Politik

Wenige Wochen vor Wahl"Das war Mist" - Berlins Regierender Bürgermeister Wegner zieht Spitzenkandidatur zurück

10.07.2026, 14:51 Uhr
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Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner gibt seine Spitzenkandidatur für die Wahl des Abgeordnetenhauses im September auf. Bis dahin will er aber im Amt bleiben.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner wird seine Spitzenkandidatur für die Wahl des Abgeordnetenhauses im September zurückziehen. Das erklärte er bei einer Pressekonferenz am Nachmittag. Er will bis zur Wahl eines neuen Regierenden Bürgermeisters im Amt bleiben. Der 53-Jährige begründete dies damit, wegen der anhaltenden Kritik an seiner Kommunikation beim Stromausfall im Januar nicht mehr bei der Bevölkerung mit seinen Themen durchzukommen. "Ich kriege es nicht mehr hin, Botschaften zu senden, weil eine andere Debatte alles andere überlagert", sagte er. Deshalb werde er den Kreisvorsitzenden der Berliner CDU am Abend den Verzicht auf die Spitzenkandidatur erklären.

"Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht. Und ich ärgere mich am meisten darüber. Das war Mist", sagte Wegner. Er wolle nicht, "dass die CDU durch Personaldebatten geschwächt wird". Deswegen ziehe er seine Kandidatur zurück. So wolle er in der CDU in der Hauptstadt den Weg für einen Neuanfang freimachen. Dazu gehörde auch, den Posten als Landesvorsitzen der Partei "selbstverständlich zum nächstmöglichen Zeitpunkt" zu räumen. Wegner ist seit 2019 Vorsitzender des Berliner CDU-Landesverbandes.

Wegner bekräftigte das Ziel der Christdemokraten, bei der Wahl im September ein Linksbündnis im Senat zu verhindern. Neuer Spitzenkandidat soll Medienberichten zufolge Stefan Evers werden. Evers ist Finanzsenator und seit April 2026 zudem Senator für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Berlin im Senat Wegner.

Hintergrund ist eine monatelange Debatte um falsche Angaben Wegners über sein Krisenmanagement nach einem großen Stromausfall im Januar. In der CDU rumort es, weil die Partei in einer Umfrage zuletzt auf 17 Prozent abgerutscht ist. Zusätzlichen Druck auf Wegner machte der Entwurf eines offenen Briefes von CDU-Mitgliedern, die dringend seinen Rückzug forderten.

In dem dreiseitigen Brief, der nach eigenen Angaben unter anderem von dem bekannten Investor und Unternehmer Christian Miele verfasst wurde, wird Wegners Verhalten als Problem für das Vertrauen in die Demokratie bezeichnet. "Jeder weitere Tag im Amt bestätigt all jene, die behaupten, "die da oben" sagten ohnehin nicht die Wahrheit. Das dürfen wir als Christdemokraten nicht zulassen." Ein Wahlkampf mit Wegner sei verloren, heißt es in dem Text.

Miele forderte als CDU-Mitglied auf seinen Kanälen in den sozialen Medien und in mehreren Medien den Rücktritt Wegners. Mehrere Dutzend Parteimitglieder hätten sich mit Zustimmung und Unterstützung bei ihm gemeldet, sagte Miele, der Urenkel des Gründers des gleichnamigen Haushaltsgeräteherstellers ist, im "Tagesspiegel".

Wegner ist seit April 2023 Regierender Bürgermeister von Berlin. Die CD regiert seit der damaligen Wiederholungswahl mit der SPD. Zuvor saß Wegner von 1995 bis 2005 sowie seit 2021 wieder im Abgeordnetenhaus. Von 2005 bis 2021 war er Mitglied des Deutschen Bundestags. Wegner ist gebürtiger Berliner.

Quelle: ntv.de, jwu/uzh/dpa/AFP

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