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EU-Delegation verlangt Erklärung Bosnischer Protest-Anführer festgenommen

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Polizisten nehmen einen Aktivisten der Gruppe "Gerechtigkeit für David" bei einer Polizeirazzia in Banja Luka in Gewahrsam.

picture alliance/dpa

Demonstrationen in Bosniens Republika Srpska richten sich gegen die politischen Führung der autonomen Region. Der Anführer der Protestbewegung wird nun festgenommen. Er vermutet die Regierung hinter dem Mord an seinem Sohn.

Die Polizei der Republika Srpska (Serbische Republik) in Bosnien-Herzegowina hat den Anführer einer Protestbewegung gegen die örtliche Regierung festgenommen. Davor Dragicevic wurde in Banja Luka in Gewahrsam genommen, um mutmaßliche Straftaten im Zusammenhang mit der öffentlichen Sicherheit aufzuklären, teilte die Polizei mit.

Der 21-jährige Sohn des Festgenommenen, David Dragicevic, war am 24. März dieses Jahres ermordet aufgefunden worden. Sein Vater war von Anfang an davon überzeugt, dass der Sicherheitsapparat der Republika Srpska für seinen Tod verantwortlich sei. In der Folge formierte sich die Protestbewegung "Gerechtigkeit für David", die eine Aufklärung der Tat fordert. Die Regierung in Banja Luka bestritt stets die Vorwürfe, dass staatliche Stellen dahinterstecken würden.

Die Demonstrationen mit zum Teil tausenden Teilnehmern richteten sich zunehmend auch gegen die politische Führung unter dem damaligen Republikspräsidenten Milorad Dodik, heute Vertreter der Serben im bosnischen Staatspräsidium. Dodik übt informell weiterhin die Macht in der serbischen Landeshälfte aus.

Bürger verlangen Freilassung

Medienberichten zufolge nahm die Polizei auch den Oppositionspolitiker Drasko Stanivukovic sowie einen weiteren Aktivisten der Protestbewegung fest. Außerdem entfernten Polizisten ein improvisiertes Denkmal für David auf dem zentralen Krajina-Platz in Banja Luka. Im Laufe des Nachmittags und Abends strömten hunderte Bürger zusammen, um die Freilassung der Festgenommenen zu verlangen. Einheiten der Sonderpolizei bezogen Stellung.

Die EU-Delegation in Bosnien brachte ihre Besorgnis über die Lage in Banja Luka zum Ausdruck. Vom Innenministerium der Republika Srpska verlangte sie eine Erklärung für die Festnahmen vom Oppositionellen und Aktivisten. Bosnien besteht aus zwei autonomen Einheiten, der muslimisch-kroatischen Föderation und der Republika Srpska.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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