Politik

Attentäter noch immer auf der FluchtDas Terrornetz von Paris

01.12.2015, 16:11 Uhr

Die Fahndung läuft unter Hochdruck: Stück für Stück setzen Ermittler nach den Anschlägen von Paris Informationsbruchstücke zu einem Gesamtbild zusammen: Wer waren die Täter? Wo sitzen die Helfer? Ein Überblick.

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zur Terrorzelle von Paris finden Sie hier.)

Insgesamt konzentrieren sich die Ermittlungen nach den Anschlägen von Paris auf drei Personengruppen: Die Attentäter, die Verdächtigen aus der gestürmten Wohnung in St. Denis sowie die mutmaßlichen Helfer und Unterstützer der Terroristen.

Die Attentäter

Dem bisherigen Ermittlungsstand zufolge waren folgende Personen an den Attacken vom 13. November unmittelbar beteiligt:

Gruppe 1, Konzerthalle Bataclan

Samy Amimour, 28 Jahre, tot

Gegen den im Pariser Vorort Drancy aufgewachsenen Ex-Busfahrer wurde 2012 ein Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet. Er entzog sich im Herbst 2013 einer richterlichen Überwachung und reiste nach Syrien.

Omar Ismail Mostefai, 29 Jahre, tot

Der im Pariser Vorort Courcouronnes geborene Kleinkriminelle mit langem Vorstrafenregister fiel den Sicherheitsbehörden 2010 wegen seiner islamistischen Radikalisierung auf. Auch Mostefai hielt sich vermutlich länger in Syrien auf.

Fouad Mohamed Aggad, 23 Jahre, tot

Der französische Islamist gehörte zum Kommando, das am 13. November den Konzertsaal Bataclan angriff. Nach der Stürmung des Bataclan durch die Polizei detonierte er einen Sprengstoffgürtel. Durch den schlechten Zustand der Leiche konnte er erst am 9. Dezember identifiziert werden. Laut Polizei war Aggad Ende 2013 mit sieben weiteren Dschihadisten nach Syrien gereist und erst 2015 zurückgekehrt.

Gruppe 2, Cafés und Restaurants

Abdelhamid Abaaoud, 28 Jahre, tot

Der berüchtigte belgisch-marokkanische Islamist gilt als Drahtzieher der Anschläge. DNA-Spuren auf einer Kalaschnikow legen zudem nahe, dass er sich an den Anschlägen am 13. November beteiligte. Nach den Angriffen auf Bars und Restaurants soll er sich zur Konzerthalle Bataclan begeben haben - noch während dort ein Polizeieinsatz gegen die Geiselnehmer lief. Am Überfall auf das Bataclan war er allerdings offenbar nicht aktiv beteiligt. Abaaoud wurde fünf Tage nach den Anschlägen bei der Erstürmung einer Wohnung in der Pariser Vorstadt Saint-Denis getötet.

Brahim Abdeslam, 31 Jahre, tot

Der Franzose, der zuletzt im Brüsseler Brennpunktviertel Molenbeek lebte, soll dem gleichen Kommando angehört haben, das in einem schwarzen Seat unterwegs war. Er sprengte sich anschließend in einem Café am Boulevard Voltaire in die Luft.

Noch nicht identifizierter Attentäter 2, tot

DNA-Spuren legen nahe, dass der dritte Angreifer dieses Kommandos jener Mann war, der zusammen mit Abaaoud in Saint-Denis starb. Er ließ bei dem Polizeizugriff einen Sprengstoffgürtel detonieren. Er soll zudem mit Abaaoud einen Selbstmordanschlag auf das Pariser Geschäftsviertel La Défense geplant haben.

Gruppe 3, Stade de France

Bilal Hadfi, 20 Jahre, tot

Der Franzose lebte zuletzt in Belgien und soll in der Vergangenheit in Syrien gewesen sein. Am Anschlagsabend telefonierte er mit Abaaoud.

Pass 1, Unbekannt, tot

Der Selbstmordattentäter wurde Anfang Oktober auf der griechischen Insel Leros als Flüchtling registriert. Bei seiner Leiche wurde ein syrischer Pass auf den Namen Ahmad al-Mohammad gefunden. Die Identität passt allerdings zu einem syrischen Soldaten, der bereits vor mehreren Monaten getötet wurde.

Pass 2, Unbekannt, tot

Auch der dritte Selbstmordattentäter des Stade de France wurde Anfang Oktober auf Leros registriert. Er zeigte dabei einen auf den Namen Mohammad al-Mahmod ausgestellten syrischen Pass.

Salah Abdeslam, 26 Jahre, gesucht

Der Bruder eines der Selbstmordattentäter wird unter Hochdruck gesucht, seine genaue Rolle bei den Anschlägen ist aber noch unklar. Die Ermittler gehen davon aus, dass er die Stade-de-France-Angreifer mit einem Renault Clio zum Stadion fuhr. Ein im Pariser Vorort Montrouge gefundener Sprengstoffgürtel gehörte vermutlich ihm. Er floh am Tag nach den Anschlägen offenbar mit Hilfe von Komplizen nach Belgien.

Die Razzia in St. Denis

Hasna Aitboulahcen, 26, tot

Die Cousine Abaaouds half offenbar, den Attentäter in der Wohnung in Saint-Denis zu verstecken. Auch sie starb bei der Erstürmung.

Jawad Bendaoud, Ende 20, gefasst

Er soll die Wohnung in Saint-Denis als Unterschlupf organisiert haben. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete am Dienstagabend ein Terrorverfahren gegen ihn ein.

Noch nicht identifizierter Attentäter 2, tot

DNA-Spuren legen nahe, dass der dritte Angreifer auf Cafés und Restaurants jener Mann war, der zusammen mit Abaaoud bei der Erstürmung der Wohnung in St. Denis starb.

Die mutmaßlichen Helfer

Mohammed Amri, 27, und Hamza Attou, 20, gefasst

Sie sollen Salah Abdeslam nach Belgien gefahren haben. Gegen die Männer wurden in Belgien Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Lazez A., 39, gefasst

Auch der Marokkaner soll Salah Abdeslam bei der Flucht geholfen haben. In seinem Auto wurden Blutspuren und Handfeuerwaffen gefunden. Er ließ die Vorwürfe durch seinen Anwalt zurückweisen.

Ali O., 31, gefasst

Franzose, wohnhaft in Belgien. Soll Salah Abdeslam bei der Flucht aus Paris geholfen haben.

Mohamed Abrini, 30 Jahre, gesucht

Der Belgo-Marokkaner wurde zwei Tage vor den Anschlägen von der Überwachungskamera einer Tankstelle nördlich von Paris gefilmt. Er war zusammen mit Salah Abdeslam in dem bei den Anschlägen verwendeten Renault Clio unterwegs, seit Dienstag wird mit einem Fahndungsbild nach ihm gesucht.

Weitere Helfer

Insgesamt laufen in Belgien Ermittlungsverfahren gegen fünf Verdächtige. Ein sechster Verdächtiger wurde am 27. November in Belgien festgenommen. Zur Identität des Terrorverdächtigen halten sich die Ermittler noch bedeckt.

Ahmad Dhamani, in Haft

Der Belgier mit marrokkanischer Abstammung wurde in der Türkei festgenommen. Er wird verdächtigt, an der Auswahl der Terrorziele in Paris beteiligt gewesen zu sein.

Fabien Clay, in Syrien

Französischer Dschihadist, der sich in Syrien aufhalten soll. Er hat im Namen des "Islamischen Staats" die Verantwortung für die Terrorserie in Paris übernommen.

Quelle: ntv.de, mit Material von AFP

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