Jahrhundertealtes Weltkulturerbe Berühmtes Höhlenkloster in Kiew in Flammen

Die Ukraine beklagt massive russische Angriffe mit mehr als 600 Drohnen und Dutzenden Raketen. Mindestens neun Menschen verlieren demnach ihr Leben. Auch ein wertvolles Kulturgut aus dem 11. Jahrhundert wird getroffen.
Während einer neuen Welle russischer Luftangriffe auf die Ukraine ist auch die Hauptkirche des zum Weltkulturerbe zählenden Höhlenklosters in Kiew in Brand geraten. "Nach operativen Informationen gibt es ernsthafte Schäden auf dem Gelände des Höhlenklosters", schrieb der Militärgouverneur der Dreimillionenstadt, Tymur Tkatschenko, bei Telegram. Landesweit gab es ukrainischen Behördenangaben zufolge mindestens neun Tote und Dutzende Verletzte. Die russischen Angreifer setzten laut dem ukrainischen Militär 70 Raketen und 611 Drohnen ein.
Am Vormittag berichtete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, das Feuer sei gelöscht. Er sprach von einem der "größten russischen Verbrechen gegen die christliche Kultur". Bilder der Schäden am jahrhundertealten Höhlenkloster in Kiew hatten in sozialen Netzwerken schnell die Runde gemacht - wobei unklar blieb, ob die weltberühmte Pilgerstätte wegen direkter Einschläge russischer Geschosse oder durch herabfallende Trümmer nach dem Einsatz der Flugabwehr in Brand geraten war.
Russland wies die Verantwortung für den Beschuss zurück. Vielmehr sei eine US-Luftabwehrrakete vom Typ Patriot in dem Kloster eingeschlagen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Die russischen Streitkräfte planten keine Angriffe auf zivile Infrastruktur und nähmen solche auch nicht vor. Russland greift jedoch regelmäßig zivile Infrastruktur in der Ukraine an.
Flammen züngelten aus dem Dach unter den vergoldeten Kuppeln der Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Die Klosteranlage auf den Hügeln am Fluss Dnipro steht unter dem Schutz der UN-Kulturorganisation Unesco und gehört seit 1990 zum Weltkulturerbe. Ihre Ursprünge reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Herzstück ist die 1941 im Zweiten Weltkrieg zerstörte und erst Ende der 1990er Jahre wieder aufgebaute Kathedrale.
Im unteren Teil des Klostergeländes mit mehreren Museen befindet sich das im Mittelalter angelegte Höhlensystem mit mumifizierten Überresten von Geistlichen. Dieser Teil wird weiterhin von der ukrainisch-orthodoxen Kirche genutzt, die sich bis zum russischen Einmarsch 2022 als Teil des Moskauer Patriarchats sah, danach jedoch von Moskau lossagte.
Vier Tote in Kiew gemeldet
In der Innenstadt von Kiew waren in der Nacht zunächst knapp zwei Dutzend - mutmaßlich von der Flugabwehr ausgelöste - Explosionen zu hören. Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge gab es in drei Stadtteilen Einschläge und mindestens 23 Verletzte. Demnach kam es auch zu weitflächigen Stromausfällen und Bränden. Etwa 30 Fahrzeuge sollen in Flammen aufgegangen sein. Militärgouverneur Tkatschenko sprach von mehr als 40 Einschlägen in der Hauptstadt. Bislang gebe es vier Todesopfer, schrieb er am frühen Morgen.
Auch aus anderen ukrainische Regionen wurde heftiger Beschuss gemeldet. Allein in Charkiw seien fünf Rettungskräfte infolge der Luftangriffe getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, berichtete das Nachrichtenportal The Kyiv Independent unter Berufung auf Gouverneur Oleh Synjehubow. In Dnipro habe es mindestens einen Verletzten gegeben, hieß es. Keine dieser Angaben lässt sich bislang unabhängig überprüfen.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Vollinvasion und wird praktisch täglich aus der Luft attackiert. Inzwischen greifen sich beide Kriegsparteien vor allem mit Drohnen an, deren Einsatz für die jeweiligen Streitkräfte vergleichsweise einfach und günstig ist.
Nach Angaben des Gouverneurs des russischen Gebietes Tula, Dmitri Miljajew, wurden in der Nacht drei Menschen infolge ukrainischer Drohnenangriffe getötet. Drei weitere seien verletzt worden, teilte er auf Telegram mit. Die Stadtverwaltung von Moskau teilte mit, es seien mehrere anfliegende Drohnen abgeschossen worden. Zu möglichen Schäden oder Verletzten wurde zunächst nichts bekanntgegeben.