Politik

Waldbrände im Amazonas-Regenwald Brasilianisches Militär kämpft gegen Feuer

Eine Feuersbrunst wütet im Amazonasgebiet, Hunderte neue Brände entzünden sich. Um den Flammen Einhalt zu gebieten, setzt Brasilien jetzt auf militärische Unterstützung. Zwei Löschflugzeuge sind bereits im Einsatz, insgesamt stehen 43.000 Soldaten bereit. Nicht alle sind überzeugt von dieser Strategie.

Im Amazonasgebiet sind Hunderte neue Waldbrände ausgebrochen, wie das staatliche brasilianische Weltraumforschungsinstitut INPE mitteilte. Allein zwischen Donnerstag und Freitag entbrannten 1663 neue Feuer. Im Kampf gegen die verheerenden Brände greift nun das brasilianische Militär ein. Zwei Löschflugzeuge vom Typ Hercules starteten von Porto Velho im Bundesstaat Rondônia aus zu ihren Einsätzen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Auf Videos war zu sehen, wie die Piloten über den Waldbrandgebieten Tausende Liter Wasser abwarfen. Darüber hinaus stehen Zehntausende Soldaten zur Unterstützung bereit. Allerdings werden unter Umweltschützern Zweifel laut, dass das Militär die Brände überhaupt löschen kann.

Sechs von den Bränden betroffene Bundesstaaten haben bereits um Unterstützung der Streitkräfte gebeten, wie die brasilianische Regierung bekanntgab. Die Soldaten können ab sofort in Rondônia, Roraima, Pará, Tocantins, Acre und Mato Grosso bei den Löscharbeiten und der Verfolgung von Brandstiftern helfen. Insgesamt stünden in der Region über 43.000 Soldaten zur Verfügung, sagte Verteidigungsminister Fernando Azevedo e Silva.

Präsident Jair Bolsonaro hatte den Einsatz des Militärs zuvor per Dekret erlaubt. "Der Einsatz wird vor allem in der Verhütung und Verfolgung von Umweltverbrechen sowie der Unterstützung bei den Löscharbeiten bestehen", sagte Azevedo. Umweltminister Ricardo Salles bat die Bundesstaaten um Hilfe: "Wir wissen, dass viele nur begrenzte Kapazitäten haben, aber wir können diese Aktion ohne die örtliche Unterstützung nicht durchführen."

Kritik von Umweltschützern

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu. Insgesamt wurden über 78.000 Brände registriert. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in den Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Alfredo Sirkis, Gründer der Grünen-Partei in Brasilien und Direktor des Brasilianischen Klimazentrums, sagte, auch wenn er den Militäreinsatz befürworte, bezweifle er, dass irgendjemand in der Lage sei, die Feuer zu löschen. Ohne die Löschausrüstung, die etwa in den USA oder Portugal zur Verfügung stehe, sei es schwierig, derart große Brände unter Kontrolle zu bringen. Das Militär könne aber dabei helfen, weitere Feuer zu verhindern, indem es die Umsetzung von Umweltschutzgesetzen überwache und Menschen von der Brandstiftung abhalte.

Umweltschützer werfen dem rechten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klargemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichem Potenzial verbindet. Wegen seiner umstrittenen Umweltpolitik geriet Bolsonaro zuletzt international in die Kritik.

Internationale Gemeinschaft aufgerüttelt

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzte das Thema wegen der globalen Bedeutung des Regenwaldes für den Klimaschutz auf die Tagesordnung beim G7-Gipfel in Biarritz und nahm die ganze Welt in die Pflicht. "Das Amazonasgebiet ist unser Gemeingut", sagte er. Einige europäische Länder stellten die Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur und der EU infrage. Erst Ende Juni war nach jahrelangen Verhandlungen eine politische Einigung über den Aufbau der größten Freihandelszone der Welt erzielt worden.

Auch in den Nachbarländern Bolivien, Peru und Paraguay wüten zahlreiche Brände, wie auf Satellitenbildern der US-Raumfahrtbehörde Nasa zu sehen war. Die bolivianische Regierung setzte am Wochenende einen sogenannten Supertanker im Kampf gegen die Flammen ein. Die umgebaute Boeing 747 eines US-Unternehmens unterstütze die Löscharbeiten in der Region Chiquitanía im Osten des Landes, teilte Präsident Evo Morales mit. Das Flugzeug kann rund 75.000 Liter Wasser abwerfen.
"Wir planen vier Löscheinsätze pro Tag", sagte Boliviens Verteidigungsminister Javier Zavaleta der Zeitung "La Razón". "Wir werden den Kampf gegen das Feuer gewinnen."

In Bolivien sollen über 700.000 Hektar Land betroffen sein. "So etwas gab es hier noch nie", sagte Martín Carrillo vom Bürgerkomitee der Ortschaft Roboré. "Seit 40 Tagen kämpfen wir schon gegen die Brände."

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Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/rts

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