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Die Grünen-Politikerin Claudia Roth will "Gesicht zeigen" und sich nicht "unterkriegen lassen".
Die Grünen-Politikerin Claudia Roth will "Gesicht zeigen" und sich nicht "unterkriegen lassen".(Foto: picture alliance / Silas Stein/d)
Samstag, 02. Juni 2018

Tägliche Anfeindungen: Claudia Roth erhält Morddrohungen

Die Grünen-Politikerin will sich nicht unterkriegen lassen und Haltung beweisen. Claudia Roth wird sowohl von Rechtsaußen als auch konservativen Türken angefeindet. Gegen manche verbale Drohungen geht sie juristisch vor.

Die Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth, bekommt nach eigener Darstellung Morddrohungen. Diese stammten aus dem rechten Lager und dem nationalistisch-religiösen Teil der türkischstämmigen Wählerschaft in Deutschland. "Ich werde täglich aus den Reihen von Pegida und AfD angefeindet, bis zu Morddrohungen", sagte Roth der "Rheinischen Post". Sie wehre sich dagegen, notfalls juristisch. Es gelte: "Gesicht zeigen. Hingehen. Haltung beweisen. Sich nicht unterkriegen lassen."

Bei der Gedenkfeier zum Brandanschlag in Solingen am vergangenen Dienstag sei sie von Anhängern der Migrantenpartei BIG "heftig angepöbelt" worden, berichtete Roth. Dass sie verschwinden solle, sei noch der harmloseste Ausruf gewesen. Roth sagte, dass sich ein Teil der türkischstämmigen Deutschen abgeschottet habe.

"Das schwierige Verhältnis zwischen den jungen Türken, die Erdogan hinterherlaufen, aber in Deutschland alle Freiheiten genießen, und dem liberalen Teil der türkischstämmigen Community müssen wir ernst nehmen." Es gebe einen Rückzug einiger "in die vermeintliche heile Welt des konservativen Islam oder der türkischen Nation".

"Misogynie ist wieder erlaubt"

Zuletzt hatte Roth in der Wochenzeitung "Die Zeit" vor einer Rückkehr der Frauenfeindlichkeit gewarnt. "Ich sage immer wieder anderen Frauen: Fühlt euch nicht sicher - was wir für uns erkämpft haben, steht wieder auf dem Spiel." Die Repräsentanz von Frauen im Parlament sei rückläufig, im Bundestag seien frauenfeindliche Bemerkungen zu hören, selbst Minister setzten Frauen verbal herab.

"Da ist ein neuer Ton in der Debatte, Misogynie ist wieder erlaubt", sagte Roth. Sie selbst erlebe, dass ihr wieder Fragen gestellt würden, die jahrelang niemand gestellt habe. "Dass ich als Frau reduziert werde, dass ich wieder zunehmend gefragt werde: Warum hast du kein Kind?" Deshalb sei es so wichtig, dass die Gesellschaft den Frauen wirkliche Wahlfreiheit gebe und sie nicht moralisch unter Druck setze, sagte die 63-Jährige. "Das wäre mein Ziel für die Zukunft - dass sich Frauen so etwas nicht mehr anhören müssen, weil es unendlich verletzt."

Quelle: n-tv.de