Politik

Optimistisch trotz Trump Comey glaubt, dass der Riese erwacht

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James Comey war von 2013 bis 2017 Chef des FBI.

(Foto: dpa)

"Auch dies wird vergehen und wir werden okay sein", sagt der ehemalige FBI-Chef James Comey bei einem Auftritt in Berlin über die Präsidentschaft von Donald Trump. Dahinter steckt ein unerschütterlicher, sehr amerikanischer Optimismus.

Trotz seiner Erfahrungen mit Donald Trump glaubt der ehemalige FBI-Direktor James Comey nicht, dass dieser US-Präsident es schaffen wird, die amerikanischen Institutionen zu zerstören. Bei der Vorstellung der deutschen Ausgabe seines Buches "Größer als das Amt" schildert er im Gespräch mit dem "Zeit"-Journalisten Holger Stark die Geschichte der USA als permanenten Weg zum Besseren, unterbrochen nur von Rückschlägen, die den generellen Trend nicht umkehren könnten.

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"Die Werte des Volkes sind tief und beständig", sagt Comey am Dienstagabend in einem Berliner Kino über die US-Amerikaner. Jedes Mal, wenn eine Bewegung versuche, die USA in die falsche Richtung zu drehen, "wacht Amerikas schlafender Riese auf und tut das Richtige". Das sei in den 1920er Jahren so gewesen, als der Wiederaufstieg des Ku-Klux-Klans gestoppt worden sei, und es sei in den 1960er Jahren passiert, als die schwarze Bürgerrechtsbewegung sich gegen gewaltsame Rassisten durchsetzte.

Ein Freund vom ihm habe über Trumps Präsidentschaft gesagt: "Kumpel, es ist ein Erdbeben, wir werden alle sterben." Diesen Pessimismus teilt Comey nicht. Seine Hoffnung bezieht er aus den Schüler-Protesten gegen die Waffengesetze in den USA, daraus, dass "so viele Frauen wie nie" für politische Ämter kandidierten, und aus "Tausenden Familien, in denen Eltern mit ihren Kindern über die Wahrheit und über Vorurteile sprechen".

Comey vergleicht Trump mit einem Waldbrand

Trump hatte Comey im Mai 2017 als FBI-Chef gefeuert. Die Entlassung ist mittlerweile Teil der Russland-Ermittlungen, die nach Comeys Rauswurf dem ehemaligen FBI-Chef Robert Mueller übertragen wurden. Als Sonderermittler geht Mueller auch der Frage nach, ob Trump mit der Entlassung Einfluss auf die Justiz nehmen wollte.

Als Comeys Buch im April in den USA erschien, reagierte Trump wütend. In mehreren Tweets nannte er Comey einen "Schleimball", einen "Lügner" und "schwach". In Berlin sagt Comey, er hoffe nicht, dass Trump in einem Impeachment-Verfahren abgesetzt, sondern dass er abgewählt werde. "Die Amerikaner müssen vom Sofa aufstehen, der Riese muss erwachen."

In seinem Buch vergleicht Comey Trump mit einem Waldbrand. "Ja, unser gegenwärtiger Präsident wird auf kurze Sicht erheblichen Schaden anrichten", schreibt er. "Normen und Traditionen, die für unsere Demokratie wichtig sind, werden ganz oder teilweise den Flammen zum Opfer fallen. Andererseits: Bei all dem Schlimmen, das ein Flächenbrand anrichten kann, bringt er doch auch neues Wachstum hervor."

"Ich bete und hoffe, dass es nicht so war"

Auf die Frage, ob Trump bei der Präsidentschaftswahl 2020 im Amt bestätigt werde, sagt Comey, das sei möglich, wenn ein unabhängiger Kandidat die Stimmen der Trump-Gegner teile oder wenn die Demokraten einen sehr linken Kandidaten aufstellten. "Wenn sie es schaffen, jemanden zu nominieren, der die amerikanischen Werte widerspiegelt, dann wird es ein Erdrutschsieg" für die Demokraten.

Comeys Buch umfasst seine berufliche Karriere von seiner Zeit als Staatsanwalt in New York bis zu seiner Entlassung. Nur in der zweiten Hälfte geht es um die Ereignisse seit den Vorwahlen 2015, als der FBI-Chef die Untersuchungen über die E-Mail-Affäre der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton leitete. Er war es auch, der die eingestellten Ermittlungen wenige Tage vor der Wahl im Herbst 2016 neu eröffnete, nachdem verschwundene Mails von Clinton aufgetaucht waren. Er habe damals zwischen einer schlechten und einer katastrophalen Entscheidung wählen müssen, sagt Comey in Berlin. Einen Bericht des US-Justizministeriums, der ihm im Umgang mit den Clinton-Ermittlungen unlängst Fehler bescheinigte, kommentiert Comey mit den Worten, er respektiere diesen Befund, weil er die Institutionen des Rechtsstaates respektiere. Gleichzeitig glaube er, die Entscheidung zumindest auf die richtige Art gefällt zu haben. Gefragt, ob er durch sein Verhalten die Präsidentschaftswahl beeinflusst habe, sagt Comey: "Ich bete und hoffe, dass es nicht so war."

Trump stellt er als Präsidenten dar, der "moralisch nicht in der Lage" sei, die USA zu führen. Schon bei seinem ersten Treffen mit Trump im Januar 2016 habe er sich an eine "Kultur der Cosa Nostra" erinnert gefühlt. Bei einem weiteren Treffen nach Trumps Vereidigung habe dieser über ein Interview gesprochen, das er gerade Fox News gegeben hatte. Darin hatte der Interviewer den russischen Präsidenten Wladimir Putin als "Mörder" bezeichnet. Trump entgegnete, auch die USA seien nicht unschuldig: "Wir haben auch einen Haufen Mörder." Für diese Antwort lobte Trump sich beim Treffen mit Comey ausführlich selbst.

Die Taktik des Präsidenten sei es, sein Publikum "in einen Schweigekreis des Einverständnisses" zu reißen, "einen Kokon aus alternativen Fakten" zu spinnen und seine Zuhörer darin einzuwickeln. Comey habe ihn daher unterbrochen: "Wir sind keine Mörder von derselben Sorte wie Putin." Damit war das Gespräch beendet.

Am Ende der Buchvorstellung wiederholt Comey seine optimistische Botschaft. Über Trumps Präsidentschaft sagt er: "Auch dies wird vergehen, und wir werden okay sein."

Quelle: n-tv.de

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