Wahlen in BrasilienBolsonaros Sohn fordert Präsident Lula heraus

In den Fußstapfen des inhaftierten Vaters: Flávio Bolsonaro fordert bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien den linken Amtsinhaber Lula heraus. Mit prominenter Schützenhilfe aus Lateinamerika startet der neue Kandidat der Rechten in ein Duell.
Der rechte Politiker Flávio Bolsonaro ist in Brasilien von seiner Partei zum Präsidentschaftskandidaten gekürt worden. Der älteste Sohn des wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilten Ex-Staatschefs Jair Bolsonaro wird bei den Wahlen im Oktober gegen den linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva antreten. Dieser soll offiziell im August erneut als Kandidat gekürt werden.
Auf dem Parteitag des Partido Liberal (PL) in der Metropole São Paulo erhielt der Senator Flávio Bolsonaro die Unterstützung des ultraliberalen argentinischen Präsidenten Javier Milei. Als einer der prominentesten Vertreter der politischen Rechten in Lateinamerika reiste Milei eigens nach Brasilien, um bei der Nominierung dabei zu sein. Die Familie Bolsonaro unterhält zudem enge politische Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump.
Als im vergangenen Dezember bekannt wurde, dass Bolsonaros seinen Sohn Flávio zu dessen politischem Erbe ernennt, belastete die Nachricht die brasilianischen Finanzmärkte. Einige Investoren hatten darauf gehofft, dass Bolsonaro einen als wirtschaftsfreundlicher geltenden Kandidaten mit Regierungserfahrung wie den Gouverneur von Sao Paulo, Tarcisio de Freitas, unterstützen würde.
Die Entscheidung des Ex-Präsidenten könnte nach Einschätzung eines Ökonomen von Garantia Capital die Beziehungen zwischen der von ihm geschaffenen rechten Bewegung und zentrumsnäheren Parteien zerstören. "Der Markt schätzt Flavio als schwächeren Kandidaten als Tarcisio in einem Rennen gegen Lula ein", sagte eine Analystin von Empiricus Research damals. Der Ökonom ergänzte: "Der Markt hatte auf Tarcisio gesetzt, um diese Allianzen zu schmieden und den Weg für einen Sieg der Rechten 2026 zu ebnen."
Laut der jüngsten Umfrage des Forschungsinstituts Datafolha liegt der linke Staatschef Lula derzeit in der Wählergunst vorn. Lula ist seit 2023 wieder Präsident. Zuvor hatte er das Amt zwischen 2003 und 2011 inne. Er gehört der Arbeiterpartei PT an.
Die Präsidentenwahl in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas findet am 4. Oktober statt. Wenn kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, gibt es eine Stichwahl am 25. Oktober.