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RTL/ntv Trendbarometer Der Scholz-Effekt bleibt aus

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Kann er sie beerben? Olaf Scholz würde gern Nachmieter von Angela Merkel im Kanzleramt werden. Bislang fehlt ihm dafür der Rückhalt bei den Wählern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein rasanter Aufstieg sieht anders aus: Nur um 2 Prozentpunkte steigen die Umfragewerte der SPD mit Scholz als Kanzlerkandidaten. 2017 hatte Schulz die Partei noch um 10 Prozentpunkte nach oben gebracht. Doch so krachend, wie jener am Ende scheiterte, könnte ein moderater Anstieg die bessere Option sein.

Es sollte ein Paukenschlag im politischen Sommerloch werden: Olaf Scholz ist Kanzlerkandidat der SPD, die sich damit als erste der drei großen Parteien festgelegt hat, wen sie 2021 ins Rennen um den Einzug ins Kanzleramt schicken will. Doch in der potenziellen Wählerschaft konnten die Sozialdemokraten mit der Ankündigung vom Montag nicht den erhofften Pflock einhauen: Zwar verbessern sie sich im RTL/ntv Trendbarometer im Vergleich zur Vorwoche um zwei Punkte auf 16 Prozent. Doch bleiben sie weiterhin auf Rang drei hinter den Grünen, die ebenfalls zwei Punkte gut machen und nun bei 20 Prozent liegen.

Die Grünen haben die zusätzlichen Stimmen hauptsächlich der Union zu verdanken. Nach sieben Wochen, die CDU und CSU ihr Ergebnis von 38 Prozent halten konnten, rutschen sie in dieser Woche auf 36. Die SPD bekommt den Stimmenzuwachs vor allem aus dem Linkenlager, das der Partei nur noch 6 Prozent beschert, statt wie in den Vorwochen 8 Prozent. Die AfD verbessert sich von 8 auf 9 Prozent, einzig bei der FDP verändert sich gar nichts: Sie liegt konstant seit sechs Wochen auf 6 Prozent.

So sorgt die Entscheidung für Olaf Scholz für Bewegung im Parteienzuspruch. Darüber hinaus gelang es der Partei, die Festlegung auf den Finanzminister als Kanzlerkandidaten nicht nur frühzeitig zu treffen, sondern auch noch über Wochen geheimzuhalten. Das grenzt bei der SPD-Parteispitze, seit vielen Jahren für Ränkeschmiederei berüchtigt, schon an ein Wunder.

Mit diesen Werten stellt die SPD nicht den Kanzler

Bezüglich der Umfragewerte kann Scholz eindeutig keine Wunder vollbringen. Auch wenn es zu einem rot-rot-grünen Regierungsbündnis käme, könnte die SPD unter den jetzigen Bedingungen als zweitstärkster Partner hinter den Grünen nicht den Kanzler stellen. In einer Fortsetzung der GroKo trennten sie 20 Prozentpunkte von der Union - ein deutlicher größerer Abstand als der in der momentanen Koalition.

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Die Festlegung auf Olaf Scholz bringt diesem in der Kanzlerfrage zwei Prozentpunkte ein, doch bliebe er in einem potenziellen Wettbewerb mit Markus Söder und Robert Habeck weiterhin auf dem letzten Platz: Während Bayerns Ministerpräsident Söder 38 Prozent der Deutschen überzeugen könnte (Vormonat: 41), würden sich 16 Prozent für Olaf Scholz aussprechen (Vormonat: 14). Der Grünen-Co-Chef Robert Habeck hätte die Unterstützung von 19 Prozent der Wählerinnen und Wähler (Vormonat: 20).

Verglichen mit den Umfragewerten von Scholz' Vorgängern als Kanzlerkandidaten, wirkt der aktuelle Zuspruch deutlich schwächer. Frank-Walter Steinmeier konnte bei seiner Nominierung 2008 immerhin 27 Prozent in den Umfragen holen, für Peer Steinbrück schienen 2012 31 Prozent drin zu sein. Das beste Umfrageergebnis bei der Nominierung erzielte jedoch Martin Schulz mit 37 Prozent im Jahr 2017, seine Partei katapultierte er damals aus dem Stand um 10 Prozentpunkte hoch auf 31 Prozent.

Die Geschichte lehrte die Sozialdemokraten jedoch, dass es nicht unbedingt die beste Dynamik ist, am Anfang so steil aufzusteigen. Der in den Medien so betitelte "Schulz-Zug" verlor in den darauffolgenden Monaten merklich an Fahrt, und zur Bundestagswahl 2017 hatte die SPD die 10 Prozent Auftrieb komplett wieder eingebüßt.

Quelle: ntv.de