Politik

Um "positive Werte" zu fördern China zensiert Hongkonger Schulbücher

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Schüler in Hongkong bei einem Protest gegen das Eingreifen des Bildungsministeriums in die Freiheit des Lernens.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Hongkong lernen Schüler Dinge kritisch zu hinterfragen - bis jetzt. Nun knöpft sich die chinesische Regierung die Schulbücher der Stadt mit Sonderstatus vor und streicht Stellen zu zivilem Ungehorsam und Protestbewegungen. Die einen nennen das Zensur. Die anderen nennen es "Hilfe".

In Hongkong lernen Schüler bisher in einem eigenen Unterrichtsfach das kritische Denken - doch jetzt sollen die Schulbücher dazu zensiert werden. Wie Medien in der chinesischen Sonderverwaltungszone am Donnerstag berichteten, ordnete die Hongkonger Regierung an, "heikle" Stellen aus den Schulbüchern zu streichen. Die Regierung erklärte, es sollten "fehlerhafte Elemente aus der Vergangenheit" ausgesiebt werden.

Kritiker sehen in dem Vorgehen einen weiteren Angriff auf die Meinungsfreiheit in der Wirtschaftsmetropole, in der die pekingtreuen Behörden seit dem Inkrafttreten eines umstrittenen Sicherheitsgesetzes Ende Juni massiv gegen die Opposition vorgehen. Die Bildungspolitik steht im Fokus Pekings, pekingtreue Politiker werfen den Schulen Hongkongs vor, die Opposition zu unterstützen. Gefordert wird eine verstärkte Erziehung zum Patriotismus.

Schüler an weiterführenden Schulen in Hongkong haben das Fach "Liberale Studien", in dem sie kritisches Denken lernen sollen. Aus den dazugehörigen Schulbüchern sollen die Verlage nun Stellen zu zivilem Ungehorsam sowie Fotos mit bestimmten Protest-Botschaften entfernen. Außerdem sollen die Namen einiger Parteien nicht mehr genannt werden.

Lehrer: Änderungen "verzerren Realität"

Die Lehrergewerkschaft HKPTU warf der Bildungsbehörde der Stadt daraufhin politische Zensur vor. Die Änderungen "verwässern oder verzerren sogar die Realität in der Gesellschaft", erklärte die Gewerkschaft. Peking wies Zensurvorwürfe zurück und erklärte, die Änderungen würden den Schülern helfen, "positive Werte" zu entwickeln.

Großbritannien und China hatten bei der Übergabe der ehemaligen britischen Kolonie 1997 einen Vertrag geschlossen, der die Meinungsfreiheit in Hongkong für 50 Jahre garantieren sollte. Das von China durchgesetzte, sogenannte Sicherheitsgesetz zu Hongkong sieht allerdings lange Haftstrafen für Rufe nach mehr Autonomie oder Unabhängigkeit für Hongkong vor. Wegen des Gesetzes wurde bereits eine Reihe von Aktivisten festgenommen. Schulen und Bibliotheken in der Stadt haben manche Bücher aus ihren Regalen verbannt.

Quelle: ntv.de, jsc/AFP

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