische Vorsitzende des Ausschusses, angespannt die erste Frage ab.

Inhaltlich, das war von vorneherein klar, würde dieser Tag nicht viel Neues bringen. Der Anschlag wurde von vielen Seiten sattsam untersucht, Fehler wurden eingestanden, die Verantwortung anerkannt. Clinton übernimmt vor dem Untersuchungsausschuss die politische Verantwortung für den Anschlag auf das US-Konsulat. Allerdings sei sie nicht persönlich in die Sicherheitsvorkehrungen eingebunden gewesen.

Showtime in Washington

Der Auftritt in Washington ist vielmehr großes Polit-Kino für die Genießer taktischer Finessen und der langen Linien ausgefeilter Parteistrategien. Angeblich wurde Clinton in einem "War room" von Dutzenden Mitarbeitern präpariert.

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Clintons Aussage wurde auch an der Börse in New York aufmerksam verfolgt.

(Foto: AP)

Parallel zur Anhörung orchestriert ein Team die erwünschte Deutung in den sozialen Medien. Wie würde sich Clinton schlagen, gut ein Jahr vor der Wahl? Würden die Republikaner eine Chance bekommen, sie vorzuführen? Dass republikanische Spitzenvertreter zuletzt zugaben, das Bengasi-Komitee habe eigentlich nur als eine Art Senkblei für Clintons Umfragewerte dienen sollen, hat seine Glaubwürdigkeit als Institut der Wahrheitsfindung nicht unmittelbar gestärkt.

"Wir schulden den vier Toten die Wahrheit!" ruft Gowdy, versucht, den Vorwurf der Politisierung zu entkräften. "Es geht nicht um Sie", sagt er zu Clinton, weit lehnt er sich aus seinem cognacfarbenen Sessel. "Sie sind nur eine von mehr als 50 wichtigen Zeugen."

Von 2009 bis 2013 war Clinton Außenministerin. Wegen ihres Krisenmanagements der Attacke in Bengasi war sie harsch kritisiert worden. Außerdem ging es um die Frage, ob Clinton im Zuge ihrer dienstlichen E-Mails über einen privaten Server Details zu den Vorgängen vertuscht haben könnte.

"In einer gefährlichen Welt muss Amerika führen"

In ihrem Eingangsstatement greift Clinton voll in die Harfe. Ernst, stoisch, eindringlich. "Ich bin hier, um die vier Toten zu ehren", sagt sie. 70.000 Diplomaten und Entwicklungsexperten seien für die USA weltweit im Einsatz. Es sei zutiefst schmerzhaft, auch nur einen von ihnen zu verlieren. "Die Gefahr für die Diplomaten ist real", sagt Clinton. Aber man könne nun einmal nicht vom Bunker aus arbeiten.

Drei Punkte macht sie. Erstens: In einer gefährlichen Welt müsse Amerika führen. Sie appelliert an die Überparteilichkeit einer zutiefst gespaltenen Politik: Demokraten und Republikaner müssten diese Politik tragen. Zweitens: Die USA müssten ihre Diplomaten so gut sichern wie möglich.

Drittens, und da bebt die Stimme des Profis: "Ich war als Außenministerin in 112 Ländern. Jedes Mal war ich erfüllt von Dankbarkeit und Stolz, das Land vertreten zu dürfen, das ich liebe." Schwer vorstellbar, dass ein deutscher Außenminister einen solchen Satz sagen würde.

In der Live-Übertragung aller großen US-Sender punktet Clinton mit so etwas auch bei den konservativen Networks. Bis zu zehn Stunden sollte die Befragung dauern. Schlagen konnte Clinton sich eigentlich nur selbst: mit Arroganz, Unduldsamkeit und dem gefürchteten Lächeln, eisig und herablassend. Am Ende werden beide Seiten die Anhörung für sich ausschlachten. Es ist Wahlkampf, auch und gerade im Angesicht von vier toten Amerikanern nicht die beste Zeit für überparteiliche Einigkeit.

Quelle: ntv.de, Von Martin Bialecki, dpa