Politik

Angriffe auf Abgeordnete okay Briten würden für Brexit Gewalt riskieren

118577490.jpg

Demonstranten bei einem "March to Leave" im Frühjahr in Nottingham.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die einen wollen so schnell wie möglich raus aus der EU, die anderen möchten den EU-Austritt gleich ganz abblasen: Im Brexit-Streit ist Großbritannien tief gespalten. Eine Umfrage zeigt jetzt, dass viele Briten auch vor Gewalt nicht zurückschrecken würden, um ihr Ziel zu erreichen.

Der Brexit ist in Großbritannien seit Jahren Streitthema und beschäftigt viele Briten offenbar so sehr, dass sie sogar die Anwendung von Gewalt akzeptieren würden, wenn das den Brexit-Konflikt in ihrem Sinne beinflussen würde. Laut einer Umfrage der Universitäten Cardiff und Edinburgh, über die der "Guardian" berichtet, ist die Mehrheit der Wähler in Großbritannien der Meinung, dass die mögliche Anwendung von Gewalt gegen Abgeordnete "ein Preis ist, der es wert ist, gezahlt zu werden".

Bei der Umfrage sollten die Befragten darüber Auskunft geben, was sie bereit wären zu akzeptieren, damit der Brexit-Streit in ihrem Sinne endet - wenn also Großbritannien die EU verlässt, oder wenn das Land Teil der Europäischen Union bleibt. Eine Antwort beinhaltete die Möglichkeit, dass Gewalt gegen Abgeordnete angewendet werden könnte. Für die Mehrheit der 4103 befragten Wähler scheint das kein Ausschlusskriterium zu sein: Bei den Befragten, die beim Referendum für den Brexit gestimmt hatten, waren in England 71 Prozent, in Schottland 60 Prozent und in Wales 70 Prozent der Meinung, dass Gewalt gegen Politiker ein akzeptables Mittel wäre.

Die Brexit-Gegner zeigten sich zwar etwas zurückhaltender, doch auch hier ließ sich eine Mehrheit nicht von der Anwendung von Gewalt abschrecken: 58 Prozent in England, 53 Prozent in Schottland und 56 Prozent in Wales. Ob die Befragten die Gewalt selbst ausüben oder ob andere die Angriffe durchführen würden, wurde nicht spezifiziert.

Studienautor Richard Wyn Jones von der Universität Cardiff zeigte sich dem "Guardian" gegenüber "schockiert" von dem Ergebnis - vor allem im Hinblick auf den Mord an der britischen Abgeordneten Joe Cox 2016 vor der Brexit-Abstimmung. "Ich glaube die Teilung ist mittlerweile existenziell", sagte Wyn Jones. Das unterstreicht ein weiteres Ergebnis der Studie: Die meisten Befragten rechnen mit Gewalt gegen Abgeordnete und gewaltvollen Protesten mit Schwerverletzten, wenn es tatsächlich zum Brexit kommt.

Quelle: ntv.de, ftü