Mini-Reaktoren statt MeilerCSU liegt bei Atomausstieg nicht auf Kanzler-Kurs

Bundeskanzler Merz sieht keine Chance, Deutschlands Atomausstieg umzukehren, auch wenn er das bedauert. Die CSU will nun über eine Hintertür an der Kernenergie festhalten.
Die CSU widerspricht dem Kanzler: Entgegen der Meinung von CDU-Chef Friedrich Merz will die Schwesterpartei in der Energiepolitik weiter auf Atomenergie setzen. Dafür plädiert CSU-Generalsekretär Martin Huber in einem Interview mit den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. Merz habe sich auf die großen Meiler bezogen, nicht auf "die neuen Technologien, mit denen enorm viel möglich ist. Ich finde: Wir sollten hier auf Innovationen setzen", sagte Huber.
Merz hatte gesagt, er persönlich teile die Einschätzung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Abkehr von der Atomkraft sei ein strategischer Fehler gewesen. Die Bundesregierungen zuvor hätten entschieden, aus der Kernenergie auszusteigen, sagte Merz. "Der Beschluss ist irreversibel. Ich bedauere das, aber es ist so."
"Energie ist die Lebensader einer Industrienation", sagte der Huber. "Mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz sind auch die dafür nötigen Rechenzentren verbunden, die enorme Mengen an Strom benötigen. Eine Lösung für dieses Problem sehen wir in sogenannten Small Modular Reactors - also kleinere, modular gebaute Kernreaktoren", sagte Huber.
Auch CSU-Chef Markus Söder hatte sich bereits für einen Kurswechsel in der deutschen Energiepolitik und den Bau besagter Mini-Atomkraftwerke ausgesprochen. Söder verwies in dem Kontext etwa auf vorhandene Small Modular Reaktoren in Kanada. Tatsächlich gibt es nach Angaben der kanadischen Regierung solche Reaktoren dort aber noch gar nicht. Bisher laufen lediglich vorbereitende Arbeiten in der Region Ontario - mit dem Ziel, bis etwa 2030 den ersten Reaktor an den Start zu bringen.
Derzeit treiben mehrere Länder wie etwa Großbritannien, Tschechien und Polen die Entwicklung der Mini-Atomreaktoren voran. China und Russland haben erste Anlagen in Betrieb genommen. Diese kleineren, modularen Reaktoren gelten Befürwortern als Alternative zu herkömmlichen großen Atomkraftwerken und versprechen eine flexiblere und möglicherweise sicherere Energieerzeugung, nicht nur zur Stromproduktion, sondern auch zur Fernwärmeversorgung von Städten.