Feindselige Haltung zu USA?Bericht: Washington drängt Oman, Iran-Beziehungen zu kappen

Während des Konflikts der USA mit dem Iran vollzieht der Oman einen Balanceakt zwischen seinem langjährigen Verbündeten und seinem mächtigen Nachbarn jenseits der Meerenge. Doch diese Strategie wendet sich offenbar nun gegen das Sultanat.
Die Trump-Regierung sieht einem Medienbericht zufolge die neutrale Haltung des Oman zum Iran zunehmend als feindselig gegenüber den USA an. Washington soll Druck auf den Golfstaat ausüben, Partei für die USA zu ergreifen und die diplomatischen Beziehungen zum Iran abzubrechen. Das berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) unter Berufung auf US-amerikanische und arabische Regierungsvertreter.
Der Oman unterhält seit Jahrzehnten militärische und wirtschaftliche Beziehungen mit den USA. Zu Beginn des Iran-Konflikts bemühten sich Vertreter des Oman, einen inoffiziellen Kommunikationskanal nach Teheran einzurichten. Arabischen Regierungsvertretern zufolge half dies den Golfstaaten, Flugkorridore wieder zu öffnen. Während des Krieges richtete der Iran weitaus weniger militärische Schlagkraft gegen den Oman als gegen seine anderen Nachbarstaaten. Dies hat laut Bericht des WSJ den Oman darin bestätigt, eine "unerschütterliche Neutralität" in diesem Konflikt zu bewahren. Doch nun wendet sich diese Haltung offenbar gegen das Sultanat an der Südostküste der Arabischen Halbinsel.
In den vergangenen Tagen hatte die US-Regierung damit gedroht, Sanktionen gegen den Oman zu verhängen und das Land sogar zu bombardieren. Auslöser des Unmuts war eine Geheimdienstanalyse, die zu dem Schluss gekommen war, das Sultanat plane, sich an Irans Bemühungen zur Erhebung einer Maut in der Straße von Hormus zu beteiligen. "Oman sollte insbesondere wissen, dass das US-Finanzministerium aggressiv gegen alle Akteure vorgehen wird, die direkt oder indirekt an der Erhebung von Gebühren für die Meerenge beteiligt sind", schrieb US-Finanzminister Scott Bessent bei X.
Trump: "Werden sie in die Luft jagen müssen"
"Es sind internationale Gewässer, und Oman wird sich wie alle anderen verhalten, oder wir werden sie in die Luft jagen müssen", sagte US-Präsident Donald Trump Ende Mai. Das Sultanat selbst bestritt, derartige Absichten zu hegen. Teheran bekundete daraufhin seine Solidarität mit Oman nach den "Drohungen von US-Beamten".
Die Drohung der Trump-Regierung "hat die in einigen amerikanischen Kreisen bestehende Wahrnehmung verdeutlicht, dass der Oman mit dem Iran sympathisiert", sagte laut WSJ Sanam Vakil, Nahost-Direktorin bei Chatham House, einer britischen Denkfabrik. Omans Engagement mit dem Iran hat nicht nur in den USA, sondern auch bei amerikanischen Verbündeten in der Region für Verärgerung gesorgt. Vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien betrachten ihren Nachbarn als zu eng mit dem Iran verbündet.
Das omanische Informationsministerium lehnte es bisher ab, sich zu dem US-Druck zu äußern und die Verbindungen zum Iran zu kappen. "Oman ist bereit, mit den Vereinigten Staaten und allen verantwortungsbewussten Partnern zusammenzuarbeiten, um die Stabilität zu fördern, Störungen abzuwehren und unsere gemeinsamen strategischen Interessen zu wahren", teilte Informationsminister Abdulla Al-Harrasi mit.
Omanische Regierungsvertreter seien von der plötzlichen Feindseligkeit der USA schockiert und arbeiteten derzeit daran, eine angemessene Reaktion darauf zu finden, sagten arabische Beamte dem WSJ. Trotz der Äußerungen Trumps gebe es laut den im Bericht zitierten US-Vertretern jedoch keinen ernsthaften Plan, das Land wegen seiner Unterstützung für den Iran anzugreifen.