Politik

Viel zäher als angenommenCIA widerspricht US-Regierung zum Iran-Krieg gleich doppelt

08.05.2026, 13:17 Uhr
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Auf Pressekonferenzen verkünden Trump und Hegseth eine Erfolgsmeldung nach der anderen im Iran-Krieg. (Foto: Photo Trump by Kyle Mazza/NurPhoto/ Photo Hegseth by Samuel Corum/ Sipa USA)

Die Angriffe der USA auf den Iran vernichten dessen Militär weitgehend, die US-Blockade der Straße von Hormus richtet das Land zudem wirtschaftlich zugrunde. Das sagt die US-Regierung. Eine Analyse der CIA kommt zu gänzlich anderen Ergebnissen.

Der US-amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA hat in einer Analyse zwei wesentlichen Behauptungen der US-Regierung rund um den Krieg mit dem Iran widersprochen. Die Einschätzung wurde laut "Washington Post" der Regierung um Präsident Donald Trump vorgelegt und dämpft den dort stets öffentlich verbreiteten Optimismus.

Mehrere mit der Analyse vertraute Personen erklären der Zeitung demnach, dass der Iran die von den USA mittlerweile installierte Blockade der Straße von Hormus mindestens drei bis vier Monate überstehen könne, bevor schwere wirtschaftliche Probleme eintreten würden. Der Iran hatte die für den Welthandel fundamental wichtige Meerenge direkt nach Beginn der Angriffe der USA und Israels am 28. Februar faktisch blockiert und gedroht, Schiffe gezielt anzugreifen, sollten sie die Meerenge durchfahren.

Nachdem Gespräche über einen Friedensvertrag zwischen den USA und dem Iran in Pakistan keine Einigung gebracht hatten, rief Präsident Trump am 13. April seinerseits eine Blockade der Straße von Hormus aus. Damit versuchte er, den Druck auf den Iran zu erhöhen, einer Friedenslösung zuzustimmen. Die wirtschaftliche Blockade sollte Teheran zum Einlenken zwingen. Das ist bisher ausgeblieben. Glaubt man der Einschätzung der CIA, dürfte sich auch in den kommenden Monaten nicht viel daran ändern. Zumal sich die US-Blockade eben nicht nur gegen iranische Schiffe richtet und damit die weltwirtschaftlichen Verwerfungen verschärft.

Widerstandsfähigkeit des Iran größer

Einer der US-Beamten erklärte gegenüber der "Washington Post", man gehe davon aus, dass die Fähigkeit des Iran, anhaltende wirtschaftliche Not zu überstehen, weitaus größer sei, als selbst von der CIA bisher geschätzt wurde. "Die Führung ist radikaler und entschlossener geworden und immer zuversichtlicher, dass sie den politischen Willen der USA überstehen und die Unterdrückung im eigenen Land aufrechterhalten kann, um jeglichen Widerstand" im Iran einzudämmen, erklärte der Beamte.

Teheran lagert zudem einen Teil seines Öls - die Haupteinnahmequelle des Landes - auf Tankschiffen, die andernfalls wegen der Blockade leer stünden, sagte eine der Personen der "Washington Post". Außerdem drosselte das Land die Fördermengen seiner Ölfelder, um sicherzustellen, dass die Bohrlöcher funktionsfähig bleiben. "Es ist bei weitem nicht so schlimm, wie manche behaupten", sagte die Person und trat damit Behauptungen der US-Regierung eines wirtschaftlich bevorstehenden Kollapses des Irans entgegen.

Iran könnte Öl über Land transportieren

Die CIA-Analyse könnte die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des Iran sogar noch unterschätzen, falls Teheran in der Lage ist, Öl über Landwege zu schmuggeln. Lkw- und Eisenbahnkonvois können das Volumen von Schiffen und offenen Seewegen zwar nicht ersetzen, aber zumindest ein wirtschaftliches Polster bieten, sagte einer der US-Beamten. "Es gibt die Annahme, dass sie damit beginnen könnten, einen Teil des Öls per Bahn durch Zentralasien zu transportieren", erklärte er.

