Politik

"Überlasst ihn mir"Count Binface fordert Nigel Farage zur Wahl heraus

08.07.2026, 15:45 Uhr
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Count Binface trat bereits bei der Nachwahl in Makerfield gegen Andy Burnham an - und erhielt 95 Stimmen, das sind 0,2 Prozent. (Foto: REUTERS)

In Großbritannien hat es Tradition, dass zu Wahlen auch Menschen in bizarren Kostümen antreten. Das dürfte nun auch Reform-UK-Chef Nigel Farage erleben, der von "Graf Mülltonnengesicht" herausgefordert wird.

Der Chef der britischen Rechtspopulisten, Nigel Farage, könnte sich mit seinem Rücktritt aus dem Parlament und der Nachwahl im Bezirk Clacton ein Eigentor geschossen haben. Was als Befreiungsschlag des Vorsitzenden der Partei Reform UK gedacht war, droht zur Blamage zu werden. Weil alle größeren Parteien sich weigern, Kandidaten aufzustellen, könnte sein größter Konkurrent ein Komiker werden.

Count Binface, auf Deutsch etwa "Graf Mülltonnengesicht" alias Jon Harvey, ist ein regulärer Teilnehmer bei britischen Wahlen. Es handelt sich um einen selbst ernannten intergalaktischen Weltraumkrieger in einem vage an Star-Wars-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und einer Mülltonne als Helm. Offiziell aufgestellt wurde der Komiker noch nicht, die Bewerbungsfrist für die Nachwahl ist aber auch noch nicht angelaufen.

"Los geht's, Nige", schrieb Harvey kurz nach der Rücktrittsankündigung von Farage am Dienstag auf X. "Labour, Tories, Liberaldemokraten und Grüne", schreibt Count Binface in einem weiteren Beitrag an die anderen Parteien gerichtet. "Ich fordere euch auf, in Clacton zurückzutreten. Ich werde als Einheitskandidat antreten und verspreche, mindestens ein bezahlbares Haus zu bauen." Weiter heißt es: "Nigel Farage sagt, er wolle 'das Volk gegen das Establishment'. So sei es. Überlasst ihn mir."

Allerdings hat mittlerweile der Schauspieler Laurence Fox seine Kandidatur gegen Farage angekündigt. Er ist Vorsitzender der rechtspopulistischen Reclaim Party, die früher Brexit Express hieß.

Quatschkandidaten haben Tradition

Dass er die Wahl tatsächlich gewinnen kann, glaubt der Spaßkandidat allerdings nicht, wie er der BBC nun verriet. Seine Aufgabe sei es, "die Wunder der britischen Demokratie zu feiern und zu verteidigen", sagte er. Dass er derjenige sei, der interviewt werde, weil die großen Parteien keinen Kandidaten bei der Nachwahl aufstellen, "sagt mehr über sie aus als über mich".

Quatschkandidaten wie Count Binface haben in Großbritannien Tradition. Als Boris Johnson 2019 seinen Sieg bei der Parlamentswahl feierte, tummelten sich neben dem Weltraumkrieger noch ein Kandidat im Kostüm der Sesamstraßenfigur Elmo, ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) und ein Yace Yogenstein, auch bekannt als Interplanetary Time Lord, auf der Bühne mit dem siegreichen Kandidaten. Die 1982 gegründete Official Monster Raving Loony Party tritt regelmäßig mit Quatschkandidaten bei Wahlen an.

Unterstützung erhielt Count Binface bereits von ungewöhnlicher Stelle. "The Bin Must Win! (Der Mülleimer muss gewinnen!)", heißt es auf dem Spaßaccount von Kater Larry. Es handelt sich um die Katze, die im Sitz des Premierministers in Downing Street 10 in London wohnt. Unklar ist, wer das inoffizielle Larry-Konto betreibt.

Selbst wenn es Farage wie erwartet gelingen sollte, das Mandat wiederzuerringen, dürfte es fraglich sein, ob ihm die Wahl die von ihm selbst erhoffte Legitimation bringen wird. Auch sein eigentliches Problem, eine Untersuchung zu einem Geldgeschenk von 5 Millionen Pfund (5,85 Millionen Euro), wird dadurch nicht gelöst. Britischen Medienberichten zufolge wird die Untersuchung nur ausgesetzt, solange er dem Parlament nicht angehört.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

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