Politik

Erste "Townhall" mit Wählern Biden attackiert Trump frontal

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Biden stellte sich erstmals im Wahlkampf den Wählern in einem "Townhall"-Format.

(Foto: dpa)

In den USA geht der Wahlkampf in die nächste heiße Phase. Trump tourt bereits durchs Land und hält seine Reden, sein Herausforderer Biden stellt sich nun erstmals persönlich und live Wählerfragen aus dem Publikum. Er schlägt dabei ganz andere Töne an als der Amtsinhaber.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat für den Fall seiner Wahl mehr Transparenz in amerikanischen Polizeibehörden versprochen. Außerdem wolle er an einem Tisch Vertreter von Polizei und lokaler Bürgergruppen zusammenbringen, um über Reformen wie eine bessere Überprüfung künftiger Polizisten zu sprechen, sagte Biden bei einer im Fernsehen übertragenen Fragerunde mit Wählern. Der Tod mehrerer schwarzer Amerikaner durch Polizeigewalt in den vergangenen Monaten hat für heftige Proteste in den USA gesorgt. Zugleich verurteilte Biden ausdrücklich gewaltsame Proteste. Er forderte Trump auf, sich klar von Bürgerwehren und weißen Nationalisten zu distanzieren.

In einem Kontrast zu Amtsinhaber Donald Trump erkannte Biden an, dass er durch seine Hautfarbe eine privilegierte Position genossen habe. "Sicher, ich profitierte davon allein schon dadurch, dass ich nicht das durchleben musste, was meine schwarzen Brüder und Schwestern durchlebten." Trump hatte in einem vor wenigen Tagen bekannt gewordenen Interview mit dem renommierten Journalisten Bob Woodward die gleiche Frage negativ beantwortet: "Nein, ich fühle das überhaupt nicht."

Biden hielt die Fragestunde unter freiem Himmel auf einem Parkplatz in der Ortschaft Moosic im Bundesstaat Pennsylvania ab. Mit einer Bühne und den an ihren Autos sitzenden Zuschauern hatte die Veranstaltung die Atmosphäre eines Freiluftkinos. Trump hatte eine ähnliche Fragerunde zwei Tage zuvor in einem Saal gemacht, die Wähler saßen weit voneinander entfernt. Nach Bidens "Townhall"-Event beklagte sich Trump bei einem Wahlkampf-Auftritt in Wisconsin, dass sein Kontrahent viel zu freundliche Fragen gestellt bekommen habe. Die Kandidaten sollen am 29. September in der ersten TV-Debatte aufeinandertreffen.

Biden in Umfragen vorn, Rennen aber offen

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In Umfragen liegt Biden immer noch vor dem Amtsinhaber. US-weit hat er laut der Website Realclearpolitics einen Vorsprung von fast sechs Prozent. Für den Wahlsieg ist das aber unerheblich, es kommt ausschließlich darauf an, mehr Wahlmänner zu gewinnen, die schließlich den Präsidenten wählen. Dafür müssen die Kandidaten die einzelnen Bundesstaaten gewinnen, die dann die Wahlmänner ins entsprechende Gremium entsenden. In den umkämpften Bundesstaaten ist Bidens Vorsprung geringer, er liegt nur bei unter knapp vier Prozent. Das ist zwar immer noch deutlich mehr als Hillary Clinton 2016 zu diesem Zeitpunkt hatte, die um 2,1 Prozentpunkte vorn lag. Das Rennen ist aber immer noch offen - zumal die Umfragen sich auch irren können, wie bei den Wahlen 2016 deutlich wurde.

An diesem Freitag können die Wähler im Bundesstaat Minnesota bereits ihre Stimme abgeben - 46 Tage vor der Wahl am 3. November. Am Abend wird Präsident Trump zu einer Wahlkampfveranstaltung erwartet. Am Donnerstag untermauerte der Direktor des FBI, Christopher Wray, dass Russland weiter versuche, in den Wahlkampf einzugreifen - zugunsten Trumps. Moskau lanciere einen kontinuierlichen Fluss an Falschinformationen, der auf den Herausforderer von Präsident Donald Trump abziele, sagte er.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/rts