Politik

Laptop-Zuschuss für Familien Bund zahlt 500 Millionen Euro Schul-Hilfsgeld

Schüler einer zehnten Klasse arbeiten in einer Unterrichtsstunde mit Tablets. Foto: Uli Deck/Archiv

Die Schüler sind derzeit auf technische Geräte wie Laptops, PCs oder Tablets angewiesen.

(Foto: Uli Deck/Archiv)

Da ein normaler Schulbetrieb derzeit nicht möglich ist, müssen Schüler zu Hause digital lernen. Für die nötige technische Ausstattung sollen bedürftige Familien nun Hilfsgelder von der Bundesregierung bekommen - doch die Höhe der Zuschüsse sei "blanker Hohn", kritisiert der Bildungsverband.

Die von Union und SPD vereinbarten 500 Millionen Euro Extra-Hilfsgelder für bedürftige Schüler und Schulen in der Corona-Krise sollen schnell an die Empfänger gebracht werden. Es liefen bereits Gespräche mit den Ländern darüber, sagte CDU-Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

Die Koalitionsparteien hatten in der Nacht zum Donnerstag bei einem Spitzentreffen vereinbart, ein "Sofortausstattungsprogramm" über eine halbe Milliarde Euro aufzulegen. Das Geld sollen die Schulen für die Erstellung von Online-Lehrangeboten nutzen. Außerdem sollen bedürftige Schüler einen Zuschuss von 150 Euro bekommen, für den Kauf eines Laptops oder eines anderen Gerätes für den Unterricht zu Hause.

Bildungsexperten und Lehrerverbände hatten seit Beginn der Schulschließungen davor gewarnt, dass bestimmte Schüler abgehängt werden könnten, wenn zu Hause keine Geräte wie Laptops, PCs oder Tablets vorhanden seien oder wenn Eltern sie nicht genügend in der außergewöhnlichen Lernsituation unterstützten.

Zwar wird in den Schulen jetzt allmählich der Lehrbetrieb wieder aufgenommen, an einen normalen Schulalltag mit allen Schülern ist wegen strenger Abstands- und Hygieneregeln aber voraussichtlich noch monatelang nicht zu denken. Digitales Lernen werde deshalb in den nächsten Monaten immer wichtiger, sagte Karliczek. "Dass der Regelbetrieb noch länger nicht wieder stattfinden kann, ist mittlerweile allen sehr bewusst."

Kritik an Höhe der Zuschüsse

Für Schulpolitik sind in Deutschland die Bundesländer selbst zuständig. Über die Verteilung der Hilfsgelder kann der Bund daher nicht allein entscheiden. In Gesprächen mit den Ländern muss erst noch geklärt werden, welche Schüler Anspruch auf die 150 Euro erhalten sollen und wann und wie das Geld ausgegeben wird. "Wir müssen einen schnellen Weg finden, (...) dass wir recht zügig gewährleisten können, dass alle Kinder gut ausgestattet sind mit der Technik, die sie brauchen", sagte Karliczek.

Grundsätzlich wird das Corona-Hilfspaket für Schulen und Schüler zwar begrüßt, an der Höhe des geplanten Laptop-Zuschusses gibt es aber Kritik. Es sei "blanker Hohn", anzunehmen, dass Eltern und Jugendliche, die sich bisher die Anschaffung eines digitalen Endgerätes nicht leisten konnten, dies mit 150 Euro könnten, sagte der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Ähnliche Kritik kam von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die baden-württembergische GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz sagte im SWR, 150 Euro reichten für den Kauf eines Tablets nicht, Eltern müssten etwas zuzahlen. In der gegenwärtigen Situation mit Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit sei aber meist kein Geld da. Moritz schlug stattdessen vor, dass die Schulen Leihgeräte ausgeben. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Margit Stumpp, sagte: "Es ist zu begrüßen, dass nun auch die Bundesregierung anerkennt, dass das Homeschooling zu sozialen Verwerfungen führen kann und auch der Bund in der Verantwortung ist, für Chancengerechtigkeit zu sorgen". Die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen ohne digitale Endgeräte sei richtig, dürfe aber nicht alles sein. Auch Lehrkräfte müssten entsprechend fort- und weitergebildet werden.

Lehrer arbeiten lieber analog

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung hatte kürzlich gezeigt, dass die meisten Lehrer während Schulschließungen vor allem auf klassische Arbeitsmaterialien statt auf neue digitale Formate setzen. Die große Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer von der Grundschule (79 Prozent) bis zum Gymnasium (90 Prozent) gab an, Aufgabenblätter zu nutzen.

Video-, Audio- oder Schreibkonferenzen im Netz wurden im Vergleich dazu nur von einem kleinen Teil der Lehrkräfte genutzt. Etwas populärer sind Erklärvideos, die bei gut jedem dritten Lehrer zum Einsatz kamen. Die meisten Lehrkräfte (69 Prozent) sehen Verbesserungsbedarf bei sich selbst, was den Umgang mit digitalen Lernformaten betrifft. Fast genauso viele (64 Prozent) sind der Ansicht, ihre Schule benötige eine bessere technische Ausstattung.

Quelle: ntv.de, lri/dpa