Politik

Meuthen, Chrupalla und Co. Das ist die neue Spitze der AfD

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Die Führungsriege um Meuthen, Weidel, Chrupalla, Brandner (v.l.) rahmt den neuen Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland (M.) ein.

(Foto: dpa)

Auf dem Parteitag der AfD in Braunschweig wählt die Partei nicht nur ihre Vorsitzenden - Bundessprecher genannt - neu. Auch der Vorstand aus drei Stellvertretern und mehreren Beisitzern wird bestimmt. Ein Überblick.

Der AfD-Vorstand um das Führungsduo aus Jörg Meuthen und Tino Chrupalla hat sich auf dem Parteitag in Braunschweig neu formiert. Deutlich geschwächt wurde das bürgerliche Lager in der AfD-Spitze: Dessen prominente Vertreter Georg Pazderski, Kay Gottschalk und Albrecht Glaser scheiterten.

Stellvertretende Vorsitzende

Alice Weidel: An der Seite von Alexander Gauland steht die 40-Jährige seit 2017 an der Spitze der AfD-Bundestagsfraktion. Als Parteivize dürfte ihr Einfluss weiter wachsen. Als homosexuelle Politikerin, die mit ihrer Lebenspartnerin zwei Söhne großzieht, ist Weidel in ihrer Partei eine Ausnahmeerscheinung. Die promovierte Volkswirtin formuliert gerne scharf und provokant, gut vernetzt ist sie mit dem rechtsnationalen "Flügel". Nicht ausgestanden ist die Affäre um dubiose Spenden aus der Schweiz an Weidels Kreisverband. Hier droht der AfD eine weitere empfindliche Strafzahlung.

Stephan Brandner: Gerade wurde der 53-Jährige als Vorsitzender des Bundestags-Rechtsausschusses abberufen - eine Premiere für das Parlament. Daher habe er "zeitliche Ressourcen" und könne "wieder wie von der Kette gelassen" seine Meinung sagen, sagte Brandner. In Nordrhein-Westfalen geboren arbeitet er seit 1997 als Rechtsanwalt im thüringischen Gera. 2014 zog der als Scharfmacher bekannte Politiker in den Thüringer Landtag ein, seit 2017 sitzt er im Bundestag. Als Ausschussvorsitzender abgewählt wurde er nach mehreren kritischen Äußerungen, unter anderem nach dem Anschlag von Halle.

Beatrix von Storch: Die streitbare 48-Jährige provoziert immer wieder mit scharfen Äußerungen gegen den Islam, den sie als "größte Gefahr für die Demokratie" sieht. Die Ehe für alle ist der Rechtsanwältin ein Gräuel. Von 2014 bis 2017 war sie im Europaparlament. Seit 2017 ist die Antisemitismusbeauftragte der Partei eine von fünf AfD-Fraktionsvizes im Bundestag, seit Samstag ist die erzkonservative Politikerin aus dem Landesverband Berlin auch stellvertretende Bundesvorsitzende.

Beisitzer

Andreas Kalbitz: Mit ihm bleibt ein prominenter "Flügel"-Vertreter in der Parteispitze. Der 47-jährige Landes- und Parteichef aus Brandenburg gilt als eigentlicher Stratege der völkisch-nationalen Gruppierung. Der Aufstieg des gebürtigen Münchners, der Jahre nach der Wende in den Osten übersiedelte, vollzog sich lange im Schatten von "Flügel"-Frontmann Björn Höcke. Bei der Landtagswahl in Brandenburg brachte er die AfD mit 23,5 Prozent auf Platz zwei - trotz seiner zahlreichen Verknüpfungen ins rechtsextreme Lager. Im Bundesvorstand setzte er sich dafür ein, dass die Nachwuchsorganisation Junge Alternative, die im Visier des Verfassungsschutzes ist, nicht von der AfD abgegliedert wird.

Sylvia Limmer: Die 53-jährige promovierte Biologin sitzt seit 2019 im Europaparlament. In der AfD trat sie bislang nicht groß in Erscheinung. Die aus Bayern stammende Mutter von zwei Kindern gilt als Vertreterin des bürgerlichen Lagers. In ihrer Bewerbungsrede mahnte Limmer "konstruktive, sachliche" Diskussionen an, für "persönliche Angriffe und Beleidigungen" dürfe kein Platz sein. Zudem wetterte die Tierärztin gegen die neue EU-Kommission, die den "grassierenden Ökowahn noch schneller vorantreiben" wolle. Limmer stellt den von Menschen gemachten Klimawandel in Frage.

Stephan Protschka: Der 42-jährige Bundestagsabgeordnete aus Bayern steht dem "Flügel" nahe. Erst kürzlich sorgte der gelernte Elektroinstallateur für Empörung, weil er Geld für ein Denkmal für Wehrmachtsoldaten und "Freikorpskämpfer" im polnischen Bytom gespendet hatte. Mehrere Historiker forderten daraufhin seinen Rücktritt. Im Bundestag ist er Obmann seiner Partei im Landwirtschafts-Ausschuss. Protschka war 17 Jahre Mitglied der Jungen Union, aus der er nach eigenen Angaben 2010 wegen der Politik der Bundesregierung zur Eurorettung austrat.

Jochen Haug: Der 46-jährige Rechtsanwalt sitzt seit 2017 im Bundestag, er ist dort stellvertretender Vorsitzender des Innenausschusses. Aufgewachsen in Baden-Württemberg, arbeitete er nach dem Studium als selbstständiger Anwalt in Köln und beriet unter anderem im Bereich Arbeitsrecht. Politisch engagierte er sich im Landesverband NRW und in der Stadt Köln. Eines der Themen des Politikers sind Volksentscheide und mehr direkte Demokratie.

Alexander Wolf: In Sachsen geboren, siedelte er als Kind mit seiner Familie 1979 in den Westen über. Der studierte Jurist gründete 2007 eine Kanzlei für Wirtschaftsrecht in Hamburg. Der 52-Jährige ist AfD-Fraktionsvorsitzender in der Hamburger Bürgerschaft, außerdem stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands Hamburg. Für den Vater von zwei Kindern ist die Familienpolitik ein Schwerpunkt.

Joachim Paul: Der neu im Vorstand vertretene Paul soll unter Pseudonym Artikel für eine NPD-nahe Zeitschrift verfasst haben. Der Medienausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags wählte ihn deshalb Mitte November als Vorsitzenden ab. Der 49-Jährige ist AfD-Landesvize in Rheinland-Pfalz und stellvertretender Fraktionschef im Mainzer Landtag. Auf dem Parteitag forderte der Gymnasiallehrer eine "Gegenöffentlichkeit, um die Einwanderungsrealität zu zeigen". Klimaschützer beschimpfte er als "Endzeitfanatiker".

Quelle: ntv.de, mli/AFP