Politik

Globale Proteste gegen Rassismus Demonstranten füllen Berliner Alexanderplatz

35fe8b6827e73a9441fe0aa644eac34b.jpg

Tausende demonstrieren am Alexanderplatz.

(Foto: AP)

Der Tod von George Floyd bewegt Menschen auf der ganzen Welt. In vielen Städten gehen Tausende auf die Straße, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Auch in Deutschland haben die Demonstrationen viel Zulauf - von Hamburg über Berlin bis München.

Weltweit gibt es an diesem Samstag Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Alleine in Deutschland gingen in zahlreichen Städten Zehntausende auf die Straßen. In Berlin versammelten sich Polizeiangaben zufolge rund 15.000 Menschen auf dem Alexanderplatz. Damit kamen etwa zehn Mal mehr Menschen als von den Veranstaltern erwartet. Der Platz war komplett gefüllt, auch in umliegenden Straßen versammelten sich Demonstranten. Viele hielten Plakate hoch, "Black lives Matter", "Silence is Violence" und "Being black is not a crime" war darauf zum Beispiel zu lesen. Damit zeigten sie sich solidarisch mit den Demonstranten in den USA, die Gerechtigkeit für den schwarzen US-Bürger George Floyd fordern. Er war am 25. Mai gestorben, nachdem ein weißer Polizist minutenlang auf seinem Hals kniete.

Bei einer Schweigeminute setzten sich die Demonstranten, darunter viele Jugendliche, auf den Boden. Sie dauerte genau 8 Minuten und 46 Sekunden. So lange hatte der Polizist auf Floyds Nacken gekniet.

Viele Demonstranten trugen Mund-Nase-Bedeckungen, der Mindestabstand wurde jedoch oft nicht eingehalten. Weil der Alexanderplatz überfüllt war, rief die Polizei Demonstranten dazu auf, auf umliegende Straßen auszuweichen. Inzwischen wurde die Versammlung am Alexanderplatz beendet, daraufhin zogen etliche Demonstranten in Absprache mit der Polizei zum nahegelegenen Strausberger Platz weiter. Die Veranstaltung an sich verlief weitgehend friedlich, nach ihrem Ende kam es jedoch zu Zwischenfällen. Die Polizei twitterte, Beamte seien am Alexanderplatz aus einer größeren Gruppe mit Steinen und Flaschen beworfen worden. Mehrere Polizisten seien verletzt worden, es habe mehrere Festnahmen gegeben. Auch ein Pressefotograf wurde von einer Flasche getroffen.

20.000 Demonstranten in München

bdbc068fa1d83226d564fc1d063c87eb.jpg

Auch an der Demo auf dem Königsplatz in München beteiligten sich mehr Menschen als erwartet.

(Foto: dpa)

München versammelten sich rund 20.000 Demonstranten. Genehmigt war die Demonstration am Königsplatz nur für 200 Teilnehmer. Immer wieder waren Rufe "Black Lives Matter" ("Schwarze Leben zählen") zu hören. Auch hier hielten viele Demonstranten den Mindestabstand nicht ein. Ein Polizeisprecher sagte: "Wir haben permanent Durchsagen gemacht, um auf die Einhaltung der Abstandsregeln hinzuweisen, die gerade anfangs oft nicht eingehalten wurden." Das Versammlungsgelände sei schließlich erweitert worden, um mehr Platz zu schaffen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich auf Twitter kritisch: "Ich teile den Anlass des Protests voll und ganz. Aber trotzdem sind die Abstände zu klein." Die Gefahr der Corona-Pandemie sei nicht gebannt. Rassismus müsse bekämpft werden, aber ohne vermeidbare Corona-Tote. "Sind die Abstandsregeln heute ausgesetzt Herr Innensenator?", twitterte der Deutsche Polizeigewerkschaft Landesverband Berlin mit Blick auf die Demonstration auf dem Alexanderplatz.

Ausschreitungen nach friedlichen Protesten

*Datenschutz

Auch in der Hamburger Innenstadt gingen Tausende Menschen auf die Straße. Die Polizei sprach von etwa 10.000 Menschen rund um den Jungfernstieg und im gesamten Innenstadtbereich von etwa 14.000. Erlaubt waren wegen der Corona-Einschränkungen nur 525 Teilnehmer. Die Versammlung wurde deshalb beendet.

