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Deutsche Wohnen geht leer aus Berlin kauft Hunderte Wohnungen zurück

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Im Dezember regte sich Protest gegen den Verkauf von Mietwohnungen in der Karl-Marx-Allee an die Deutsche Wohnen.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Berlin fehlen Wohnungen, die Mieten steigen massiv. Der Berliner Senat ringt um mehr Kontrolle über den Wohnungsmarkt. Eine kommunale Gesellschaft kauft jetzt Wohnungen in der einstigen DDR-Prachtstraße Karl-Marx-Allee - und schnappt sie der umstrittenen Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen weg.

Der Konflikt um Wohnungen in der Berliner Karl-Marx-Allee galt als Symbol für die Mietmisere in deutschen Großstädten - nach monatelangem Ringen ist die Rekommunalisierung von rund 670 Wohnungen nun unter Dach und Fach. Das Land Berlin kauft die Einheiten in der ehemaligen DDR-Prachtstraße von einem privaten Eigentümer, um wieder mehr Kontrolle über den Wohnungsmarkt mit seinen massiv gestiegenen Mieten zu bekommen. Die städtische Gesellschaft Gewobag übernimmt die fraglichen drei Gebäude in bester Lage komplett, wie die Senatskanzlei mitteilte. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Ursprünglich wollte die Firma Predac als bisheriger Eigentümer an den Konzern Deutsche Wohnen verkaufen, der in Berlin bereits 112.000 Einheiten besitzt. Dies hatte Ende vergangenen Jahres Proteste bei den Mietern ausgelöst, weil sie starke Mieterhöhungen fürchteten. In einer spektakulären Aktion versuchte das Land daraufhin, der Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen die in den 90er Jahren privatisierten Wohnungen in der einstigen Prachtmeile wegzuschnappen.

Der Senat entwickelte dazu zunächst ein kompliziertes Modell. Die Idee dieses sogenannten gestreckten Erwerbs: Mieter übernehmen ihre Wohnungen über ein in diesem Fall bestehendes Vorkaufsrecht und reichen sie direkt an die Gewobag weiter. In den drei Gebäuden erklärten bis zu 46 Prozent der Haushalte, dabei mitzuziehen. Allerdings versuchte das Land nach diesem Votum weiterhin, alle Wohnungen möglichst komplett in kommunalen Besitz zurückzuführen. Dazu gab es zum einen juristische Auseinandersetzungen vor Gericht, zum anderen hinter den Kulissen Gespräche mit Predac und Deutsche Wohnen.

Dies führte nun zum Erfolg, so dass das ursprüngliche Modell des gestreckten Erwerbs über die Mieter vom Tisch ist und die Gewobag direkt als Käufer auftritt. Sie soll dazu einen Landeszuschuss erhalten, über dessen Höhe bisher keine Angaben vorlagen. "Ich möchte, dass die Berlinerinnen und Berliner sich das Wohnen in der Stadt auch weiterhin leisten können. Wohnen ist eine zentrale soziale Frage in fast allen Großstädten", erklärte der Regierende SPD-Bürgermeister Michael Müller zu dem Deal.

Schritt, um Mieten zu regulieren

Aktuell ist die Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt, der von teils stark steigenden Mieten geprägt ist, sehr angespannt. In einigen Stadtteilen haben selbst Normalverdiener kaum noch Chancen, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Vor diesem Hintergrund bildet der Ankauf neben dem Wohnungsbau und politischen Maßnahmen zur Mietenregulierung die dritte Säule der Mieten- und Wohnungspolitik des rot-rot-grünen Senats.

Derzeit sind gut 300.000 Wohnungen in kommunaler Hand, etwa ein Fünftel aller Mietwohnungen in Berlin. Die Ankaufspolitik ist umstritten, weil das Land in den 90er und 2000er Jahren bis zu 200.000 kommunale Wohnungen privatisiert hat - auch in der Karl-Marx- Allee. Um Lücken im Haushalt zu füllen, wurden sie zum Teil für vergleichsweise wenig Geld verkauft. Nun muss die Stadt viel Geld in die Hand nehmen, um sie zurückzukaufen.

In Berlin laufen noch andere Maßnahmen zur Stabilisierung des Mietniveaus, die bundesweit für kontroverse Debatten sorgen. So beschloss der Senat im Juni Eckpunkte für einen sogenannten Mietendeckel, um die Mieten für fünf Jahre einzufrieren. Mieterinitiativen strengten zudem ein bundesweit einmaliges Volksbegehren zur Enteignung großer Wohnungskonzerne an, die mehr als 3000 Einheiten in Berlin besitzen.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa

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