Politik

Auch über 2023 hinaus DRK soll länger Weltkriegs-Vermisste suchen

imago0072240293h.jpg

Auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kann der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes noch Schicksale aufklären.

(Foto: imago/imagebroker)

Auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs klärt der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes Jahr für Jahr die Schicksale Tausender Vermisster auf. Doch bald wird der Dienst eingestellt. Dagegen regt sich Widerstand. Auch, weil der Bedarf nach Hilfe ungebrochen groß ist.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols hat sich dafür ausgesprochen, den Suchdienst für Vermisste des Zweiten Weltkriegs nicht einzustellen. Das Bedürfnis, etwas über das Schicksal von verlorenen Angehörigen zu erfahren, sei nicht verschwunden, sagte Pols, der auch Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der Unionsfraktion ist, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Laut dem Bericht steht das Bundesinnenministerium, das die Kosten des Suchdienstes trägt, einer Verlängerung offenbar nicht abgeneigt gegenüber. Er könne bis 2025 weiter arbeiten.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) steht nach eigenen Aussagen für Gespräche über eine Verlängerung ihres Suchdienstes bereit. "Wir freuen uns über Signale aus dem Bundestag und aus dem Ministerium, diese wichtige Arbeit des Suchdienstes auch nach 2023 fortzusetzen", sagte DRK-Präsidentin, Gerda Hasselfeldt. Damit der Suchdienst weitergehen könne, brauche es aber die Unterstützung von Bundesregierung und Bundestag in den entsprechenden Haushaltsberatungen.

Hasselfeldt hatte vor wenigen Tagen angekündigt, dass der Suchdienst Ende 2023 eingestellt werden soll. Die Annahme von Suchanträgen sei noch bis Ende 2021 möglich.

Große Erfolge auch nach vielen Jahren

Die Chance, dass auch nach so vielen Jahrzehnten Lebenswege nachvollzogen werden können, ist durchaus gegeben: Im vergangenen Jahr haben knapp 10.100 Menschen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg eine Anfrage gestellt, nach rund 9000 im Jahr davor. "In 23 Prozent aller Fälle kann der DRK-Suchdienst Auskunft über den Verbleib eines vermissten Angehörigen geben; bei deutschen Kriegsgefangenen in der früheren Sowjetunion sind dies oft auch Angaben zu Sterbedatum und letztem Aufenthaltsort", erläuterte Hasselfeldt.

Neu zugängliche Informationen aus russischen Archiven klären dabei im zweiten Versuch auch manche bislang erfolglose Anfrage: Im Rahmen eines Datentransfers hat der Suchdienst seit 1992 rund sieben Millionen Akten und Karteikarten zu Kriegsgefangenen und Internierten erhalten.

Der Suchdienst fahndet aber nicht nur nach dem Verbleib von Wehrmachtsangehörigen, Kriegsgefangenen oder im Chaos verloren gegangenen Kindern, sondern hilft auch im Hier und Jetzt: So gingen 2019 fast 2100 Anfragen von Flüchtlingen ein, die den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren haben. Diese internationale Suche wird auch nach 2023 fortgesetzt. Außerdem führte der DRK-Suchdienst bundesweit insgesamt 21.000 Beratungen zur Familienzusammenführung durch.

Quelle: ntv.de, ter/dpa