Politik

Kurden-Sprecher im Interview "Der IS hat Kobane nicht aufgegeben"

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Mit Luftschlägen hat die USA-Geführte Allianz den Kampf gegen den IS rund um Kobane unterstützt.

(Foto: REUTERS)

Es ist ein triumphaler Moment. Nach 133 Tagen des Kampfes ist es den kurdischen Kämpfern und ihren Verbündeten gelungen, die Stadt Kobane vom Islamischen Staat (IS) zu befreien. n-tv.de konnte ihren Sprecher erreichen. Ein Lagebericht.

n-tv.de: Wie ist es Ihnen gelungen, die Kämpfer des IS aus der Stadt zu vertreiben?

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Idriss Nassan: Bevor die Leute zurückkehren können, brauchen wir dringend einen humanitären Korridor.

Idriss Nassan: In den ersten Monaten haben sich nur die Kämpfer der YPG und der YPJ (die Armeen der syrischen Kurden, Anm. d. Red.) mit einfachen Waffen gegen den IS gestellt. Dann beteiligte sich die internationale Koalition, es kamen die Peshmerga aus dem Irak mit teils schweren Waffen hinzu, und auch Kräfte der Freien Syrischen Armee halfen mit. Alle zusammen leisteten sehr starken Widerstand.

War auch die türkische Regierung eine Unterstützung?

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(Foto: http://www.understandingwar.org/)

Wir haben sie um Waffen und Munition gebeten, aber keine Antwort bekommen. Wir baten auch um einen humanitären Korridor. Die Antwort war negativ.

Welche Bedeutung hat der Triumph, den IS aus der Stadt verdrängt zu haben?

Man sollte das nicht überbewerten. Wir wollen ja nicht nur in Kobane siegen. Wir müssen auch das Umland vom IS befreien. Das wird uns vermutlich in nicht allzu ferner Zeit gelingen. Aber auch dann ist der Kampf nicht vorbei. Der IS beherrscht etliche Städte in der Region, zum Beispiel Jarabulus und natürlich Rakka. Solange das so bleibt, wird auch Kobane immer wieder belagert werden. Denn diese Terroristen haben die Stadt nicht aufgegeben. Sie glauben, dass sie Kobane eines Tages doch noch erobern können - vor allem, wenn die Luftangriffe der Allianz nachlassen sollten.

Können Flüchtlinge schon in die Stadt zurückkehren?

Es kommen nur sehr wenige zurück, ein paar Familien. Mehr ist auch gar nicht möglich. Mindestens die Hälfte der Stadt ist zerstört. Es gibt keinen Strom und kein Trinkwasser, keine Medikamente und keine Krankenhäuser. Bevor die Leute zurückkehren können, brauchen wir dringend einen humanitären Korridor.

Wie viele ihrer Kämpfer mussten im Kampf um Kobane ihr Leben lassen?

Ich habe keine genauen Zahlen. Es ist von mehr als 500 die Rede. Allerdings konnten wir mindestens 3000 Kämpfer des IS töten.

Mit Idriss Nassan sprach Issio Ehrich

Quelle: ntv.de