Politik

Drahtzieher des Terrors Der Belgier

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Abdelhamid Abaadoud

(Foto: REUTERS)

Er war der derzeit meistgesuchte Terrorist Frankreichs: Abdelhamid Abaadoud wird bei einer Anti-Terror-Razzia getötet. Er soll hinter den Attacken von Paris stehen - und war der Spezialist des IS für Anschläge in Europa.

Nun ist Gewissheit, was schon am Morgen nach der Anti-Terror-Razzia in Saint Denis kolportiert wurde: Abdelhamid Abaadoud, Kampfname: "Der Belgier", ist tot. Wie die Pariser Staatsanwaltschaft nun zweifelsfrei feststellen konnte, ist der Leichnam des mutmaßlichen Drahtziehers der Terrorserie in der französischen Hauptstadt in der Wohnung in der Rue du Courbillon gefunden worden.

Es ist das Ende einer Hatz, die mit dem Freitag, den 13. November begonnen hatte. Die Hatz nach einem der meistgesuchten Terroristen der Welt. Bekannt wird er wenige Stunden nach den Anschlägen. Acht Terroristen schlagen fast zeitgleich in Paris zu, zünden Bomben und schießen wahllos um sich. Am Ende sind sieben der Attentäter tot, mindestens einer auf der Flucht - und 122 Unschuldige ermordet. Abaadoud stand in Kontakt mit Omar Ismail Mostefai und vermutlich mit einem weiteren der Attentäter. Er soll die Anschläge geplant haben.

Im Gefängnis mit einem der Attentäter

Abaadoud  ist wegen seiner Skrupellosigkeit so etwas wie ein Star des IS. Er hat sich vermutlich im Jahr 2013 der Terrororganisation angeschlossen und ist seither zu einer führenden Person aufgestiegen. Er gilt als Experte der Anschlagsplanung in Europa. Mehrere weitere geplante und gescheiterte Attentate sollen von ihm entworfen worden sein.

Seine Karriere beginnt sehr typisch: Als eines von sechs Kindern wächst er im berüchtigten Brüsseler Stadtteil Molenbeek-Saint-Jean auf, der als Brutstätte des Islamismus in Belgien gilt. Er besucht die St-Pierre-d'Uccle-Schule - keine schlechte Adresse. Doch als junger Mann radikalisiert er sich.

Abaadoud wird wie viele seiner Altersgenossen straffällig. 2010 kommt er wegen eines Raubüberfalls ins Gefängnis. Sein Zellengenosse ist Salah Abdeslam, Bruder des Attentäters, der sich vor der Bar "Comptoir Voltaire" in die Luft sprengte, und derzeit selbst gesuchter Terrorverdächtiger.

Abaadoud lockt kleinen Bruder nach Syrien

Nach dieser Zeit tritt Abaadoud erstmals beim IS in Erscheinung. Er reist immer wieder nach Syrien. Zur Zeit der Attentate auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" kehrt er nach Belgien zurück. Am 15. Januar 2015 fliegt in Verviers eine Terrorzelle auf, zu der auch Abaadoud gehört haben soll. Das Trio soll geplant haben, Kioske anzugreifen, die "Charlie Hebdo" verkaufen wollten. Bei der Razzia tötet die Polizei zwei Terroristen. Abaadoud selbst treffen sie nicht an.

Der Gotteskrieger flieht vermutlich quer über den Balkan zurück nach Syrien. Dort wird er als Held gefeiert. Dem IS-Propagandamagazin "Dabiq" gibt er ein Interview und prahlt, dass er sogar von einem Polizisten gestoppt worden sei, der ihn jedoch trotz Abgleichs mit dem Fahndungsfoto nicht erkannt habe. Er brüstet sich damit, die Sicherheitsbehörden Europas genarrt zu haben: "All das beweist, dass ein Muslim die Geheimdienste der Kreuzzügler nicht fürchten sollte."

Belgiens Justiz reagiert tatsächlich hilflos. In Abwesenheit wird Abaadoud zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Behörden sehen in ihm den wichtigsten Rekrutierer des IS in Belgien. In seinem Eifer macht er auch nicht vor der  eigenen Familie Halt: Sein kleiner Bruder Younes reist im Januar 2014 nach Syrien - er bekommt den Spitznamen "Der jüngste Dschihadist der Welt". Younes ist damals erst 13 Jahre alt.

Abaadoud soll hinter mehreren Attentatsversuchen stecken

Am 11. August 2015 nimmt die französische Polizei Reda Hame fest, der in einem IS-Camp in der Nähe von Rakka ausgebildet wurde. Hame gibt in einem Verhör an, von Abaadoud angeleitet worden zu sein. Der Plan: In Paris einen Konzertsaal oder "ein anderes einfaches Ziel" anzugreifen - es ist offenbar der damals gescheiterte Plan, der am 13. November in Paris schließlich umgesetzt wird.

Abaadoud ist nicht nur Drahtzieher dieses gescheiterten Attentats: Er stand auch in Kontakt zu Mehdi Nemmouche, der Ende Mai 2014 im Jüdischen Museum von Brüssel vier Menschen erschoss. Französische Behörden sehen auch Zusammenhänge zum fehlgeschlagenen Anschlag auf einen Thalys-Schnellzug im August und den vereitelten Attacken auf zwei Kirchen in Villejuif.

Die Meldungen über sein Leben in den letzten Monaten sind verwirrend: Von seinem "Märtyrertod" ist die Rede, von einem Posten als IS-Kommandeur in der ostsyrischen Stadt Deir ez-Zor. Es wird zunächst vermutet, dass Abaadoud die Anschläge von Syrien aus geplant hat. Am Ende finden ihn die Ermittler nur fünf Tage nach den Attentaten von Paris in Saint Denis wieder - nur ein Steinwurf vom Anschlagsort Stade de France entfernt.

Quelle: n-tv.de

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