Politik

Karneval statt Hanau-Gedenken Bundestagsmitarbeiter feiern verbotene Party

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Am Brandburger Tor bildete sich eine Menschenkette, im Bundestag die Polonaise.

(Foto: imago images/IPON)

Das Attentat von Hanau versetzt Deutschland im Februar in Schockstarre. Einen Tag nach der Tat stehen die Flaggen in Berlin auf halbmast, am Brandenburger Tor gedenken Bürger und Politiker der Opfer. Gleichzeitig wird im Bundestag laut eines Medienberichts trotz Verbots Karneval gefeiert.

Am 19. Februar hatte ein 43-Jähriger in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln getötet. Für den Folgetag war eine Mahnwache vor dem Brandenburger Tor angekündigt worden. Während der Gedenkfeier sollen Mitarbeiter des Bundestags nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) eine Karnevalsparty gefeiert haben. Die Veranstaltung mit rund 100 Personen soll im Bundestagsgebäude stattgefunden haben, obwohl sie zuvor bereits abgesagt wurde, schreibt die Zeitung.

Laut SZ hatte der Direktor der Bundestagsverwaltung, Horst Risse, eine Karnevalsfeier im trauerbeflaggten Bundestag ausdrücklich untersagt. Die antreibende Kraft soll eine Unterabteilungsleiterin gewesen sein, die anschließend auch noch befördert worden sein soll. Mit ihrer neuen Funktion sei die Mitarbeiterin in die Besoldungsstufe B9 aufgestiegen und stehe damit "auf Augenhöhe mit den wichtigsten Botschaftern der Bundesrepublik", schreibt die SZ.

Hausinterne Mails sollen von einer "schockierten" Belegschaft berichten. Ranghohe Beamte der Verwaltung seien ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht geworden, heißt es darin. Sie hätten nicht nur die Räume zur Verfügung gestellt, sondern auch Getränke und Essen organisiert.

Ein schlechtes Gewissen hätte sich bei den Partygästen erst später eingestellt, berichtet ein Augenzeuge der Zeitung: "Im Nachhinein wurde natürlich darüber diskutiert, ob das so gut war, und was das für ein Bild macht, aber direkt auf der Party, da stand dann doch das Feiern im Vordergrund."

In Hanau hatte am 19. Februar der 43-Jährige neun Menschen mit ausländischen Wurzeln getötet. Später wurden er und seine Mutter tot aufgefunden. Die Ermittler arbeiten derzeit an einem Abschlussbericht zu der Tat.

Quelle: ntv.de, mba