Politik

"Mutti" ist der Maßstab Der Typus Merkel siegt auf ganzer Linie

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Merkel im Wahlkampf in Brandenburg.

(Foto: dpa)

Eine Partei, die heute bei Wahlen in Deutschland erfolgreich sein will, hat zwei Möglichkeiten: Sie inszeniert sich als Protestpartei. Oder sie macht das genaue Gegenteil - sie macht es wie Merkel.

Die Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg haben viele Sieger: die AfD, die mit zweistelligen Ergebnissen den Sprung in beide Landtage geschafft hat; die CDU, die in Brandenburg ein schlechtes Ergebnis verbessert und in Thüringen auf hohem Niveau stärker geworden ist; die SPD, die zwar in Thüringen beschämend schwach ist, aber in Brandenburg klar bestätigt wurde; ein bisschen auch die Grünen, die, obwohl nur wenig beachtet, wieder in beiden Parlamenten vertreten sein werden. Aber der eigentliche Wahlsieger ist keine Partei, sondern ein Politikertypus. Es ist der Typus Merkel.

Als Bundeskanzlerin hat Angela Merkel Maßstäbe gesetzt. Viele Wähler schätzen ihre unaufgeregte, pragmatische Art. Sie wirkt unideologisch, ihre Angriffe auf politische Gegner sind selten unfair und nie hetzerisch. Kritiker bemängeln, dass Merkel keine Visionen hat. Doch sie wirkt, als habe sie alles im Griff. Früher schwang Spott mit, wenn Merkel "Mutti" genannt wurde. Spöttisch blickt niemand mehr auf Merkel, im Gegenteil: Sie wirkt als Role Model auf eine ganze Generation von Politikern. Ob SPD-Chef Sigmar Gabriel oder der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer: Alle wollen ein bisschen sein wie "Mutti".

So war es auch bei den jüngsten Landtagswahlen. In Thüringen inszenierte sich Linken-Spitzenkandidat Bodo Ramelow schon im Wahlkampf als Landesvater. CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht vermied alles, was auch nur im Entferntesten an eine Rote-Socken-Kampagne erinnert hätte, obwohl ihr Koalitionspartner, die SPD, Rot-Rot-Grün ausdrücklich nicht ausschließen wollte.

Keine Kontroversen

In Brandenburg hievte CDU-Spitzenkandidat Michael Schierack seine Partei mit einer Merkel-Strategie über die Zwanzig-Prozent-Marke. An SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke kam er freilich nicht heran - der profitiert nicht nur von seiner bedächtigen Art, sondern auch vom Nimbus der SPD als "Brandenburg-Partei". Zwei Wochen zuvor hatte Sachsens CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich es genauso gemacht, und auch die Spitzenkandidaten von SPD und Linken gaben sich im sächsischen Wahlkampf alle Mühe, so merkel-mäßig wie möglich zu sein.

Sachsen, Thüringen, Brandenburg - in allen drei Bundesländern gab es im Wahlkampf keine wirklichen Kontroversen, im Gegenteil: Die meisten Parteien verhielten sich so unauffällig wie möglich. Für Krawall sorgte einzig die AfD, die sich dem Merkel-Typus als Protestpartei naturgemäß verweigern muss. Es ist ein Teil ihres Erfolgsrezeptes, denn mit jedem ach so kontroversen Spruch, mit jedem Seitenhieb gegen die "Altparteien" kann die Truppe um Bernd Lucke zeigen, wie frisch und unangepasst sie doch ist.

Spannend wird sein, ob die AfD sich dieses Image auch dann bewahren kann, wenn sie eines Tages Regierungsverantwortung übernehmen sollte. Dann klärt sich auch die Frage: Kann man in Deutschland erfolgreich Politik betreiben, ohne zu sein wie Merkel?

Quelle: ntv.de

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