Politik

Kurz vor Brexit-Fristende Briten schließen Handelsdeal mit Japan

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Briten-Premier Boris Johnson hatte einst erklärt, neue Handelsabkommen abzuschließen, sei ganz leicht.

(Foto: AP)

Zum Jahreswechsel endet für Großbritannien die Übergangsfrist nach dem EU-Austritt - mit düsteren Aussichten für die Handelsbeziehungen. Nun macht London immerhin einen Handelsdeal mit Japan fest. 

Japan und Großbritannien haben sich auf ein bilaterales Freihandelsabkommen geeinigt, das nach Ablauf der derzeitigen Brexit-Übergangsphase gelten soll. Japans Außenminister Toshimitsu Motegi und die britische Ministerin für internationalen Handel, Liz Truss, unterzeichneten in Tokio einen entsprechenden Vertrag. Damit ebneten sie den Weg, damit das Abkommen am 1. Januar in Kraft treten kann. 99 Prozent der zwischen beiden Ländern gehandelten Güter und Dienstleistungen sollen damit künftig zollfrei bleiben. Nach britischen Angaben wird das Abkommen das Handelsvolumen um 15,2 Milliarden Pfund (16,5 Milliarden Euro) erhöhen.

So wollen beide Staaten Kontinuität bei Handel und Investitionen nach dem Austritt Londons aus der Europäischen Union sicherstellen. Zuvor muss das Abkommen, das weitgehend dem bestehenden Freihandelsabkommen Japans mit der EU entspricht, allerdings noch von den Parlamenten beider Länder ratifiziert werden.

Die Unterzeichnung fand bei einer feierlichen Zeremonie in Tokio statt. Großbritanniens Ministerin für Internationalen Handel, Liz Truss, sagte, das Abkommen mache den Weg frei für eine Mitgliedschaft ihres Landes in der Vereinbarung für eine Trans-Pazifische Partnerschaft (Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership) mit elf Mitgliedern wie Kanada, Mexiko, Vietnam und Australien.

Japan, die vor Deutschland drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, hatte mit Großbritannien über ein solches Abkommen verhandelt, da das Freihandelsabkommen Japans mit der EU das Vereinigte Königreich nach Ende der Brexit-Übergangsphase am 31. Dezember nicht mit abdeckt. Zwar begrüßen japanische Firmen das Abkommen, zugleich sorgen sie sich jedoch darüber, ob London wirklich ein Abkommen mit der EU für die Zeit nach Ablauf der Übergangsphase zustande bekommen wird.

Die Brexit-Befürworter in Großbritannien hatten einst angekündigt, sie wollten rund um die Welt Handelsverträge abschließen. Premier Boris Johnson selbst hatte gesagt, dies sei einfach, da man lediglich per "copy and paste" die Vertragstexte herüber kopieren müsse. Von größter Bedeutung ist dabei auch ein Vertrag mit den USA. Auch dieser ist noch nicht in trockenen Tüchern. Kongressabgeordnete in Washington sehen die mögliche Frage von Grenzkontrollen zwischen Nordirland und Irland als Problem. Laut einem BBC-Bericht hatte London vor dem neuen Abkommen mit Japan etwa 50 Handelsabkommen abgeschlossen, die acht Prozent des Außenhandels abdecken, darunter sind Vereinbarungen mit Südkorea, Chile, der Schweiz, Island und Norwegen.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP