Politik

Gegenkandidat für Wegner CDU Berlin will Jubel-Parteitag, es kommt anders

09.06.2026, 21:21 Uhr RTL01231-1Von Volker Petersen
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Kai Wegner ist wieder Spitzenkandidat der Berliner CDU - sein Gegenkandidat war chancenlos. (Foto: picture alliance/dpa)

Bei zwei der drei Landtagswahlen im Herbst könnte die AfD stärkste Kraft werden. Nicht aber in Berlin, wo am 20. September gewählt wird. Auf ihrem Landesparteitag nominiert die CDU den Regierenden Bürgermeister Wegner, mit einigen Turbulenzen.

Ende gut, alles gut: Die Berliner CDU hat Kai Wegner erneut zum Spitzenkandidaten für die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September gewählt - mit deutlichem Ergebnis. Wegner bekam auf dem Parteitag des Landesverbandes der Hauptstadt 92,64 Prozent der 272 abgegeben Stimmen.

"Liebe Freunde vielen Dank. 92,6 Prozent in geheimer Abstimmung, das ist Unterstützung", sagte Wegner, der seit 2023 Regierender Bürgermeister Berlins ist. Dabei zeigte er sich selbstbewusst: "Ich will Regierender Bürgermeister bleiben. Was denn sonst? Wer denn sonst?", rief er unter dem Applaus der 275 Delegierten.

Damit war das formale Ziel dieses Parteitags erfüllt: Wegner erneut zu nominieren und den Wahlkampf einzuläuten. Doch das inoffizielle Ziel, ihm Rückenwind zu verpassen, nur mit Abstrichen - wider Erwarten hatte es eine Gegenkandidatur gegeben.

Aus heiterem Himmel bewarb sich der vollkommen chancenlose 85-jährige Wolfram Wickert um die Spitzenkandidatur. Er habe seine Zweifel, ob Wegner der richtige Kandidat sei, sagte der Vorsitzende der Senioren-Union Berlin-Mitte während einer Aussprache. "Um das Ruder herumzureißen, bewerbe ich mich so ganz locker als Gegenkandidat", so Wickert, der der Bruder des langjährigen "Tagesthemen"-Moderators Ulrich Wickert ist. In der CDU sei er erst seit 2017, sagte er ntv.de. Vorher sei er mehrere Jahrzehnte in der SPD gewesen.

Wahl war gar nicht geplant

Die Entgeisterung im Saal war greifbar und so bekam auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Luczak starken Beifall, als er Wickert heftig widersprach und sich für Wegner als Kandidat aussprach. "Von diesem Parteitag muss ein Signal der Geschlossenheit ausgehen", rief er. Dennoch musste spontan eine Wahl abgehalten werden, die so gar nicht geplant gewesen war. Üblicherweise wird der Spitzenkandidat per Akklamation bestimmt.

Die Episode stellte die Parteitagsregie auf den Kopf. Alles war für eine Art Krönungsmesse für Wegner bereitet. In einer zum Eventspace umgebauten alten Zigarettenfabrik in einem Neuköllner Industriegebiet wollte er den Wahlkampf einläuten. Mit seiner etwa einstündigen Rede heimste er langen Applaus ein, die Delegierten erhoben sich und klatschten etwa sechs Minuten lang.

In seiner Rede verwies Wegner auf die Leistungen seiner dreijährigen Amtszeit. Dabei ragten die Verwaltungsreform, bessere Platzierungen Berlins in bundesweiten Bildungsrankings und oder auch ein verschärftes Polizeigesetz hervor. Dabei betonte er die Weltoffenheit Berlins und versprach, sich für Vielfalt und die Rechte von queeren Menschen einzusetzen. Er wolle einen pragmatischen Kurs der Mitte, sagte er und Regierender Bürgermeister aller Berliner sein.

Schwarzes Jahr für Wegner

So unerwartet die Gegenkandidatur war, so wenig überrascht die Unzufriedenheit mit Wegner. Der Spitzenkandidat erlebt ein schwarzes Jahr, das mit der Tennis-Episode während des großen Stromausfalls im Südwesten der Hauptstadt begann. Erst behauptete er, die ganze Zeit am Telefon und mit Krisenmanagement befasst gewesen zu sein, später musste er einräumen, währenddessen Tennis spielen gegangen zu sein.

Dann erschütterte ein Skandal um Fördergelder für Antisemitismusprojekte seine Regierung. Die zuständige Senatorin Sarah Wedl-Wilson trat nach einer wochenlangen Schlammschlacht zurück. Peinlich wurde es für Wegner, als er im März einen neuen Chef-Digitalisierer präsentierte. Recherchen des RBB ergaben, dass gegen Matthias Hundt in Sachsen wegen Insolvenzstraftaten ermittelt wird. Wegner wirkte ahnungslos und übertölpelt.

Das zeigt sich in Umfragen. In einer von Infratest Dimap für den RBB erstellten Erhebung fiel die CDU auf 19 Prozent. Grüne, Linke und AfD stehen demnach jeweils bei 18 Prozent. Vor drei Jahren hatte die CDU noch 28,2 Prozent erreicht. Wegner war vor drei Jahren ins Amt gekommen, nachdem die Wahl zwei Jahre zuvor annulliert worden war. Daher endet seine erste Amtszeit bereits in diesem Jahr.

Kein Freund von Merz

Der Spandauer gilt als parteiinterner Widersacher zu Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz, etwa seit er schon vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr eine Lockerung der Schuldenbremse gefordert hatte. Als Merz im Januar 2025 eine gemeinsame Mehrheit mit der AfD in Kauf nahm, ging Wegner auf Distanz.

Trotzdem muss ihm Merz die Daumen drücken, denn in Berlin hat die CDU unter den drei Landtagswahlen im Herbst die besten Chancen stärkste Kraft zu werden. In Sachsen-Anhalt liegt die AfD in Umfragen klar vorn, in Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls. In der Hauptstadt profitiert Wegner noch immer von der Schwäche seiner Gegner und hat noch immer Chancen im Amt zu bleiben.

Quelle: ntv.de

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