Kommunalwahl in NiedersachsenCDU holt in Wolfsburg haarscharf die absolute Mehrheit

In Niedersachsen trudeln die Ergebnisse der Kommunalwahlen ein. Die CDU kann in Wolfsburg jubeln, muss in Worms allerdings noch bangen. Hannover kämpft derweil mit langen Schlangen und hohen Wartezeiten - in der Landeshauptstadt zeichnet sich eine Stichwahl ab.
Von der Nordseeküste bis zum Harz haben in Niedersachsen Millionen Menschen bei der Kommunalwahl ihre Stimmen abgegeben - und in den Berliner Parteizentralen wird genau auf das Ergebnis geschaut.
Als eine der ersten Entscheidungen stand kurz vor 20.00 Uhr fest, dass das Rathaus in der VW-Stadt Wolfsburg in CDU-Hand bleibt: Bei der Oberbürgermeister-Wahl holte CDU-Amtsinhaber Dennis Weilmann mit 50,1 Prozent knapp die absolute Mehrheit. Auf Platz zwei landete Karsten Schneider von der SPD mit 15,5 Prozent vor Thomas Schick von der AfD mit 14,1 Prozent.
In der Landeshauptstadt Hannover deutete sich früh an, dass es in zwei Wochen zu einer Stichwahl kommen wird. Nach Auszählung von mehr als zwei Dritteln der Stimmen lag der amtierende Oberbürgermeister Belit Onay von den Grünen deutlich vor seinem SPD-Herausforderer Axel von der Ohe.
CDU-Kandidat Peter Karst räumte bereits seine Niederlage ein. "Mit Blick auf die Tafel hier ist die Wahl in Hannover aus meiner Sicht gelaufen", sagte Karst am Wahlabend vor Anhängern seiner Partei. Das Ergebnis treffe ihn "zutiefst". Nach 435 von 478 eingegangenen Ergebnissen erreichte Karst nur 13,9 Prozent und lag damit auf dem dritten Platz. Der amtierende Oberbürgermeister Belit Onay von den Grünen führte mit 44,9 Prozent deutlich vor dem SPD-Kandidaten Axel von der Ohe mit 21,7 Prozent, wie aus einem Zwischenstand der Landeshauptstadt hervorging.
Lange Schlangen vor Wahllokalen hatten zuvor für Wartezeiten in Hannover gesorgt. Die Stadt reagierte nach Angaben von Wahlleiter Sascha Kusz mit zusätzlichen Wahlkabinen, um die Situation zu entspannen.
In Worms entscheidet derweil eine Stichwahl zwischen Stephanie Lohr von der CDU und Timo Horst von der SPD am 27. September über die künftige Rathaus-Spitze. Laut dem vorläufigen Ergebnis der OB-Wahl entfielen 44,1 Prozent der Stimmen auf Bürgermeisterin Lohr und 40,5 Prozent auf Stadtentwicklungsdezernent Horst.
Für das Amt des Oberbürgermeisters oder der Oberbürgermeisterin haben sich in der ersten Runde eine Frau und drei Männer beworben. Im ersten Wahlgang ausgeschieden sind der AfD-Kandidat und Volkswirt Frank Senger mit 13,1 Prozent der Stimmen sowie der FDP-Bewerber, Unternehmer Ali Kesler, mit 2,2 Prozent.
In Oldenburg gewann SPD-Kandidat Ulf Prange den ersten Wahlgang mit 33,16 Prozent vor Grünen-Bewerber Jascha Rohr mit 30,54 Prozent, beide müssen in zwei Wochen in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Im Kampf um das Oberbürgermeisteramt in Salzgitter geht die AfD-Kandidatin Patricia Mair gegen CDU-Amtsinhaber Frank Klingebiel in die Stichwahl. Der Amtsinhaber vereinte 45,61 Prozent der Stimmen auf sich, Mair kam auf 25,67. Amtsinhaber Claudio Griese von der CDU hat dagegen in Hameln das Oberbürgermeister-Amt verteidigt. Er wurde mit 56,51 Prozent der Stimmen im ersten Anlauf wiedergewählt.
Höhere Wahlbeteiligung zeichnet sich ab
Bis zum Nachmittag hatten mehr Menschen ihre Stimme abgegeben als vor fünf Jahren: Eine Wahlbeteiligung von 50,67 Prozent nannte die Wahlleitung um 16.30 Uhr. Rund 6,3 Millionen Menschen waren aufgerufen, in den Landkreisen, Städten und Gemeinden ihre Kommunalvertretungen zu wählen, außerdem wurden Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte gewählt.
Mit dem vorläufigen Endergebnis wird erst am Montagfrüh gerechnet. Erste Ergebnisse aus den Landkreisen werden ab etwa 22.30 Uhr erwartet. Kurz nach 22.00 Uhr soll am Sonntag aber eine vom NDR veröffentlichte Hochrechnung von Infratest dimap klarer zeigen, wie die Parteien landesweit abgeschnitten haben.
CDU-Landeschef Sebastian Lechner zeigte sich am Abend optimistisch, dass seine Partei am Ende landesweit vorn liegen wird. Er sei überzeugt, dass sich die Landes-CDU vom Bundestrend absetzen könne und auch wieder eine sehr gute Chance habe, stärkste Kraft in Niedersachsen zu werden. "Sie wissen ja, dass diese Kommunalwahl nicht gerade unter einfachen Umständen stattgefunden hat. Auch wir haben den Unmut über Berlin gemerkt", sagte Lechner. Er attestierte seiner Union ein "Glaubwürdigkeitsproblem", das es in den nächsten Wochen in Ruhe zu besprechen gelte.
Die Kommunalwahl galt nicht nur als ein Stimmungstest im von Rot-Grün regierten Niedersachsen vor der nächsten Landtagswahl. Eine Woche nach dem AfD-Erfolg bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und eine Woche vor den nächsten Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sind die Kommunalwahlen zudem ein Gradmesser, wie die AfD derzeit in einem westdeutschen Flächenland abschneidet. Bei den Kommunalwahlen 2021 in Niedersachsen hatte die AfD auf Kreisebene 4,6 Prozent erreicht.
Bei den Kommunalwahlen 2021 war die CDU auf Kreisebene mit 31,7 Prozent stärkste Kraft geworden, vor der SPD mit 30,0 Prozent. Die Grünen erreichten vor fünf Jahren 15,9 Prozent, die FDP 6,5 Prozent, die AfD 4,6 Prozent und die Linke 2,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 57,0 Prozent.