Politik

Vergleich mit Österreich Deutsche Rente kommt später und ist kleiner

Im Auftrag der Linken vergleicht der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags die Rentensysteme von Deutschland und Österreich. Das Fazit von Fraktionschef Bartsch: "In Sachen Rente können wir uns einiges von Österreich abschauen."

Deutsche arbeiten länger, bekommen aber eine geringere Rente als Österreicher. Das ergab eine Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags im Auftrag der Linken-Fraktion. Demnach liegt das "Regelpensionsalter" in Österreich für Männer bei 65 Jahren, für Frauen derzeit noch bei 60 Jahren, auch wenn dies für die Jahrgänge ab 1968 angehoben wird.

In Deutschland wird das Renteneintrittsalter gerade schrittweise bis 2029 auf 67 Jahre angehoben. Das tatsächliche Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 64,0 Jahren für Männer und 64,1 Jahren für Frauen. In Österreich sind es 63,2 Jahre für Männer und 60,4 Jahre für Frauen.

Schwieriger ist der Vergleich der Rentenhöhe, da als Mindestversicherungszeit für eine Altersrente in Österreich 15 Jahre und in Deutschland 5 Jahre vorausgesetzt werden, wie der Wissenschaftliche Dienst in seinem Papier schreibt, das ntv vorliegt. Unter anderem aufgrund geringerer Versicherungszeiten ergäben sich hierzulande entsprechend niedrigere Renten, "die einen direkten Vergleich verzerren".

In Österreich ergebe sich für durchschnittliche Verdienste nach 45 Beitragsjahren ab dem 65. Lebensjahr eine jährliche Bruttoaltersrente von 26.576,80 Euro. "Die hiermit nur bedingt vergleichbare Brutto-Standardrente nach 45 Versicherungsjahren betrug im Jahr 2018 in Deutschland 17.026 Euro." Der österreichische Durchschnittsrentner erhält damit 800 Euro monatlich mehr. Höher ist in Österreich allerdings auch der Beitragssatz. Dieser liegt seit 1990 stabil bei 22,8 Prozent. In Deutschland variiert der Rentenbeitrag stärker. Derzeit liegt er bei 18,6 Prozent.

Der zentrale Unterschied zwischen den Rentensystemen in Deutschland und Österreich ist der Kreis der Personen, die in die Rentenversicherung einzahlen. Während Beamte und die meisten Selbstständigen wie auch Abgeordnete nicht in die Rentenkassen einzahlen, erfasst die österreichische Alterssicherung nahezu sämtliche Erwerbstätige - Selbstständige, Beamte und Politiker eingeschlossen.

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"In Sachen Rente können wir uns einiges von Österreich abschauen", sagt Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch ntv. "Wir brauchen auch in Deutschland eine Rentenkasse, in die alle einzahlen, auch Abgeordnete, Selbstständige und Beamte."

Bartsch kritisiert, dass das deutsche Rentensystem stark auf der privaten Vorsorge basiert und dass das Renteneintrittsalter angehoben wurde. "Den Unsinn mit Riester und Rente erst ab 67 Jahren hat man in Österreich nicht gemacht", sagt er. "Es kann nicht sein, dass im wirtschaftlich stärksten Land Europas die Renten 800 Euro niedriger sind als in Österreich. Das dürfen sich die Bürger hierzulande nicht länger bieten lassen. Wir brauchen eine Neuausrichtung der Rentenpolitik in Deutschland."

Quelle: ntv.de, hvo