Politik

Für manche der Anfang vom Ende Demokraten stürzen sich auf Buttigieg

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Bernie Sanders debattiert mit Joe Biden.

(Foto: REUTERS)

Die erste Fernsehdebatte der US-Demokraten nach dem gescheiterten Impeachment ist hitzig und laut. Bewerber Buttigieg muss einstecken, Biden wirkt unsicher, Sanders felsenfest, Klobuchar greift voll an. Und dann sind da noch zwei Unsichtbare.

Keine Allianz hält für ewig. Noch weniger, wenn sie in der Politik geschmiedet wurde und die Beteiligten den Erfolg am Ende für sich allein wollen. Doch mindestens ein Bündnis ist bei den US-Demokraten auch heute noch einigermaßen intakt: Elizabeth Warren und Bernie Sanders. Die Moderaten gehen hingegen aufeinander los.

Im Rennen um die Kandidatur gegen US-Präsident Donald Trump haben sich sieben Bewerber der Partei eine hitzige TV-Debatte geliefert, die inhaltlich, argumentativ und taktisch auf hohem Niveau stattfand. Nicht alle konnten mithalten, gaben aber Aufschluss darüber, wer am Ende gekürt werden könnte. Passenderweise hat die Debatte im kleinen Ostküsten-Bundesstaat New Hampshire stattgefunden, wo es am Dienstag auch zur Vorwahl kommt. Vieles deutet auf einen Erfolg von Bernie Sanders vor Pete Buttigieg hin. Die Historie zeigt: Wer in Iowa nicht gewonnen hatte, muss in New Hampshire siegen, sonst sieht es mit der Kandidatur düster aus. Wie wirkt sich dies auf die Diskussion aus?

Der bisherige Favorit Ex-Vizepräsident Joe Biden war in Iowa auf einem überraschend schwachen vierten Platz gelandet, hinter den beiden Gewinnern Buttigieg und Sanders sowie Warren. Für manche war die Debatte womöglich der Anfang vom Ende ihrer Kampagne. Das könnte Warren auch passieren, denn sie zog es vor, Sanders nicht zu attackieren, obwohl für sie dort viel Wählerpotenzial läge. Nach den chaotischen Vorwahlen in Iowa sind die zuvor auf Umfragen gestützten Kräfteverhältnisse unter den Bewerbern verschoben, doch noch hält das taktische Bündnis der beiden Linken.

Die Themen der Debatte sind Gesundheits-, Außen- und Drogenpolitik, die Reform des Obersten Gerichts und Abtreibung, Klimawandel sowie Kinderarmut. Schon die Eingangsfragen sollen wohl Zwietracht zwischen den Bewerbern zu säen. Am deutlichsten weicht Warren aus, als ein Moderator sie fragt, ob der größte Unterschied zwischen ihr und Sanders sei, dass sie Kapitalistin ist und Sanders nicht. "Wir sollten gemeinsam kämpfen", sagt sie und plädiert dafür, die unabhängige Wähler und moderate Republikaner für die Demokraten zu gewinnen. Zwar plädieren auch andere zunächst für Einigkeit gegen Trump, aber dann wird es so aggressiv wie in keiner der sieben (!) vorherigen Debatten.

Und die Wirtschaft?

Buttigieg nimmt eine Vorlage dankend an, als er sagt, es gehe darum, so viele Menschen wie möglich zu erreichen, und nicht andere zurückzulassen, weil sie Politik am Rand nicht gutheißen. "Reden Sie über Sanders?", fragt der Moderator, was Buttigieg bestätigt. Sanders reagiert geschickt: "Man bringt Menschen zusammen, indem man Politik für die Arbeiter macht, nicht für Milliardäre, (..) 15 Dollar Mindestlohn zahlt, (..) eine Krankenversicherung für alle einführt (…) So schlagen wir Trump." Das wirkt souverän und glaubhaft: Sanders lässt die Attacke abperlen, spricht einende Mantras und lenkt dann auf Trump ab. Das macht er mehrfach an diesem Abend.

