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Warum muss Holsboer gehen? Bundesagentur feuert Spitzen-Managerin

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Holsboer muss gehen - die Gründe sind umstritten.

(Foto: dpa)

Bei der Bundesagentur für Arbeit eskaliert ein Streit an der Spitze - die Spitzenmanagerin Valerie Holsboer muss ihren Posten räumen. Ist sie inkompetent? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

Die umstrittene Spitzen-Managerin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Valerie Holsboer, muss vorzeitig ihre Vorstandsposition räumen. Eine Mehrheit des BA-Verwaltungsrats habe ihre Abberufung beschlossen, verlautete aus Kreisen des Aufsichtsgremiums.

Die Vorsitzende des Verwaltungsrats, Annelie Buntenbach, habe die Entlassung der 42 Jahre alten obersten Finanz- und Personalchefin damit begründet, dass angesichts des "zerrütteten Vertrauens" der Arbeitgeberseite "keine tragfähige Grundlage für die weitere Arbeit des Vorstandes mehr gegeben" sei. Nach Informationen der Deutschen Presse-agentur waren Teile des BA-Aufsichtsgremiums mit der Arbeit Holsboers unzufrieden.

Sie sei mit der Aufgabe, die Bundesagentur für den anstehenden Wandel des Arbeitsmarkts umzubauen, schlicht überfordert, berichteten Insider. "Nach zwei Jahren Arbeit an der Spitze der Bundesagentur hätte ich mehr Fachlichkeit erwartet", hieß es in Verwaltungsratskreisen. Holsboer habe zwar einige Innovationen vorgeschlagen, umgesetzt worden sei davon aber kaum etwas. Auch seien ihr wiederholt grobe Fehler unterlaufen.

1000 Mitarbeiter forderten Verbleib

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Eine Theorie für den Rausschmiss: Holsboer bildete kein ausreichendes Gegengewicht zu BA-Chef Detlef Scheele, einem Sozialdemokraten.

(Foto: dpa)

Auf Kritik stoßen die Abberufungspläne bei einigen Bundesagentur-Mitarbeitern. In einer Online-Petition forderten die Unterzeichner: "BA-Vorstandsmitglied Valerie Holsboer muss bleiben". Die Petition hatten bis Mitte der Woche mehr als 1000 Unterstützer unterzeichnet. Holsboer sei eine "hochkompetente, führungsstarke, inspirierende und anpackende Vorstandsfrau", heißt es in der Petitionsbegründung.

Der seit Wochen schwelende Streit über die Zukunft von Vorstandsmitglied Valerie Holsboer stürzte die Bundesagentur in ihre schwerste personelle Krise seit 15 Jahren. Es ist die zweite vorzeitige Abberufung eines Bundesagentur-Managers seit der Entlassung von Florian Gerster im Jahre 2004. Gerster war seinerzeit über umstrittene Beraterverträge gestolpert.

Holsboer war das einzige weibliche Mitglied in dem von Detlef Scheele angeführten dreiköpfigen Vorstand. Ihr Fünfjahresvertrag sollte offiziell erst im Jahr 2022 auslaufen. Sie hatte 2017 das Personal- und Finanzressort vom früheren BA-Chef Frank-Jürgen Weise übernommen.

Steckt Peter Clever dahinter?

Als Hauptgrund für die Pläne sieht man in Holsboers Umfeld einen Dauerkonflikt der Managerin mit Verwaltungsratsvorstand Peter Clever. Der Arbeitgebervertreter hatte die frühere Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Systemgastronomie für die Vorstandsposition vorgeschlagen.

In Clevers Augen, so Holsboer-Unterstützer, habe sich die BA-Managerin gegenüber ihrem Ziehvater aber als nicht ausreichend loyal erwiesen. Aus Clevers Sicht habe sie zu wenig einen Gegenpol zu dem sozialdemokratischen BA-Chef Scheele gebildet. In Verwaltungsratskreisen wird dies allerdings als Grund für die geplante Abberufung Holsboers bestritten.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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