Politik

"Töten wie seit 1967 nicht mehr"Bericht: Israelischer General prahlt mit Schüssen auf Palästinenser

06.05.2026, 12:21 Uhr
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Soldaten des israelischen Militärs und jüdische Siedler im besetzten Westjordanland (Archivbild). (Foto: picture alliance / Middle East Images)

Palästinenser haben im Westjordanland nicht die gleichen Rechte wie jüdische Siedler. Auch die Ungleichbehandlung durch das Militär - häufig mit tödlichen Folgen - wird immer wieder kritisiert. Nun werden brisante Aussagen eines israelischen Generals publik.

Aussagen des für das Westjordanland zuständigen israelischen Generals befeuern die Vorwürfe über Apartheid in dem Palästinensergebiet. Wie die Zeitung "Haaretz" berichtete, räumte General Avi Bluth bei einem nicht-öffentlichen Treffen ein, dass israelische Soldaten anders als bei Palästinensern im Westjordanland nicht auf gewalttätige jüdische Siedler schießen. Demnach verteidigte Bluth den Einsatz scharfer Munition gegen Steine werfende Palästinenser, sagte aber, dass die gleiche Härte israelischer Truppen gegenüber jüdischen Mitbürgern bei ähnlichen Vorfällen "gesellschaftliche Konsequenzen" hätte.

Laut "Times of Israel" dementierte der General den Bericht nicht. Demzufolge brüstete sich Bluth auch damit, die Einsatzregeln des israelischen Militärs gegen Palästinenser gelockert zu haben - etwa das Schießen auf die Knie bei Menschen, die Soldaten als Verdächtige einstufen. Er soll darüber gescherzt haben, dass aufgrund seiner Politik viele Palästinenser nun hinken würden. Laut "Haaretz" sagte Bluth, dass allein im Jahr 2025 weitere 42 Palästinenser, die angeblich Steine auf Autos im Westjordanland werfen wollten, von israelischen Truppen erschossen wurden.

Während er das Werfen von Steinen durch Palästinenser als Terror bezeichnet habe, sprach sich Bluth dem Bericht zufolge dagegen aus, dass Soldaten das Feuer eröffnen, wenn die Täter Juden sind. Auch ein weiteres Zitat, das "Haaretz" dem General zuschreibt, sorgt für Aufsehen. "Wir töten, wie wir seit 1967 nicht getötet haben", soll der ehemalige Generalstabschef der israelischen Armee gesagt haben. In den vergangenen drei Jahren seien 1500 Palästinenser im Westjordanland getötet worden. 96 Prozent dieser Getöteten habe der Militär als Terroristen bezeichnet, hieß es.

Im Jahr 1967 hatte Israel im Sechstagekrieg unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor mehr als zweieinhalb Jahren ist es auch im besetzten Westjordanland zu einem deutlichen Anstieg von Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser und ihren Besitz gekommen. Es ist auch in israelischen Medien immer häufiger die Rede von "jüdischem Terror". Den israelischen Sicherheitskräften wird immer wieder vorgeworfen, sie gingen nicht entschlossen genug gegen das Phänomen vor oder stellten sich sogar auf die Seite der aggressiven Siedler.

Quelle: ntv.de, dsc/dpa

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