Politik

Lanz zu Hochwasser-Jahrestag "Das ist nicht Fernsehen, das ist zu Hause"

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Eine zerstörte Eisenbahnbrücke in Ahrtal. Der Wiederaufbau der Region wird noch Jahre dauern.

(Foto: IMAGO/Marc John)

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Vor einem Jahr verwüstet ein extremes Hochwasser Teile von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, über 180 Menschen sterben. Solche Starkregenereignisse werden sich wiederholen. Dass sie katastrophale Folgen haben, lässt sich aber verhindern, sagen die Gäste bei Markus Lanz.

Die Bilder der Wassermassen, die vor einem Jahr vor allem das Ahrtal verwüsteten, wird niemand so schnell vergessen. Am 14. Und 15 Juli 2021 hatten nach schwerem Starkregen unglaubliche Wassermengen Teile von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen überschwemmt. Mehr als 180 Menschen kamen in den Fluten ums Leben. Am Donnerstag hat unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Opfer der Katastrophe gedacht. Zunächst besuchte er das schwer getroffene Ahrtal und nahm anschließend an einem Gedenkgottesdienst in Euskirchen bei Bonn teil. An beiden Orten forderte er, schnell grundsätzliche Konsequenzen aus der Katastrophe zu ziehen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst bezeichnete das Hochwasser als ein Ergebnis des menschengemachten Klimawandels.

Am Donnerstagabend sind die Ereignisse und deren Konsequenzen auch Thema bei Markus Lanz und seinen Gästen im ZDF.

"Informationen müssen schnell und verständlich kommen"

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul hat von der Katastrophe in seinem Urlaub erfahren. Er habe sich sofort ins Auto gesetzt und sei in die Krisenregion geeilt, sagt der CDU-Politiker. "Was wirklich passiert ist, habe ich begriffen, als ich es dort gesehen habe", sagt er. Die Bilder der tiefen Krater, der Straßen, die nicht mehr vorhanden waren, sie gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf. "Das ist dann nicht mehr Fernsehen, das ist zu Hause."

Wer die Schuld daran trägt, dass die Menschen vor Ort nicht rechtzeitig gewarnt wurden, kann er immer noch nicht erklären. Jetzt will Reul dafür sorgen, dass eine ähnliche Katastrophe nicht mehr passieren kann. Inzwischen hat sein Ministerium erste Sirenen angeschafft. Ab Ende dieses Jahres soll das bundesweite Warnsystem Cell Broadcast starten. Damit werden Warnungen als Push-Nachricht an alle Handynutzer verschickt, die in einer bestimmten Funkzelle angemeldet sind. Schon jetzt gibt es Warn-Apps für Smartphones, zum Beispiel das System Nina.

Für Reul reichen diese Meldungen jedoch nicht aus. Die Nutzer müssten sie auch verstehen können, sie müssten wissen, wie sie sich zu verhalten haben.

Wohlleben fordert: Hochwasser verhindern

Für Buchautor und Förster Peter Wohlleben ist zwar wichtig, wie man Menschen vor Katastrophen ähnlichen Ausmaßes warnt. Wichtiger ist ihm aber, wie man sie verhindert. "Das Hauptproblem ist doch, was wir tun, damit das Wasser erst gar nicht wieder in das Tal kommt", sagt er.

Ein Problem sind dabei laut Wohlleben die Böden. Sie seien von Natur aus sehr aufnahmefähig, könnten Wasser wie ein Schwamm aufsaugen. Ein großer Teil der Böden sei jedoch durch historische Landwirtschaft und historische Abholzung verloren gegangen. Wohlleben: "Pro Quadratkilometer Ackerfläche gehen durch Abholzung zweihundert Tonnen Boden verloren - jedes Jahr." Schon dadurch sei der Boden immer weniger aufnahmefähig geworden. Dann hätten ihn bis zu 70 Tonnen schwere Landmaschinen zusätzlich platt gefahren. "Der Boden verliert so bis zu 95 Prozent seiner Aufnahmefähigkeit", sagt Wohlleben. Bodenschwamm, der einmal auf diese brutale Weise durch Landmaschinen zusammengequetscht werde, könne sich nie wieder regenerieren. Wasser sammle sich auf den Böden statt darinnen.

Ein weiteres Problem: In Deutschland würden zu viele Bäume gefällt. "Wo wir alte Buchenwälder haben, hat es fast keinen Wasserabfluss gegeben", sagt Wohlleben. Wald könne kein Hochwasser verhindern, aber den Wasserabfluss extrem bremsen, sagt der Buchautor. "Wald hat ein großes Interesse, Wasser zu halten und für Dürrezeiten zu speichern."

Wohlleben hat einen Wunsch: Man habe die Fehler erkannt, nun müsse man sie auch angehen, "Auch wenn es wehtut", sagt er bei Lanz.

Einen ersten Schritt hat Nordrhein-Westfalen mittlerweile gemacht, wenn auch einen sehr kleinen, sagt Herbert Reul: "Wir haben jetzt zehntausend Bäume gepflanzt."

Quelle: ntv.de

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