Politik

Öffentliches Gelöbnis in Berlin Bundeswehr feiert in "Mitte der Gesellschaft"

Vor dem Bundestag und an mehreren anderen öffentlichen Plätzen leisten zum 64. Gründungstag der Bundeswehr Rekruten ihr Gelöbnis ab. Das für deutsche Verhältnisse pompöse Szenario soll demonstrieren, dass die Armee in der Gesellschaft verankert ist.

Mit mehreren öffentlichen Gelöbnissen von Rekruten hat die Bundeswehr ihren 64. Gründungstag begangen. Eine der Veranstaltungen fand vor dem Berliner Reichstagsgebäude statt, wo rund 400 Soldaten zusammengekommen waren. Daran nahmen auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer teil. Außer in Berlin fanden noch an sechs weiteren Orten öffentliche Gelöbnisse statt. Das Datum war bewusst gewählt: Am 12. November 1955 war die Bundeswehr gegründet worden.

"Wir leben seit bald 75 Jahren im Frieden, aber dieser Friede ist eben nicht selbstverständlich", sagte Schäuble in seiner Ansprache. Das Abhalten von öffentlichen Gelöbnissen begründete er damit, dass so unterstrichen werde, "dass die Bundeswehr einen festen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft hat". Den Soldaten versprach er, dass das Parlament Einsatzentscheidungen sorgfältig abwägen und für die angemessene Ausrüstung der Streitkräfte sorgen werde.

"Bestmögliche Rahmenbedingungen" für ihre Arbeit versprach auch Kramp-Karrenbauer den Rekruten. Dafür werde sie sich "weiter mit aller Kraft" einsetzen. Genau das ist allerdings einer der größten Kritikpunkte an der Bundeswehr. Kritiker bemängeln, dass Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge regelmäßig nicht einsatzbereit seien. Die Ausgaben für Verteidigung steigen zwar seit Jahren, die Probleme sind aber noch nicht gelöst.

"Bürger in Uniform" statt "Staat im Staate"

Kramp-Karrenbauer betonte, dass erstmals seit sechs Jahren wieder ein Gelöbnis vor dem Berliner Reichstagsgebäude stattfinde. Es sei richtig, das feierliche Gelöbnis an eben diesem Ort abzuhalten, sagte sie. Die Bundeswehr komme "aus der Mitte der Gesellschaft und gehört auch dahin". Zum Leitbild der bundesdeutschen Armee gehört es, dass die Soldaten sich als "Bürger in Uniform" verstehen und nicht wie etwa wie in der Nazizeit oder im Kaiserreich (1871-1918) als "Staat im Staate". 

Dennoch schlägt gerade öffentlichen Gelöbnissen Skepsis entgegen. Kritiker erklärten, es werde Militarismus öffentlich zur Schau gestellt. Überdies gibt es immer wieder Berichte über rechtsradikale Zwischenfälle in der Truppe. Neben der Feier in Berlin gab es an diesem Dienstag Gelöbnisse in der rheinland-pfälzischen Hauptstad Mainz, in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern), Rotenburg/Wümme (Niedersachsen), Freyburg (Sachsen-Anhalt) und Plön (Schleswig-Holstein). Nach Angaben des Bundeswehrverbandes gibt es rund 150 Gelöbnisse pro Jahr.

Quelle: n-tv.de, vpe/shu/AFP/dpa