Im Anschluss an die friedlichen Proteste in Hamburg kam es zu Auseinandersetzungen: Die Polizei twitterte, sie habe Pfefferspray und Wasserwerfer eingesetzt, weil am Jungfernstieg mehrere hundert Personen Polizisten in Bedrängnis gebracht hätten. Zwei Beamte wurden laut Polizei verletzt. Einige Vermummte hätten Banner entrollt mit der Aufschrift "Bullenschweine" und "ACAB", was für "All cops are bastards" ("Alle Polizisten sind Bastarde") steht.

Vor den Demonstrationen hatte die Hamburger Polizei ihre Solidarität erklärt. "Wir sind an eurer Seite!", twitterte sie vor Beginn der Kundgebungen. "Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Wir arbeiten täglich dafür, dass sich alle Menschen in Hamburg sicher fühlen können."

Tausende an Jungfernstieg, Römer und Deutzer Werft

Rund 8000 Demonstranten versammelten sich in Frankfurt am Main. Nicht mal eine Stunde nach dem Beginn der Kundgebung sei der Römerplatz bereits voll gewesen, teilte ein Sprecher der Polizei mit. Weitere Teilnehmer könnten deshalb auf den nahe gelegenen Paulsplatz ausweichen. "Bisher ist alles friedlich", sagte der Sprecher heute Mittag. Auch die Hygiene- und Mundschutzregeln würden eingehalten.

In Köln beteiligten sich ebenfalls Tausende an einer Anti-Rassismus-Demosntration auf der Deutzer Werft. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet von rund 10.000 Menschen. Es kamen damit deutlich mehr Menschen als erwartet. Angemeldet gewesen seien gerade mal 500 Teilnehmer. Weitere Proteste gab es unter anderem in Stuttgart und Mannheim.

Australien und Asien machen den Anfang

*Datenschutz

Den Auftakt der weltweiten Protestaktionen gegen Rassismus und Polizeigewalt hatten Menschen in Australien und Asien gemacht, wo Tausende auf die Straßen gingen. Allein in Brisbane schätzte die Polizei die Zahl der Teilnehmer auf 10.000. Zahlreiche Teilnehmer forderten auch ein Ende von Polizeigewalt gegen die Ureinwohner Australiens. Ähnliche Demonstrationen gab es in Sydney, Melbourne, Adelaide und anderen australischen Städten.

Aus Tokio und Seoul wurden ebenfalls Demonstrationen gemeldet, wenn auch mit geringeren Teilnehmerzahlen. In Thailand riefen Aktivisten wegen der Corona-Einschränkungen in Bangkok dazu auf, online Videos und Fotos hochzuladen, auf denen schwarz gekleidete Menschen ihre Faust in die Höhe recken und auf Schildern erklären, warum sie "vereint hinter Black Lives Matter stehen".

In London zogen ebenfalls Tausende zum Parliament Square in der Nähe des britischen Parlaments. Dabei skandierten sie "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden, keine rassistische Polizei".

Trotz Verbot Proteste in Paris

*Datenschutz

Auch in zahlreichen französischen Städten gibt es Demonstrationen – etwa in Paris, Lyon, Lille oder Rennes. Trotz eines Verbots demonstrierten zahlreiche Menschen im Zentrum der französischen Hauptstadt - unter anderem in der Nähe der US-Botschaft am Place de la Concorde. Viele trugen Schutzmasken, aber längst nicht alle.

In Frankreich sind Versammlungen von mehr als zehn Menschen in der Öffentlichkeit wegen der Corona-Pandemie verboten. Die Polizei hatte deshalb etliche Proteste in Paris verboten. Bereits am Dienstagabend waren jedoch Tausende auf die Straße gegangen.

Zahlreiche Menschen hielten nun Schilder der "Black Lives Matter"-Bewegung in die Höhe. Andere forderten Gerechtigkeit für Adama Traoré. Der 24-jährige Sohn von Einwanderern aus Mali war vor vier Jahren in Polizeigewahrsam in einer Pariser Vorstadt ums Leben gekommen. Über die Todesursache wurden zahlreiche Gutachten und Gegengutachten erstellt. Ein Gutachten im Auftrag der Familie sieht Ersticken durch Außeneinwirkung als Todesursache, die Polizei weist das zurück.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/rts