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Kinderguillotine und Krematorium Berlin kündigt Flüchtlingsheimbetreiber

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In Berlin-Hellersdorf steht eine der neun Pewobe-Flüchtlingsunterkünfte in Berlin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kinderguillotine und Krematorium statt Sandkasten - so witzelt die Leitung des Berliner Flüchtlingsheimbetreibers Pewobe über die Verwendung einer "Gutmenschen"-Spende. Die Erklärung dafür klingt abenteuerlich. Sozialsenator Czaja kündigt der Gesellschaft fristlos.

Berlins Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hat den Auftrag erteilt, alle Verträge der Stadt mit dem Flüchtlingsheimbetreiber Pewobe fristlos zu kündigen. Die Mitteilung folgte auf die Veröffentlichung von E-Mails, die zwischen Mitarbeitern der Gesellschaft hin- und hergingen. Politiker der Berliner Landesregierung sowie der Opposition hatten danach gefordert, die Zusammenarbeit mit der "Professionelle Wohn- und Betreuungsgesellschaft mbH" zu beenden. Die Pewobe betreibt in der Hauptstadt neun Unterkünfte.

Am Wochenende hatte die "B.Z." Auszüge aus interner Kommunikation leitender Mitarbeiter der Pewobe veröffentlicht. Darin wurde sich darüber ausgetauscht, wie eine Spende von 5000 Euro von BMW ("BMW-Gutmenschen") verwendet werden könne. Gegen den Vorschlag eines Sandkastens für Kinder argumentiert die zentrale Wohnheim-Koordinatorin, dieser werde "bei unseren Bewohnergruppen ganz schnell ein Aschenbecher oder ein heimisches Klo", und schlägt eine "Kinderguiolltine [sic!]" vor.

Die Idee stößt auf Zustimmung, dies sei zumindest "mal was anderes als Standartprogramm [sic!]". Es wird daraufhin moniert, Enthauptungen verursachten Dreck, weil Blut spritze. Der Lösungsvorschlag: Die Sauerei zu reinigen, sei doch "eine schöne Aufgabe für die maximal Pigmentierten". Auch Fotos von abgetrennten Köpfen und einer Kinderrutsche, an deren Ende eine Reibe mit Widerhaken und Klingenschlitz installiert ist, werden ausgetauscht. Die Pewobe-Chefs weisen danach darauf hin, dann werde jedoch ein "großvolumiges Krematorium" gebraucht. Der Vorteil: Die Gesellschaft bekäme ihr Umweltzertifikat wieder, da sie "Abwärme sinnvoll und zielführend einsetzen" könne.

Politiker reagieren verstört

Czaja zeigte sich "entsetzt" über die E-Mails, Integrationssenatorin Dilek Kolat findet den Inhalt "ekelerregend". Die Grünen-Fraktionschefin im Berliner Senat, Ramona Pop, forderte die Prüfung eines Straftatbestands. Als Grund für die Kündigung der Verträge nannte Czaja nicht den Inhalt der E-Mails, sondern zunehmend schwierigere Zusammenarbeit mit der Pewobe und "Hinweise zu Qualitätsmängeln" in mehreren Unterkünften. Ehemalige Mitarbeiter des Betreibers hatten über eklatante Hygienedefizite berichtet.

Die Pewobe nahm zu den Vorwürfen Stellung. Es seien "sämtliche problematische Äußerungen aus ihrem Kontext gerissen", und nie ernsthaft über eine Kinderguillotine diskutiert worden. Verantwortlich sei "ein durch das Rechtschreibkorrekturprogramm T9 verursachter Korrekturfehler". Allerdings enthält dieses Wort in der veröffentlichten Nachricht einen Rechtschreibfehler, wie auch andere Äußerungen der E-Mail-Kommunikation.

Einer der E-Mail-Absender ist Prokuristin bei der Pewobe. Sie war früher Mitglied der rechtsextremen Partei DVU. Ihrem Anwalt zufolge hat sich die leitende Angestellte von rechtsradikalem Gedankengut distanziert.

Quelle: n-tv.de, rpe

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