Bericht über Zustände an BordTausende Seeleute durchleben am Persischen Golf harte Wochen

Seit dem US-israelischen Angriff auf den Iran droht die Führung in Teheran mit Attacken auf Handelsschiffe im Persischen Golf und in der Straße von Hormus. Tausende Seeleute stecken fest, doch mögliche Angriffe sind nicht die einzige Herausforderung auf hoher See.
Für viele der rund 20.000 Seeleute, die wegen des Iran-Kriegs auf Schiffen im Persischen Golf feststecken, entwickelt sich der Einsatz zunehmend zu einer großen Herausforderung. Wie das "Wall Street Journal" schreibt, sind die meisten von ihnen schon länger als einen Monat auf ihren Schiffen, wo Essen und Süßwasser zur Neige gehen. Die Zeitung berichtet auch von dramatischen Vorfällen auf den rund 2000 Tankern, die normalerweise Öl, Flüssiggas und wichtige Bestandteile für Düngemittel durch die Straße von Hormus transportieren. Weniger als 200 Schiffe seien seit Kriegsbeginn von der iranischen Führung durchgelassen worden.
Am 19. Tag, an dem sein Schiff im Persischen Golf feststeckte, habe der Kapitän eines Öltankers einen Herzinfarkt erlitten. Vor der Küste von Dubai hätten Rettungskräfte keine Erlaubnis für einen Einsatz in der Luft bekommen, weshalb der Kapitän mit einem Schnellboot an Land transportiert werden musste. Als der 47-Jährige im Krankenhaus ankam, war es schon zu spät.
Wegen des Mangels an Gemüse und Süßwasser greifen die Seeleute dem Bericht zufolge auf soziale Medien und Hochfrequenzradios auf ihren Schiffen zurück, um Überlebenstipps miteinander zu teilen. "Einige chinesische Besatzungsmitglieder haben sich dabei gefilmt, wie sie Kondenswasser aus Klimaanlagen sammeln, um sich zu duschen und Wäsche zu waschen", schreibt die Zeitung. Andere hätten angefangen, vom Bordrand aus nach Thunfisch, Tintenfischen und Degenfisch zu angeln, die sie dann kochten.
Die Wiederauffüllung der Vorräte sei schwierig und teuer geworden. Der Hafen von Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten, den Schiffe normalerweise ansteuern, wurde wiederholt angegriffen. Unternehmen, die frische Lebensmittel an Schiffe liefern, verlangen laut Bericht höhere Preise. Der aktuelle Preis für Mangos liegt nun bei 31 US-Dollar pro Kilogramm, Orangen kosten 15 US-Dollar pro Kilogramm für etwa drei große Früchte - laut Screenshots von Lieferpreislisten, die der Zeitung vorliegen.
Dazu kommt die Gefahr, von einer Rakete oder Drohne getroffen zu werden. Laut einer auf Seetransporte spezialisierten Website wurden bis Mitte März 16 Handelsschiffe getroffen. Mindestens vier Menschen kamen dabei ums Leben. Ein 30-jähriger chinesischer Seemann berichtete der Zeitung, dass er Tag und Nacht Raketen und Drohnen über sein Schiff hinwegfliegen sehe, das darauf warte, in den Persischen Golf einzufahren.
Dass Unternehmen ihre Schiffe immer noch in den Golf schicken, stößt auf Kritik der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF). "Wir verstehen nicht, dass einige Reeder ihre Schiffe immer noch dorthin schicken und damit die Seeleute gefährden. Das ist absolut inakzeptabel", sagt Mohamed Arrachedi von der ITF.
Zuletzt gab es am 31. März einen iranischen Angriff auf einen voll beladenen Öltanker vor Dubai. Der Beschuss war der jüngste in einer Reihe von Angriffen auf Handelsschiffe durch Raketen oder mit Sprengstoff bestückte Luft- und Seedrohnen im Persischen Golf und in der Straße von Hormus, seit die USA und Israel am 28. Februar den Iran angegriffen haben.