Politik

"Angela, es tut mir leid" Bush lobpreist Merkel und geißelt Schröder

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Der frühere US-Präsident George W. Bush spricht in den allerhöchsten Tönen von der scheidenden Kanzlerin Angela Merkel.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Vier US-Präsidenten erlebt Angela Merkel während ihrer Kanzlerschaft. Nun steht ihr letzter Amtsbesuch in Washington an. Ex-Präsident George W. Bush erinnert sich in warmen Worten an die "freundschaftliche" Beziehung, schießt gegen Merkels Vorgänger - und erklärt sich für eine berühmt-berüchtigte Szene.

Vor dem Abschiedsbesuch der deutschen Bundeskanzlerin in Washington hat der frühere US-Präsident George W. Bush die fast 16-jährige Amtszeit von Angela Merkel gewürdigt. "Merkel hat Klasse und Würde in eine sehr wichtige Position gebracht und sehr schwierige Entscheidungen getroffen. Sie hat das getan, was das Beste für Deutschland ist, und sie hat es basierend auf Prinzipien getan", sagte Bush, der von 2001 bis 2009 regierte, der Deutschen Welle. Merkel wird am Donnerstag von US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus empfangen.

In dem Interview des deutschen Auslandssenders nannte Bush die Kanzlerin "eine mitfühlende Führungspersönlichkeit, eine Frau, die keine Angst hat zu führen". Merkel habe es geschafft, "in einem ziemlich harten politischen Umfeld zu bestehen" und sei ein Vorbild für Frauen und Mädchen, das sei zentraler Teil ihres Erbes. Der Ex-Präsident beschrieb die scheidende Bundeskanzlerin als "eine sehr nachdenkliche, freundliche Person".

Dreifache Wiederwahl "spricht Bände"

Auch ihr Umgang mit der Flüchtlingskrise 2015 sei von "menschlichem Mitgefühl geleitet" gewesen, so Bush. Merkel habe "die Führung übernommen", auch wenn es eine "schwere politische Entscheidung für sie" gewesen sei - "ich bewundere ihre Standhaftigkeit". Die Welt brauche auf Prinzipien basierende Führung, fügte er an. Er hoffe aber, dass ihre Amtszeit nicht von ihrer Entscheidung in der Flüchtlingskrise definiert werde.

Das gilt auch für den heutigen Umgang mit Verschwörungstheorien, die Bush für eine "wirkliche Gefahr" hält. Um "einige dieser lächerlichen extremistischen Ideologien - sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite - zu widerlegen", werde es "starke Politiker" brauchen. Merkel tritt bei der Bundestagswahl Ende September nicht mehr an. Ihre dreifache Wiederwahl spreche jedoch "Bände über ihre Erfolge", so Bush. Viele Menschen hätten in der letzten von "charakterlosen" Menschen geprägten Zeit den Wert eines integren Charakters wie Merkels erkannt und zu schätzen gelernt.

Nackenmassage war "Ausdruck von Freundschaft"

Ganz anders hingegen äußerte sich Bush über Merkels Vorgänger im Amt, Altkanzler Gerhard Schröder. Dieser habe ihn als "politisches Pfand für seine Wiederwahl" benutzt. Es sei zwischen den Parteien bisweilen sehr persönlich geworden - "einige Mitglieder seines Kabinetts sagten Dinge, die sie nicht hätten sagen sollen." Als Merkel ihr Amt antrat, habe sie das persönliche Verhältnis komplett verändert. Über aller Politik sei die Beziehung eine "Freundschaft" gewesen.

Angesprochen auf eine der wohl berühmtesten Szenen der seinerzeitigen Amtskollegen Merkel und Bush, als der US-Präsident beim G8-Gipfel 2006 in Sankt Petersburg der Kanzlerin eine Massage zu geben schien, stellt Bush heute lachend klar: "Ich würde es nicht als ausgiebige Massage bezeichnen." Es sei vielmehr ein "spontaner Ausdruck von Freundschaft" gewesen. Natürlich hätten Menschen das nicht einzuordnen gewusst. Es sei aber "eines dieser Dinge gewesen, die einfach passieren". Merkel und er hätten auch nie darüber gesprochen. Wenn er dazu aber aufgefordert sei, würde Bush sagen: "Angela, es tut mir leid, dass ich das getan und dich so ins öffentliche Rampenlicht gestellt habe."

Quelle: ntv.de, mra/dpa

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