Politik

Pfefferspray, Schreckschusswaffen Bürger besorgen sich kleine Waffenscheine

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Den kleinen Waffenschein gibt es in Deutschland seit 2002.

(Foto: dpa)

Nach mehreren tödlichen Anschlägen und Amokläufen weltweit wächst bei deutschen Bürgern die Verunsicherung. Viele reagieren darauf mit persönlicher Aufrüstung. Doch die Polizei warnt vor einem trügerischen Sicherheitsgefühl.

Immer mehr Menschen in Deutschland besitzen einen "kleinen Waffenschein". In den ersten sechs Monaten des Jahres stieg deren Zahl um 49 Prozent auf rund 402.000, berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf das Bundesinnenministerium. Im ersten Halbjahr 2015 waren knapp 270.000 solcher Waffenscheine registriert worden. Der kleine Waffenschein gilt für Signal-, Schreckschuss- und Reizstoffwaffen.

Mehr Schusswaffen haben sich die Deutschen dagegen nicht zugelegt. Die Zahl der dafür notwendigen Waffenbesitzkarten lag nach Angaben des Ministeriums im ersten Halbjahr 2016 bei 1,894 Millionen. Das waren in etwa so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres, als 1,898 Millionen Waffenbesitzkarten registriert waren.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte der Zeitung, die Menschen hätten "zunehmend Angst vor Terror und Kriminalität". "Und sie lassen sich nicht länger mit Statistiken, Beschwichtigungen oder Ankündigungen beruhigen." Im Ernstfall könne sich die persönliche Aufrüstung allerdings als trügerisch und nutzlos erweisen. "Denn den Umgang mit Waffen muss man lernen und trainieren", warnte Wendt.

Grüne wollen schärfere Regelungen

Der kleine Waffenschein war 2002 nach Amokläufen an Schulen eingeführt worden. Gegen eine Gebühr wird er von der Polizei, Gemeinden, Kreisverwaltungen, Ordnungs- und Landratsämtern ausgestellt. Sie überprüfen die Zuverlässigkeit und Eignung der Antragsteller. So dürfen sie nicht von Drogen und Alkohol abhängig sein.

Für Kauf und Besitz von Schreckschusswaffen ist der kleine Waffenschein nicht notwendig, bisher genügt ein Nachweis der Volljährigkeit. Lediglich wer sie mitführen will, braucht das Dokument. Die Innenexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, forderte gegenüber der "Welt am Sonntag" eine Verschärfung der Regelung. "Wir halten es für geboten, dass auch für den Erwerb von Reizstoffwaffen die Vorlage des kleinen Waffenscheins notwendig wird."

Quelle: n-tv.de, chr/AFP

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