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Bericht zum Fall Amri angekündigt De Maizière verteidigt Polizeiarbeit

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Bundesinnenminister Thomas de Maizière sieht keine Verfehlungen seitens der Polizei.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Nach dem Tod des mutmaßlichen Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri sind noch viele Fragen unbeantwortet - zugleich steht die Polizei in der Kritk, weil der Tunesier als Gefährder bekannt war. Hätte der Anschlag verhindert werden können?

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat ein allgemeines Versagen der deutschen Sicherheitsbehörden im Fall des mutmaßlichen Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters bestritten. "Es gibt bisher juristisch keine ausreichende Möglichkeit, jeden dieser Gefährder rund um die Uhr überwachen zu lassen", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". Zu diesem Zeitpunkt schon ein abschließendes Fazit zu ziehen, wäre nicht seriös, betonte de Maizière. "Selbstverständlich werden wir den Fall aber bis ins Detail aufarbeiten und einen entsprechenden Bericht vorlegen."

Nach Angaben von Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), arbeitet eine dreistellige Zahl von Beamten auch an den Feiertagen an dem Fall. Die Polizei steht in der Kritik, unmittelbar nach dem Anschlag vom vergangenen Montag mit zwölf Toten wichtige Hinweise auf den mutmaßlichen Täter übersehen zu haben. Zudem hatten die Sicherheitsbehörden zuvor eine monatelange Überwachung des als Gefährder eingestuften Tunesiers Anis Amri eingestellt.

Der mutmaßliche Terrorist Anis Amri war am Freitag in einem Vorort von Mailand von italienischen Polizisten erschossen worden. Er habe bei einer Routineüberprüfung durch zwei junge Polizeibeamte "ohne zu zögern" seine Waffe gezogen und gefeuert, berichtete Italiens Innenminister Marco Minniti in Rom. Der Tunesier soll zuvor mit dem Zug über Frankreich nach Italien gereist sein. Am Bahnhof Sesto San Giovanni im Großraum Mailand begegnete er gegen 3.30 Uhr den Polizisten. Einer der beiden wurde an der Schulter getroffen. Er schwebe aber nicht in Lebensgefahr, sagte Minniti.

Gleiche Waffe?

Amri, der für längere Zeit in Italien in Haft gewesen war, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Mann, der am Montag in Berlin mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz gerast ist. Auf Amris Spur waren die Ermittler gekommen, als sie in dem Lastwagen seine Duldungspapiere fanden. Der Tunesier war 2015 über Freiburg nach Deutschland eingereist. Amris Fingerabdrücke wurden mehrfach an dem Lastwagen sichergestellt. Neben der Geldbörse fand die Polizei laut "Spiegel" einen Tag nach dem Anschlag offensichtlich auch das Handy Amris. Bei dem Attentat starben 12 Menschen, 53 wurden teilweise lebensgefährlich verletzt.

In den Ermittlungen im Fall Amri soll jetzt unter anderem untersucht werden, ob die Waffe, die er bei seinem Tod bei sich trug und aus der er feuerte, dieselbe ist, mit der in Berlin der Fahrer des gestohlenen Lastwagens erschossen wurde. Außerdem geht es darum zu klären, ob der 24-Jährige ein Unterstützernetzwerk, Mitwisser oder Gehilfen hatte, kündigte Generalbundesanwalt Peter Frank an. Die FDP forderte eine unabhängige Expertenkommission, die den Anschlag aufklären solle. "Die Untersuchung sollte nicht regierungsintern ablaufen", sagte FDP-Chef Christian Lindner.

Ein Sprachrohr der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat am Freitag ein knapp dreiminütiges Video veröffentlicht, auf dem der mutmaßliche Berlin-Attentäter zu sehen sein soll. In der Aufnahme schwört er IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue. Die Echtheit des Videos ist nicht unabhängig bestätigt.

Quelle: n-tv.de, jug/sba/dpa

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