Auch in einem anderen Punkt kommt die Analyse der CIA zu einem gänzlich anderen Ergebnis, als die US-Regierung: nämlich, was die militärische Stärke des Irans angeht. In den Worten Präsident Trumps und seines Verteidigungsministers, Pete Hegseth, ist die nahezu vollständig zerstört. Immer wieder wurden Erfolgsmeldungen zu zerstörten Raketenabschussvorrichtungen, Drohnenproduktionsstätten, Flugzeugen und Kriegsschiffen veröffentlicht. Bereits am 12. März erklärte Trump auf Truth Social, dass der Iran "wirtschaftlich, militärisch und auf jede andere Weise" vernichtet sei. Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran trat allerdings erst in der Nacht auf den 8. April in Kraft. Bis dahin konnte der Iran weiterhin Raketen und Drohnen auf Nachbarstaaten und Schiffe in der Straße von Hormus feuern. Dabei sollen laut "Washington Post" in 228 Fällen Gebäude oder Militärgeräte der USA getroffen worden sein.

CIA: Iran hat 70 Prozent des Vorkriegsarsenals

Der CIA-Analyse zufolge könne das Regime in Teheran solche Angriffe aufrechterhalten. Die CIA geht davon aus, dass der Iran vor Kriegsbeginn rund 2500 ballistische Raketen sowie Tausende Drohnen im Arsenal hatte. Das Land verfüge nach wie vor über etwa 75 Prozent seiner Vorkriegsbestände an mobilen Abschussrampen und etwa 70 Prozent seiner Vorkriegsbestände an Raketen, sagte ein US-Beamter der "Washington Post". Er erklärte, es gebe Hinweise darauf, dass es dem Regime gelungen sei, fast alle seine unterirdischen Lagerstätten wiederherzustellen, einige beschädigte Raketen zu reparieren und sogar neue Raketen zusammenzubauen, die bei Kriegsbeginn fast fertiggestellt waren.

Das sind ganz andere Zahlen als die, die Trump am Mittwoch in einer Rede im Oval Office nannte. Da sagte er über den Iran: "Ihre Raketen sind größtenteils dezimiert, sie haben wahrscheinlich noch 18, 19 Prozent, aber im Vergleich zu dem, was sie hatten, ist das nicht viel."

Um den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus bedrohen und damit kontrollieren zu können, seien Raketen jedoch weniger wichtig als die kostengünstigeren Drohnen, sagen Analysten, auch innerhalb der US-Regierung. "Es reicht schon eine einzige Drohne, die ein Schiff trifft, und niemand wird den Öltankern noch eine Versicherung geben", sagte etwa Danny Citrinowicz, leitender Forscher am Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv.

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Seiner Einschätzung nach würde selbst eine monatelange Blockade das Regime im Iran nicht zwingen, sich den Forderungen Washingtons zu beugen. "Das Problem ist, dass sie nicht glauben, kapitulieren zu müssen", sagte er. Letztlich könnte der Krieg trotz der militärischen Erfolge der USA und Israels im Iran dennoch zu einem strategischen Misserfolg führen.

"Was als Krieg begann, der angeblich darauf abzielte, das Regime zu stürzen und seine nuklearen und ballistischen Raketenkapazitäten zu zerstören", schrieb Citrinowicz auf X, "könnte stattdessen dazu führen, dass das iranische Regime stärker als zuvor dasteht - gestärkt durch die Aufhebung der Sanktionen, unter Beibehaltung bedeutender Raketenkapazitäten, fortgesetzter Unterstützung seiner Stellvertreter und mit ziemlicher Sicherheit der Aufrechterhaltung der Urananreicherung auf eigenem Boden."

Quelle: ntv.de, als

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