Politik

Inszenierter Tatort-Besuch Demoliertes Polizeiauto rollt extra für Seehofer an

Mit seinem Besuch in Stuttgart will Innenminister Seehofer Präsenz zeigen und der Polizei den Rücken stärken - die bei den Ausschreitungen am Wochenende angegriffen worden war. Extra für den Besucher aus Berlin wird als Fotokulisse auch noch ein demoliertes Polizeiauto aufgefahren.

Nach den gewaltsamen Randalen in Stuttgart am Wochenende hat am Montag auch Bundesinnenminister Horst Seehofer den Ort des Geschehens besucht. Zusammen mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, dem Innenminister des Landes, Thomas Strobl, sowie dem Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn machte sich der Bundesminister im Zentrum der Landeshauptstadt ein Bild von der Lage.

Dazu gehörte auch ein Polizeifahrzeug, dessen Scheiben von den Randalierern eingeschlagen worden waren. Auf etlichen Fotos des Pressetermins ist Seehofer neben dem kaputten Fenster zu sehen. Doch das Polizeiauto stand nicht etwa seit den Ausschreitungen Samstagnacht an Ort und Stelle. Vielmehr wurde es extra noch einmal für den Termin mit Seehofer vorgefahren, wie die Stuttgarter Polizei ntv.de bestätigte.

Zuvor hatte der Fotograf und Journalist Jens Volle bei Twitter darüber berichtet. Das demolierte Polizeiauto sei "als Kulisse aufgefahren und wie ein Kunstwerk enthüllt" worden, schrieb er. Twitter-Nutzer kritisierten aber auch, dass bei dem Pressetermin Abstandsregelungen nicht eingehalten wurden.

In der Nacht zum Sonntag waren Hunderte Menschen durch die Stuttgarter Innenstadt gezogen. Dabei wurden auch Polizeibeamte attackiert und deren Fahrzeuge demoliert. Zudem wurden zahlreiche Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. 400 bis 500 Menschen sollen laut Polizei an der Randale beteiligt gewesen sein. Unklar ist bisher, wie es zu den Ausschreitungen kam. Acht mutmaßliche Randalierer sitzen in Untersuchungshaft. Die Männer sind zwischen 16 und 33 Jahre alt und besitzen die deutsche, kroatische, irakische, portugiesische und lettische Staatsangehörigkeit.

Seehofer hatte die Ausschreitungen am Montag als "Alarmsignal für den Rechtsstaat" bezeichnet und sprach von einer "Herausforderung für die ganze Republik". Es dürfe "nicht bei Entrüstung bleiben". Der CSU-Politiker erwartete eine "rasche und harte Verurteilung" der Täter. "Strafen sind immer noch das beste präventive Mittel", sagte er.

Quelle: ntv.de, mli