Politik

Merkel und Marteria gehackt Daten von Hunderten Politikern und Promis geleakt

Ein Twitteraccount verbreitet Kontaktdaten von Politikern, parteiinterne Dokumente und private Chats. Betroffen sind alle Parteien außer der AfD, aber auch Journalisten und Promis. Der zunächst unbemerkte Hack wirft Fragen auf.

Hacker haben Daten und Dokumente von Hunderten Politikern im Internet veröffentlicht. Wie zunächst der RBB berichtete, sind alle Parteien im Bundestag betroffen - mit Ausnahme der AfD. Neben Bundespolitikern wurden auch einzelne Landespolitiker und Prominente gehackt. Wer hinter der Veröffentlichung steckt, ist bislang ebenso unklar wie das Motiv für den Leak und ob die Daten authentisch sind.

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Woher die Daten stammen, ist unklar.

(Foto: dpa )

Unter anderem wurden Kontaktdaten wie Handynummern und Adressen veröffentlicht, aber auch parteiinterne Dokumente oder sogar abfotografierte Personalausweise, Kreditkarteninfos, Familienfotos und private Chats. Besonders brisante Dokumente befinden sich auf den ersten Blick nicht darunter - es scheint sich hauptsächlich um private Informationen zu handeln.

Die Daten sind wohl bereits vor Weihnachten auf Twitter geleakt worden, allerdings erst Wochen später entdeckt. Die Informationen wurden über eine Art Adventskalender eines Accounts verbreitet, der sich als Künstler, Satire, Ironie und Security Researching beschreibt. Wer hinter der Aktion steckt und woher die Daten stammen, ist noch unklar. Der RBB geht aufgrund der großen Bandbreite der gestohlenen Dokumente aber davon aus, dass diese an mehr als einer Stelle abgesaugt wurden.

Zu den Opfern des Hacker-Angriffs zählen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Grünen-Chef Robert Habeck, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und Ex-Parteichef Sigmar Gabriel. Während von Merkel lediglich offizielle Mailadressen und eine Fax-Nummer geleakt wurden, stehen von anderen Politiker auch Korrespondenzen - teilweise private mit der Familie - im Netz. Auch die Moderatoren Jan Böhmermann, Oliver Welke und Christian Ehring und Musiker wie Marteria, Casper und K.I.Z. sind betroffen. Daten von Journalisten der ARD und des ZDF - etwa des Dopingexperten Hajo Seppelt - wurden ebenso veröffentlicht.

SPD-Politiker bezweifelt Echtheit aller Daten

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post, der ebenfalls betroffen ist, geht davon aus, dass nicht alle veröffentlichten Daten echt sind. "Es ist mindestens eine gefälschte Datei dabei. Die gehört mir nicht, sie wurde mir nie geschickt, und ich hab sie nicht gespeichert", so Post. Sie werde aber in den Listen als seine Datei ausgewiesen. Andere Informationen seien dagegen echt - etwa veröffentlichte Kontoauszüge. "Man fühlt sich ausgeliefert, ich bin ziemlich geschockt", sagte Post. Er wolle sich nun von einem Anwalt über mögliche rechtliche Schritte beraten lassen.

Die Bundesregierung prüft derweil, ob die Daten tatsächlich durch einen Hackerangriff abgefischt wurden. Man hält es auch für möglich, dass jemand, der durch seine Tätigkeit Zugang zu sensiblen Daten hat, diese online gestellt haben könnte. Fest stehe bereits, dass der Datenabfluss nicht über das Regierungsnetz erfolgt sei. Ein möglicher Angriffspunkt sei das Netz des Bundestages. 

"Zur Zeit sind die zuständigen Behörden dabei, aufzuarbeiten, welche Daten betroffen sind", sagte auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt bei der traditionellen Winterklausur im Kloster Seeon. Ob die Datensicherheit betroffen sei, lasse sich erst sagen, wenn die Quelle bekannt sei - und somit geklärt, ob lediglich ohnehin leicht zugängliche Daten zusammengetragen oder die Informationen aus Bereichen abgefischt wurden, zu denen niemand Zugang habe.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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