Politik

Kommt bald die Nanny? Der Brexit-Lümmel von der ersten Bank

Es ist eine der wichtigsten Abstimmungen im Unterhaus. Dennoch lümmelt sich ausgerechnet der Vorsitzende des Unterhauses, der Brexiteer Rees-Mogg, fast in seiner ganzen Länge auf der Tory-Bank. Die Opposition fragt sich: Hat er die Fähigkeit zum Sitzen verloren? Oder ist es einfach schlechtes Benehmen?

Jacob Rees-Mogg ist ein Brite alter Schule. Eton, Oxford, das ganze Drum und Dran. Seine Anzüge sind maßgeschneidert, seine Schuhe poliert. Seine vielen Kinder, so prahlt er, hat er nie gewickelt. Als neuer Vorsitzender des Unterhauses erließ der überzeugte Brexiteer jüngst sogar eine Sprachregel, die bestimmte Worte verbietet. Doch so pedantisch er sonst gerne auftritt, bei einer der wichtigsten Debatten im Unterhaus in diesem Jahr missachtete er alle Konventionen: Über mehrere Sitzplätze verteilt, lümmelte er sich scheinbar dösend auf der grünen Tory-Bank.

Damit erreichte er vermutlich genau das, was er wollte: Bei der Opposition rief sein Benehmen heftige Empörung hervor. Die Abgeordnete der Grünen, Caroline Lucas, schäumte: "Nun gab es heute Abend viele Diskussionen über Demokratie und der Vorsitzende des Unterhauses - das muss ich sagen -  hat mit seiner Körpersprache so eine Verachtung für dieses Haus und seine Menschen ausgedrückt." Sie fügte noch hinzu, dass Rees-Mogg sich "über drei Sitze ausbreitete, er lag da, als müsse er etwas Langweiligem zuhören."

Die Labour-Abgeordnete Anna Turley erregte sich über "die Verkörperung von Arroganz, Anspruchshaltung, Respektlosigkeit und Geringschätzung unseres Parlaments". Ihre Parteifreundin Angela Rayner twitterte bissig, sie würde sich nicht wundern, wenn nun seine Nanny mit Decke, Kissen und einem heißen Getränk vorbeikäme. Und die Liberaldemokratin Sarah Wollaston fragte, ob Rees-Mogg wohl seine Fähigkeit verloren habe, sich ordentlich hinzusetzen, ob sein Herumhängen auf der Bank prätentiös oder einfach schlechtes Benehmen sei.

Die empörten Aufforderungen von Parlamentariern, sich ordentlich hinzusetzen, fochten Rees-Mogg allerdings nicht an. Erst als die Ergebnisse der Abstimmung verkündet wurden, bei der das Unterhaus in ungewohnter Geschlossenheit den Regierungskurs niederstimmte und eine Abstimmung über einen No Deal durchsetzte, saß er wieder aufrecht. Was die frühere Tory-Abgeordnete Anna Soubry zu der Bemerkung veranlasste: "Mr Speaker, das Ergebnis von heute Abend ließ sogar den Vorsitzenden des Unterhauses sich gerade hinsetzen."

Immerhin inspirierte Rees-Mogg eine Reihe von Twitter-Usern zu Parodien. Dabei sah einer in Rees-Moggs Gefläze den abstürzenden britischen Pfund verkörpert:

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Für einen anderen wiederum symbolisierte die Haltung des Tory-Politikers die verlorene Mehrheit der Regierung:

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Selbst als Ophelia, die Geliebte Hamlets, musste er herhalten. Bekanntlich fand deren Leben allerdings kein gutes Ende.

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Quelle: n-tv.de, ghö

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