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Geheimes Atomdepot in der Eifel? Bundeswehr baut Schutzzaun in Büchel

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Militärischer Hochsicherheitsbereich in der Eifel: Hinter diesen provisorischen Anlagen soll der neue Hightech-Zaun entstehen.

(Foto: dpa)

Tief in der Eifel errichtet die Bundeswehr eine millionenteure Hightech-Sperranlage: Ein mit Kameras und Sensoren ausgestatteter Zaun soll die Jagdbomber-Basis Büchel vor unbefugten Besuchern schützen. In Bunkern abseits der Rollbahn vermuten Experten die letzten US-Atombomben auf deutschem Boden.

Eines der derzeit heikelsten Bauprojekte der Bundeswehr kommt offenbar langsam in Gang: Zum Schutz gegen Atomwaffengegner und andere unerwünschte Besucher wird der Fliegerhorst Büchel in der Eifel mit einer komplett neuen Zaunanlage ausgestattet. Inklusive Postenweg, einer vorläufigen zusätzlichen Umzäunung sowie zahlreichen neuen Sensoren und Kameras schlägt jeder Kilometer laut Planung mit mehr als einer Million Euro zu Buche. "Für die Gesamtkosten werden etwa 14 Millionen Euro veranschlagt", bestätigte ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr.

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Jagdbomber-Start in Büchel: Die alternden Bundeswehr-Tornados sollen innerhalb der Nato die "nukleare Teilhabe" Deutschlands sichern.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Baubeginn des 11,5 Kilometer langen Absperrbauwerks war demnach am 6. Mai. Fertig werden soll die neue Zaunanlage spätestens im Jahr 2021. Damit liegt das Projekt, mit dem die Bundeswehrverwaltung bereits seit mehr als zehn Jahren kämpft, weiterhin erheblich hinter dem Zeitplan.

Dabei kommt der Luftwaffenbasis Büchel in den strategischen Planungen der Bundeswehr und des westlichen Verteidigungsbündnisses Nato besondere Bedeutung zu. An dem Militärflugplatz in der dünn besiedelten Eifel sind deutsche Jagdbomber des taktischen Luftwaffengeschwaders 33 stationiert: Im Ernstfall sollten Tornado-Kampfjets von hier aus zu Einsätzen gegen wichtige Ziele tief im feindlichen Hinterland starten.

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Im Rahmen des Konzepts der sogenannten nuklearen Teilhabe sehen die Nato-Planungen dabei vor, dass die Bundeswehr-Piloten dabei bei Bedarf auch Atombomben aus den Beständen des US-Militärs in die Schlacht werfen könnten. Wo genau die dafür erforderlichen Sprengkörper der Amerikaner gelagert sind, ist unklar. Sicher ist nur, dass sie nahe einer deutschen Jagdbomber-Basis bereit liegen müssen - anders ergäbe die nukleare Abschreckung keinen Sinn.

Experten gehen davon aus, dass die US-Nuklearwaffen am Standort Büchel bereit gehalten werden. Unbestätigten Angaben zufolge liegen die US-Atombomben in speziell gesicherten Depots abseits der Rollbahn versteckt. Dabei soll es sich um rund 20 der letzten US-Bomben in der Bundesrepublik handeln. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht: Der Lagerort der Nuklearwaffen wird sowohl von US-amerikanischer als auch von deutscher Seite als militärisches Geheimnis behandelt.

Atombomben-Depot in der Eifel?

Unter Atomwaffengegnern gilt Büchel jedoch längst als Symbol für die deutsche Rolle in der Nato-Politik der nuklearen Abschreckung. Wiederholt haben pazifistisch motivierte Demonstranten den alten Zaun um den Militärflugplatz überwunden, um gegen die Lagerung von Atomwaffen in Deutschland zu protestieren. Die Protestaktionen gingen bislang glimpflich aus: Die Eindringlinge müssen sich in der Regel wegen Hausfriedensbruchs vor Gericht verantworten.

Die Tatsache, dass friedliche Atomwaffengegner weitgehend problemlos in die Anlage eindringen konnten, deckte zugleich auch empfindliche Schwachstellen in der Absicherung des militärischen Hochsicherheitsbereichs auf. Die Bundeswehr bemüht sich dabei seit Jahren darum, die Luftwaffenbasis - samt aller bekannten, vermuteten oder geheimen Einrichtungen vor Ort - besser vor ungebetenen Besuchern zu schützen. Um alle potenziellen Gefährdungen etwa durch Terroristen auszuschließen, wurden zusätzliche Sperrkreise hochgezogen.

"Quälend lange Planungsphase"

Dabei geht es in Büchel mittlerweile sogar um den Bau von drei verschiedenen Zäunen: um die alte Umzäunung, um einen provisorischen Zaun zur Verstärkung und um die künftige Einzäunung. Die neuen Absperreinrichtungen sind laut zuständigem Bundesamt unter anderem mit einer oben liegenden Nato-Drahtrolle mehr als zwei Meter hoch. Kritiker bezweifeln jedoch, dass sich dadurch ein ernst gemeinter und gut vorbereiteter Angriff lange aufhielten ließe.

Dass die Absicherungsarbeiten in Büchel sich hinziehen, ruft längst auch hochrangige Kritiker auf den Plan. "Ein abschreckendes Beispiel für quälend lange Planungs- und Bauphasen bietet die geplante Errichtung eines Schutzzauns im Bereich des Nato-Flugplatzes Büchel", kritisierte der Wehrbeauftragte der Bundeswehr, Hans-Peter Bartels, bereits in seinem Jahresbericht 2017.

Mit dem Problemzaun in Büchel kämpft die Bundeswehr mittlerweile schon seit mehr als zehn Jahren - auch, weil das Vorhaben eine Abstimmung auf internationaler Ebene erfordert: Der Inspekteur der Luftwaffe hatte das Projekt 2007 erstmals auf die Tagesordnung gebracht. Drei Jahre später billigten die zuständigen Nato-Behörden das Vorhaben. Weitere vier Jahre darauf gab es dem Bericht des Wehrbeauftragten zufolge eine "gemeinsame Betrachtung zur Realisierung". Laut Bartels erscheint es widersinnig, "dass ein weder architektonisch noch bautechnisch in besonderer Weise anspruchsvolles Vorhaben" sich eineinhalb Jahrzehnte hinziehe.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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