Politik

"Vor Ort verheerend" Bundesamt untersucht Putins Atomwaffen-Drohung

imago0117334816h.jpg

Russische Militärjets bei einer Parade in Moskau.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Immer wieder deutet Russland an, im Angriffskrieg gegen die Ukraine Atomwaffen einsetzen zu wollen. Das bedroht nicht nur die Ukraine, sondern womöglich sogar ganz Europa. Das deutsche Bundesamt setzt sich deshalb mit diversen Optionen auseinander.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat nach eigenen Angaben auch das Szenario eines russischen Atomwaffen-Einsatzes in der Ukraine im Blick. "Wir untersuchen alle möglichen Szenarien, und Kernwaffen sind natürlich auch ein mögliches radiologisches Szenario, auch wenn wir natürlich hoffen, dass es dazu niemals kommt", sagte BfS-Präsidentin Inge Paulini.

Ihre Behörde sei seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar "in Dauerbeobachtung" der Lage vor Ort, das Amt beobachte die Gefahr eines Austritts von radioaktiver Strahlung sehr genau. Einen solchen Austritt habe es aber in der Ukraine - trotz heftiger Kämpfe auch in der Nähe von Atomkraftwerken - bislang noch nicht gegeben.

Putin schließt nichts aus

Paulini erklärte, dass bei einem Kernwaffen-Einsatz auch radioaktive Stoffe freigesetzt würden, die sich aber anders verhielten als die Stoffe, die bei einem AKW-Unfall austreten würden. Es gebe "einen grundsätzlichen Unterschied zwischen einem großen Reaktorunfall in der Ukraine oder einem Austritt von Radioaktivität über eine Kernwaffe", erklärte Paulini. Denn bei einem Atomwaffen-Einsatz hätten die Stoffe eine andere Zusammensetzung und würden mehr "kurzlebige Radionuklide" enthalten. Das bedeutet, dass sie sehr wahrscheinlich schneller zerfallen.

Folglich wäre in Deutschland bei einem Atomwaffen-Einsatz in der Ukraine die Strahlenbelastung laut Paulini voraussichtlich geringer als nach einem großen Unfall in einem ukrainischen AKW. "Vor Ort wären die Folgen je nach Szenario aber verheerend", mahnte Paulini.

Der Sprecher der russischen Regierung, Dimitri Peskow, hatte seit Ausbruch des Krieges mehrfach ausweichend auf die Frage reagiert, ob Präsident Wladimir Putin den Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine ausschließe. Vor zwei Tagen verwies er auf Nachfrage einer Journalistin auf die russische Sicherheitsdoktrin, wonach Nuklearwaffen eingesetzt würden, wenn eine "existenzielle Bedrohung" für Russland bestehe. Das US-Verteidigungsministerium hatte die Äußerungen als gefährlich bezeichnet.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen