"Sie werden mich hängen"Bericht: Putin setzt auf Eskalation, weil er um sein Leben fürchtet

Seit fast fünf Jahren tobt die russische Großinvasion in der Ukraine. Einem Bericht zufolge will Putin vor einem Kriegsende mindestens den gesamten Donbas beherrschen. Ein Scheitern betrachtet der Kremlchef demnach als persönliche Bedrohung für sein Leben.
Russlands Präsident Wladimir Putin hat einem Medienbericht zufolge beschlossen, den festgefahrenen Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter zu eskalieren, weil er sich um seine eigene Sicherheit fürchtet. Wie die Wochenzeitung "The Economist" unter Berufung auf Quellen aus Putins Umfeld berichtet, glaubt der Kremlchef, dass ein Kriegsende ohne Erreichen des Minimalziels, die Eroberung des gesamten Donbas, für ihn unmittelbare Lebensgefahr bedeuten würde. Demnach sagte er einmal zu Vertrauten: "Sie werden mich hängen".
Dem Bericht zufolge ist die größte Herausforderung des Kremls die schwindende öffentliche Zustimmung zum Krieg. Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien und Logistikzentren sowie von den Behörden verhängte Einschränkungen des Internets hätten die Fassade eines normalen Lebens in Russland beschädigt. Das Vertrauen in die staatliche Propaganda nehme ab, Putins Umfragewerte sänken. Nach Angaben des unabhängigen Lewada-Zentrums bezeichnen 57 Prozent der Russen die Lage im Land als "angespannt".
Auch die Stimmung innerhalb der russischen Elite sei pessimistisch. Nicht allein die wirtschaftliche Krise oder der ausbleibende Erfolg auf dem Schlachtfeld sei das größte Problem, sondern der Zeitverlust, der einer Niederlage gleichkäme. Die Großinvasion ziehe sich nun schon fast fünf Jahre hin, ohne dass ein entscheidender Sieg errungen sei. "Es wächst das Gefühl, dass der Zar nackt dasteht", so eine hochrangige Quelle gegenüber der Zeitung.
Wirtschaftliche oder politische Probleme seien für Putin allerdings nicht existenzbedrohend. Russland verfüge weiterhin über die notwendigen Ressourcen, um den Krieg fortzusetzen. Entscheidend sei vielmehr die Wahrnehmung von Stärke und Schwäche. Die Fortsetzung des gegenwärtigen Abnutzungskrieges biete dem Kreml daher keine sinnvolle Lösung. Niemand wisse, was in Putins Kopf vorgehe, schreibt "The Economist". Wahrscheinlich sei aber, dass der Kremlchef sich von der "kriminellen Logik" seines Regimes leiten lasse, niemals Schwäche zu zeigen. Das russische System toleriere Gewalt, bestrafe aber Versagen. Aus diesem Grund könnte Russland die Lage weiter eskalieren lassen, um die festgefahrene Lage zu überwinden.
Möglich sei, dass Russland seine hybride Kriegsführung und Sabotageakte gegen Kiews europäische Verbündete verstärken werde. Zudem würden russische Quellen darauf hindeuten, dass Putin bereit sei, 300.000 bis 400.000 zusätzliche Soldaten in die Ukraine zu schicken. Statt einer neuen Mobilisierungswelle werde sich der Kreml wahrscheinlich auf Maßnahmen lokaler Behörden stützen, um die Reihen zu füllen. Eine direkte Konfrontation mit der Nato sei unwahrscheinlich.