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Ex-Geisel schildert Haft in Syrien Deutsche arbeiten als IS-Folterknechte

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Nachgestellte Szene des Waterboardings. Wie die USA in Guantanamo wendet auch der IS diese Foltermethode an.

(Foto: dpa)

Selten kommt einmal eine Geisel des IS lebend aus Syrien wieder und kann aus erster Hand berichten. Ein junger Deutscher ist unter unbekannten Umständen freigekommen. Dem BKA nennt er Details aus seiner Haftzeit.

Der Generalbundesanwalt geht dem Verdacht nach, dass sich deutsche Dschihadisten an der Folterung von Geiseln des Islamischen Staates beteiligen. Wie die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR recherchiert haben, arbeiten mehrere Deutsche für den IS in Syrien und im Irak als Gefängniswärter, manche auch als Folterknechte.

Folter gehört in den IS-Gefängnissen zum grässlichen Standard. Die Informationen stützen sich auf die Aussagen eines 27 Jahre alten Deutschen, der bis Juni 2014 selbst in verschiedenen Gefängnissen des IS einsaß, unter anderem in Aleppo. Wie er frei kam, ist nicht öffentlich bekannt.

In seinen Vernehmungen durch Beamte des Bundeskriminalamtes berichtete der junge Mann, dass er während seiner fast einjährigen Gefangenschaft bei der Terrormiliz viele der später hingerichteten Geiseln kennengelernt habe. Darunter waren auch die US-Amerikaner James Foley und Steven Sotloff. Außerdem sei er dem berüchtigten Henker Dschihadi John begegnet.

Doch auch deutsche Dschihadisten liefen dem Gefangenen über den Weg. Bei einem der Folterknechte handelte es sich nach den bisherigen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft um Philip Bergner. Er war einer der bekanntesten deutschen Islamisten, ein zum Islam konvertierter früherer Pizzabote aus Dinslaken in Nordrhein-Westfalen. Er ging im Sommer 2013 nach Syrien und kam vermutlich bei einem Selbstmordanschlag nahe Mossul im Irak um.

Manche verlieren den Verstand

Auch andere Ex-Geiseln des IS haben von ihrem Martyrium erzählt. Ihre Berichte decken sich mit dem des deutschen Kronzeugen. Wie in den Hinrichtungsvideos müssen die Gefangenen des IS in den Gefängnissen orangene Overalls tragen. Solche Anzüge trugen auch die Gefangenen der USA im Lager Guantanamo. Angelehnt an die Foltermethoden der USA quält auch der IS seine Gefangenen mit Waterboarding.

IS-Angehörige wie "Dschihadi John" sollen Häftlingen in allen Einzelheiten die bevorstehende Exekution mit dem Säbel beschrieben haben. Der Reporter der spanischen Tageszeitung El Mundo, Javier Espinosa, schilderte dies in einem Bericht über seine 194-tägige Haft so: "Er strich den Säbel über meinen Hals. Spürst du ihn? Kalt, nicht wahr? Stellst du dir schon den Schmerz vor, wenn ich zuschlage? Ein unvorstellbarer Schmerz."

Darüber hinaus soll es immer wieder zu Scheinhinrichtungen mit nicht geladenen Pistolen kommen, die die Betroffenen schwer traumatisieren können. Mindestens einer soll den Augenzeugenberichten zufolge den Verstand verloren haben. Viele der IS-Gefangenen sind nie freigekommen. Sie wurden enthauptet oder auf andere Weise ermordet, zum Teil vor laufender Kamera. Nach Recherchen der "New York Times" wurden aber mindestens 15 Europäer freigelassen, weil europäische Länder Lösegeld zahlten. Die USA dagegen zahlen grundsätzlich kein Lösegeld.

Quelle: n-tv.de, nsc

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