Als die Kandidaten wie üblich die Differenzen ihrer Krankenversicherungsreformpläne austauschen, die US-Amerikaner inzwischen auswendig kennen dürften, grätscht Tom Steyer von der Seite dazwischen. Intensiv plädiert der Milliardär dafür, sich öffentlich einem anderen Thema zu widmen: der Wirtschaft. Das hat nicht etwa damit zu tun, dass Steyer ein Genosse der Bosse wäre - er will den Klimawandel zum unangefochtenen Leitmotiv seiner Politik machen -, sondern weil er denkt, Trump sei nur so zu schlagen. Die anderen Bewerber gucken etwas bedröppelt, womöglich weil sie wissen, dass er Recht hat. Die Wirtschaft ist Trumps Trumpf.

Nahezu alle attackieren zu irgendeinem Zeitpunkt der zweieinhalb Stunden den eloquenten, aber vermeintlich verwundbaren Buttigieg. Er hat nur Erfahrung als Bürgermeister, ist mit seinem 38 Jahren das Küken in der Runde und wird kaum von Afroamerikanern unterstützt. Mehrere nennen ihn deshalb einfach nur "Mayor Pete" – das ist sein Spitzname, der eben auch immer den Hinweis auf seine bisherige politische Erfahrung enthält; in der 100.000-Einwohner-Stadt South Bend im Bundesstaat Indiana. Der Wahlerfolg in Iowa macht ihn zudem zum Hauptziel der anderen Gemäßigten auf der Bühne. So wie für Amy Klobuchar. "Wir haben einen Newcomer im Weißen Haus. Guckt wohin es uns gebracht hat", warnt sie. Überhaupt ist Klobuchar überaus angriffslustig. Sie weiß, sie muss heute bei den Zuschauern punkten, sonst könnte das Rennen für sie schnell ganz vorbei sein.

Zwei Unsichtbare auf der Bühne

Der dritte der Moderaten mit Erfolgschancen ist Biden. Doch trotz seiner Erfahrung, die er immer wieder erwähnt, trotz einiger starker Momente, fällt eines auf: sein Alter. Der 77-Jährige spricht zuweilen undeutlich, verhaspelt sich, wirkt müde. Wenn es einen Verlierer dieser Debatte gibt, ist es er. Biden müsste an diesem Abend eigentlich attackieren, stattdessen ergibt er sich zum Einstieg. Wahrscheinlich werde ohnehin Sanders die Vorwahl in New Hampshire gewinnen, so wie schon 2016 gegen Hillary Clinton mit mehr als 20 Prozent Vorsprung. Da fällt kaum ins Gewicht, dass er die rund 1300 Gäste zu stehendem Applaus für Alexander Vindman animieren kann, dem Ukraine-Experte im Nationalen Sicherheitsrat, der in der Impeachment-Untersuchung gegen Trump aussagte und deshalb nun gefeuert wurde.

In Milliardär Michael Bloomberg gibt es einen Unsichtbaren auf der Bühne. Vor wenigen Tagen erreichte er in einer landesweiten Umfrage unter Demokraten die Spitzengruppe, er kam wie Warren auf 14 Prozent. Als der Moderator eine Frage über ihn stellt, explodiert Warren förmlich, wettert gegen private grenzenlose Wahlkampffinanzierung und Reiche, die sich einfach mal so in Wahlkämpfe einkaufen. Bloomberg stellt sich erst ab dem Super-Dienstag den Wählern und überzieht das Land mit TV-Werbespots. Bei einer Debatte war er bislang nicht dabei. Bloomberg hat so viel Geld, dass ihm offenbar schnurzpiepegal ist, ob ihm vorher irgendjemand für seinen Wahlkampf spendet.

Der zweite Unsichtbare auf der Bühne ist Trump. Teilweise verwenden die Bewerber komplette Antworten darauf, auf ihn einzudreschen. Wer Kandidat der Demokraten wird, muss sich ihm in TV-Duellen stellen, das wissen auch die Wähler. Sanders, Warren, Klobuchar und mit Abstrichen Buttigieg und Steyer wirken so, als könnten sie dabei bestehen. Beim Unternehmer Andrew Yang und Biden sieht das anders aus.

Quelle: ntv.de