Politik

Reaktion auf Amazonas-Waldbrände Brasiliens Präsident setzt Brandrodung aus

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Das Dekret gegen die Brandrodung gilt landesweit für die kommenden 60 Tage.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet veranlassen Brasiliens Regierungschef zu handeln. Bolsonaro verhängt ein zweimonatiges Rodungsverbot. Das gilt aber nicht für alle Menschen in den betroffenen Gebieten.

Angesichts der schweren Waldbrände im Amazonasgebiet hat Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro Brandrodungen für die Dauer von zwei Monaten verboten. Der ultrarechte Politiker unterzeichnete ein entsprechendes landesweit geltendes Dekret, wie mehrere Medien unter Berufung auf Regierungskreise berichteten. Das Dekret soll demnach im Amtsblatt veröffentlicht werden. Ausnahmen sollen beispielsweise für die indigenen Gemeinschaften gelten, die Selbstversorger sind.

Bolsonaro ist international zunehmend unter Druck geraten. Kritiker werfen der brasilianischen Regierung vor, nicht energisch genug gegen die Feuer vorzugehen. Der brasilianische Präsident ist eng mit der Agrarlobby verbunden und zweifelt den menschengemachten Klimawandel an. Umweltschützer machen Bolsonaro dafür verantwortlich, dass die Brände im Amazonasgebiet in diesem Jahr massiv zugenommen haben.

Kehrtwende bei Bolsonaro

Das Verbot der Brandrodung für die kommenden 60 Tagen sei eine "außerordentliche und zeitlich begrenzte" Maßnahme, die das Ziel habe, die Umwelt zu schützen, betont die brasilianische Regierung. Für Jair Bolsonaro handelt es sich tatsächlich um eine außerordentliche Maßnahme - bislang hatte er die Brände immer wieder als "völlig normal" und in einigen Regionen sogar als Tradition bezeichnet. "Es sind die Menschen selbst, die diese Brände legen. Es ist fast eine Tradition", zitiert ihn die brasilianische Zeitung "Folha de Sao Paulo".

Demnach ist das Verbot zudem Teil eines größeren Maßnahmenpakets, das die Regierung noch in dieser Woche beschließen will. Ziel sei es, nach innen und nach außen zu zeigen, dass die Regierung nicht leichtfertig mit den Bränden im Amazonas umgeht. Das Paket beinhalte Hilfen für die entsprechenden Regionen und verspreche Investitionen in die Infrastruktur.

Südamerika leidet unter Waldbränden

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach den jüngsten Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 77 Prozent auf mehr als 83.000 Brände.

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Viele Feuer wurden offenbar von Farmern auf abgeholzten Flächen gelegt, um neue Weideflächen und Ackerland für den Soja-Anbau zu schaffen. Weil es derzeit sehr trocken ist, greifen die Brände auch auf noch intakte Waldgebiete über.

Auch andere Staaten in der Region sind von schweren Waldbränden betroffen. Die bolivianische Regierung erklärte am Mittwoch, Feuer hätten in diesem Jahr bereits 1,2 Millionen Hektar Wald und Grasland verwüstet. Umweltschützer gehen von einer deutlich größeren Fläche aus. Boliviens linksgerichteter Präsident Evo Morales ist wegen der Brände ebenfalls in die Kritik geraten.

Quelle: n-tv.de, joh/cpf/dpa/AFP