Politik

Lernrückstände aufholen Bund plant Milliardenausgabe für Nachhilfe

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Spätestens zum neuen Schuljahr soll es Karliczek zufolge Förderangebote in den Kernfächern geben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Etwa ein Viertel aller Schüler haben nach den Corona-bedingten Schulschließungen mit großen Lernrückständen zu kämpfen. Bildungsministerin Karliczek möchte diese mit einem Nachhilfeprogramm aufholen. Eine Milliarde Euro soll es kosten. Die deutsche Wirtschaft hält das für eine gute Investition.

Mit einem bundesweiten Nachhilfeprogramm im Umfang von einer Milliarde Euro will Bildungsministerin Anja Karliczek Corona-bedingte Lernrückstände ausgleichen. Dazu solle es am Ende des Schuljahres in allen Bundesländern Lernstandserhebungen in den Kernfächern geben, sagte die CDU-Politikerin den Funke-Zeitungen. 20 bis 25 Prozent der Schüler hätten vermutlich große, "vielleicht sogar dramatische" Lernrückstände. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht einen Förderbedarf bei rund 1,5 Millionen Schulkindern.

"Wenn wir ein Nachhilfeprogramm für die Kernfächer auflegen, brauchen wir dazu etwa eine Milliarde Euro", sagte Karliczek. Sie nannte weitere Details des geplanten Bund-Länder-Programms: Spätestens zum neuen Schuljahr würden zusätzliche Förderangebote bereitgestellt, die sich auf Kernfächer, also etwa Deutsch, Mathe und möglicherweise auch die erste Fremdsprache beziehen sollten. Zielgruppe seien vor allem Schülerinnen und Schüler, bei denen ein Wechsel bevorstehe - entweder auf eine weiterführende Schule oder in eine Ausbildung.

Der jeweilige Bedarf müsse "vorher in einer Lernstandserhebung ermittelt werden", so Karliczek. Schon in den Sommerferien solle es erste Angebote geben. Für das Programm will die Bundesbildungsministerin auf vorhandene Strukturen in den Ländern zurückgreifen: "Eingebunden werden könnten zum Beispiel Lehramtsstudierende, pensionierte Lehrkräfte, Bildungsstiftungen und natürlich auch private Nachhilfeanbieter.

IW: "Gut angelegtes Geld"

Auch das arbeitgebernahe IW-Institut spricht sich für milliardenschwere staatliche Investitionen aus, um den entstandenen Lernrückstand auszugleichen. Es sei bei rund 1,5 Millionen Schulkindern vor allem aus bildungsferneren Haushalten ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden, zitierte die "Rheinische Post" aus einer IW-Studie. Für deren Förderung "wäre bei einem durchschnittlichen Zeitumfang von 100 Stunden pro Person mit Kosten in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro zu rechnen".

Es würde sich um "gut angelegtes Geld" handeln, mit dem sich die "Verschärfung der Ungleichheit der Bildungschancen und deutlich größere Folgekosten" vermeiden ließen, heißt es demnach in der Studie. Bund und Länder sollten "in den kommenden Monaten" massiv in den Ausbau von Förderprogrammen investieren.

Das Institut beruft sich auf eine aktuelle Befragung von Lehrkräften im Rahmen des Deutschen Schulbarometers. Demnach waren im Dezember 38 Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer der Meinung, dass durch die Schulschließungen Lernrückstände bei mehr als der Hälfte aller Schülerinnen und Schüler entstünden. Besonders eklatant sei dies bei Jüngeren und bei Kindern mit Migrationshintergrund.

Karliczek fordert vorgezogene Impfungen für Lehrer

Auch das IW sprach sich dem Bericht zufolge dafür aus, an allen Schulen und in allen Jahrgängen Vergleichsarbeiten schreiben zu lassen, "um den Umfang des Lernverlustes systematisch zu ermitteln". Auf dieser Grundlage könnten dann "Nachqualifizierungsprogramme" entwickelt werden.

Diese könnten aus zusätzlicher Unterstützung durch Lehrmaterialien oder zusätzlichem Förderunterricht am Nachmittag oder an Samstagen bestehen. "Auch Mentoring-Programme könnten hier eine Rolle spielen", heißt es laut der Zeitung in der Studie weiter. "Neben diesen Angeboten sollten auch systematische Lernangebote für die Ferien entwickelt werden."

Karliczek forderte zudem vorgezogene Corona-Schutzimpfungen für sämtliche Lehrkräfte mit höherem Risiko. "Wichtig wäre, dass bis zum Schulstart nach den Osterferien vor allem diejenigen Lehrer geimpft sind, die wegen ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen zu den Risikogruppen gehören", sagte die Ministerin der Funke-Mediengruppe. Nach der jüngsten Änderung der Impfreihenfolge sind bislang nur Lehrer in Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen in die zweite Prioritätsgruppe hochgestuft worden.

Quelle: ntv.de, chf/AFP

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