Politik

Forderung der Jungen Unternehmer "Das Rentenniveau muss sinken"

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Aus jungen Leuten werden erst Beitragszahler, dann Rentenempfänger: Publikum auf dem Lollapalooza-Festival in Berlin.

(Foto: dpa)

Die Jungen Unternehmer halten das Einfrieren des Rentenniveaus, wie die Bundesregierung es bis 2025 beschlossen hat, für unverantwortlich. "Das ist eine tickende Zeitbombe", sagt Verbandschefin Sarna Röser.

n-tv.de: Ihr Verband hat eine "junge Rentenkommission" ins Leben gerufen. Warum?

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Sarna Röser ist die Vorsitzende des Verbands Die Jungen Unternehmer.

(Foto: Die jungen Unternehmer / Anne Grossmann Fotografie)

Sarna Röser: Aus unserer Sicht ist die Rentenpolitik der Bundesregierung schlicht unverantwortlich. Das gerade beschlossene Einfrieren des Rentenniveaus bis 2025, die Ausweitung der Mütterrente sowie die 2014 in Kraft getretene Rente mit 63 gehen allesamt zu Lasten der jungen Generation. Das sind immense Kosten auf unseren Schultern.

Dann halten Sie vermutlich nicht viel vom Vorschlag des Bundesfinanzministers, das jetzige Rentenniveau von 48 Prozent bis 2040 festzuschreiben?

Dieser Vorschlag von Olaf Scholz ist das beste Beispiel, mit welcher Sorglosigkeit Teile der Politik den kommenden Generationen Hypotheken aufbürden. Wir wissen aus verschiedenen Studien, dass ein Einfrieren des Rentenniveaus bis 2040 mehr als 118 Milliarden Euro zusätzlich kosten wird - pro Jahr. Das ist mehr, als im aktuellen Bundeshaushalt für Verteidigung, Infrastruktur, Bildung, Gesundheit und Familie zusammen veranschlagt wird.

Sie würden eher für ein sinkendes Rentenniveau plädieren als für einen steigenden Steuerzuschuss?

Richtig. Das Rentenniveau kann nicht auf dieser Höhe gehalten werden. Dafür sorgt allein die demografische Entwicklung: Immer weniger Einzahler stehen immer mehr Empfängern gegenüber. Das Einfrieren des Rentenniveaus ist eine tickende Zeitbombe. Spätestens, wenn die letzten Jahrgänge der Babyboomer in Rente gehen, also etwa um 2030, wird uns das um die Ohren fliegen. Deshalb muss das Rentenniveau sinken.

Das ist keine sehr populäre Forderung.

Der Ausdruck "sinkendes Rentenniveau" weckt häufig falsche Assoziationen. Das klingt, als würden zwangsläufig die Renten auch in ihrer absoluten Höhe sinken. Aber wir wissen doch, dass die Durchschnittslöhne immer weiter steigen. Von ihnen hängt das Rentenniveau ab.

Scholz argumentiert, stabile Renten "verhindern einen deutschen Trump". Ist der Aspekt des sozialen Friedens nicht wichtig?

Der soziale Frieden ist auf jeden Fall wichtig. Ich bin auch dafür, dass jeder eine solide Rente bekommt. Aber Generationengerechtigkeit ist mir in dieser Diskussion ebenfalls wichtig. Die Politik sorgt sich vor allem um die Rentner und die rentennahen Älteren, denn das zusammen ist die größte Wählergruppe. Wir als Junge Unternehmer plädieren dafür, offen über alle Generationen hinweg zu diskutieren, wie das zukünftige Rentensystem aussehen muss.

Als Unternehmerin setzen Sie vermutlich auf private Vorsorge und nicht auf die staatliche Rente. Aber kleine Selbstständige können das oft nicht. Was halten Sie davon, diese in die Rentenversicherung einzubeziehen?

Wenn man Selbstständige und Beamte in die Rentenversicherung einbezieht, verschafft man der Rentenversicherung natürlich mehr Einzahler und mehr Beiträge. Aber der Personenkreis, der neu aufgenommen würde, hätte natürlich auch Rentenansprüche. Auf lange Sicht wären das ebenfalls Rentenempfänger. Das demografische Problem der Rentenkassen würde so nicht gelöst.

Warum haben Sie sich nicht an der Kommission der Bundesregierung beteiligt?

Das hätten wir gerne, aber man hat uns nicht eingeladen. In der Rentenkommission der Bundesregierung ist kein Mitglied unter 40 Jahren. Das Durchschnittsalter liegt bei 56,7 Jahren, die beiden Vorsitzenden befinden sich bereits im Rentenalter. Dabei geht es um unsere Zukunft, die der Jungen. Unsere Junge Rentenkommission ist insofern vor allem aus Verärgerung entstanden.

Sie treffen sich in dieser Woche zum zweiten Mal. Gibt es schon erste Ergebnisse?

Wir wollen bei der Sitzung am Mittwoch zunächst einmal fordern, dass die Bundesregierung ihre Rentenpläne auf Eis legt, bis ihre eigene Rentenkommission ein Konzept erarbeitet hat. Dass sie so lange wartet, ist wohl das Mindeste. Dann wollen wir diskutieren, welche Auswirkungen die Einführung der Rente mit 63 hat. Aus unserer Sicht - aus Sicht der Jungen Unternehmer - war diese Entscheidung ein fataler Fehler und kann immerhin noch teilweise rückgängig gemacht werden.

Warum war das ein Fehler?

Die Rente mit 63 hat dem Arbeitsmarkt hunderttausende Fachkräfte entzogen. Darunter leiden wir als Unternehmer sehr. Außerdem fehlen der Rentenversicherung dadurch Beitragszahler. Wir werden auch darüber reden müssen, wie wir mit der steigenden Lebenserwartung umgehen. 1960 bezog ein Rentner im Schnitt noch zehn Jahre seine Rente. Heute sind es zwanzig Jahre. Die steigende Lebenserwartung ist natürlich wunderbar. Aber sie hat Auswirkungen auf das Rentensystem. Franz Müntefering hat schon vor über zehn Jahren gesagt, dass länger leben und kürzer arbeiten nicht zusammenpasst, will man das Rentensystem nicht überfordern. Das betrifft natürlich nicht Dachdecker und andere körperlich schwer arbeitende Berufsgruppen. Für die muss es weiterhin Angebote geben, früher in den Ruhestand zu gehen. Daher müssen wir auch unbedingt die Erwerbsminderungsrente stärken und auch das Eintrittsalter flexibilisieren.

Könnten Arbeitgeber älteren Mitarbeitern nicht ein gutes Angebot machen, um sie zum Bleiben zu bewegen?

Wir versuchen natürlich, wichtige Mitarbeiter zu halten. Aber der Anreiz der Rente mit 63 ist einfach das falsche Signal. Viele Rentner merken erst nach zwei, drei Jahren, dass sie eigentlich lieber weitergearbeitet hätten.

Aus den Jugendorganisationen der Parteien ist nur Juli-Chefin Ria Schröder dabei. Wollten die anderen nicht?

Wir haben auch die Grüne Jugend angesprochen, aber leider haben die sich nicht gemeldet. Die Junge Union und die Jusos haben wir bewusst nicht gefragt, weil deren Parteien momentan an der Regierung beteiligt sind.

Mit Sarna Röser sprach Hubertus Volmer

Quelle: n-tv.de

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